Eine Überweisung von mehreren Millionen Franken an den Ex-Bankchef Pierin Vincenz soll kein Erlös aus einem als illegal taxierten Geschäft, sondern ein Darlehen von Beat Stocker an Vincenz gewesen sein. Dies berichtet die «NZZ am Sonntag» (NZZaS), der entsprechende Dokumente vorliegen.

Diese Dokumente betreffen laut dem Zeitungsbericht einen wesentlichen Anklagepunkt im sogenannten Raiffeisen-Prozess: den Fall Investnet, eine Private-Equity-Firma. 2022 sah es das Zürcher Bezirksgericht als erwiesen an, dass Vincenz und Stocker verdeckt an der PE-Gesellschaft beteiligt waren und illegalerweise Gewinne aus dem Verkauf von Investnet an Raiffeisen machten. Die Überweisung von 2,9 Millionen Franken sei also der Erlös aus der Beteiligung gewesen.

Die nun aufgetauchten Dokumente legen jedoch nahe, dass es sich bei der Zahlung um ein Darlehen von Stocker an Vincenz gehandelt habe. Konkret liegen laut der NZZaS Chats, E-Mails und Entwürfe für Darlehensverträge vor. Sie zeigen offenbar auf, dass Vincenz das Geld für einen Hauskauf im Tessin benötigt hatte. Das Bezirksgericht hat die Darstellung eines Darlehens als Schutzbehauptung gewertet. Dass ein topverdienender Bankchef wie Pierin Vincenz knapp bei Kasse sein kann, hielten die Richter für unwahrscheinlich.

Der zuständige Anwalt soll die Dokumente inzwischen als Beweisanträge beim Zürcher Obergericht eingereicht haben. Dieses wird den Fall im Berufungsverfahren voraussichtlich ab August neu beurteilen.

(cash)