Unerwartet starke US-Arbeitsmarktdaten sorgten am Freitag für einen deutlichen Anstieg der Renditen und stärkten die Erwartungen, dass der nächste Schritt der Fed bis Dezember eine Zinserhöhung sein wird. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf 4,55 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Wochen. Die Rendite zweijähriger Anleihen, die besonders empfindlich auf Zinserwartungen reagiert, kletterte auf 4,18 Prozent – den höchsten Wert seit Februar 2025.

Anleger versuchen, sich vor einer möglichen restriktiveren Ausrichtung der Fed in Position zu bringen. Am 17. Juni fällt die erste Zinsentscheidung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Als nächster wichtiger Impuls gelten die am Mittwoch anstehenden Verbraucherpreisdaten. Aus Inflations-Swaps geht hervor, dass Händler mit einem jährlichen Preisanstieg von rund 4,3 Prozent rechnen. Das wäre der höchste Wert seit 2023. Hintergrund sind unter anderem die weiterhin hohen Energiepreise infolge des festgefahrenen Konflikts mit dem Iran.

Die Vorstellung, dass die Fed die Zinsen senken müsse, sei inzwischen «verschwunden – von den Daten widerlegt worden», sagte Luigi Buttiglione, Geschäftsführer der Beratungsfirma LB Macro. Er rechnet in diesem Jahr mit Zinserhöhungen im Umfang von insgesamt einem halben Prozentpunkt, vermutlich beginnend im September.

Grundlegende Veränderungen

Die globalen Anleihemärkte haben sich seit Ende Februar grundlegend verändert. Damals führten die Angriffe der USA und Israels auf den Iran zu einem starken Anstieg der Ölpreise und machten die Erwartungen zunichte, die Notenbank könnte die Zinsen im Jahr 2026 senken.

Eine dauerhafte Waffenruhe bleibt bislang aus. Das erhöht das Risiko weiter steigender Energiepreise und neuer Inflationssorgen. Gleichzeitig sorgt die robuste Entwicklung der US-Wirtschaft für zusätzlichen Gegenwind am Anleihemarkt und erschwert die Lage für Warsh, der sich möglicherweise Forderungen aus dem Weissen Haus nach niedrigeren Finanzierungskosten gegenübersieht.

«Falls Kevin Warsh gehofft hatte, unmittelbar nach seinem Amtsantritt die Zinsen senken zu können, scheint das inzwischen ausgeschlossen», sagte Christophe Boucher, Chief Investment Officer bei ABN AMRO Investment Solutions. «Der Arbeitsmarkt ist derzeit zu stark, um eine Zinssenkung zu rechtfertigen.»

Sollten die Inflationsdaten am Mittwoch oder die Produzentenpreisdaten am Donnerstag eine weitere Beschleunigung des Preisauftriebs zeigen, könnte dies die Erwartung festigen, dass die Fed ihre bisherige Tendenz zu einer lockereren Geldpolitik aus ihrer offiziellen Erklärung streicht.

An der Wall Street haben grosse Banken ihre Prognosen für Zinssenkungen im Jahr 2026 inzwischen aufgegeben. Die Ökonomen von BNP Paribas rechnen seit Freitag sogar mit drei Zinserhöhungen der Fed, die höchstwahrscheinlich im Dezember beginnen werden.

(Bloomberg/cash)