Nach einem schleichenden Ausverkauf bei Staatsanleihen weltweit haben sich die Renditen bei den Papieren in den letzten Wochen und Monaten erhöht. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist in diesem Monat von 4,378 bis auf ​4,556 Prozent gestiegen. Die Rendite der Bundesanleihen in Deutschland steht bei 3 Prozent, selbst im klassischen Tiefzinsland wie Japan ist sie auf 2,7 Prozent gestiegen, dem höchsten Wert in diesem Jahrhundert.

Auch in der Schweiz ist der Zinsschub spürbar, wenn auch wie gewohnt auf klar tieferem Niveau: Die Rendite der zehnjährigen «Eidgenossen» ist von 0,23 Prozent Anfang Februar bis auf 0,6 Prozent am 22. Mai gestiegen. Das war der höchste Stand seit Ende März 2025. Zuletzt notierte der Zins bei 0,48 Prozent.

Der Markt reagiert damit auf die kriegerischen Ereignisse am Golf und auf die Entwicklungen an den Rohwarenmärkten. Es wird befürchtet, dass die anhaltend hohen Energiepreise die Inflation weiter ​nach oben treiben und zu Zinserhöhungen wichtiger Notenbanken führen. In den USA wächst etwa die Gruppe von jenen US-Notenbanker, welche nun eher eine Leitzinsanhebung statt einer lange Zeit erwogenen Zinssenkung in Betracht ziehen.

Die Entwicklungen bei den Obligationen haben einen Einfluss auf den Schweizer Hypothekarmarkt. So sind die Zinsen für zehnjährige Festhypotheken in den letzten Monaten angestiegen, da sie sich an den langfristigen Kapitalmarktzinsen (auch Swapsätze) orientieren. Der Durchschnittssatz bei Anbietern von zehnjährige Festhypotheken ist von 1,663 Prozent auf 1,9942 Prozent am 25. Mai geklettert.

Die Verteuerung bei den Anbietern von Hypothekenkrediten beobachtet auch Florian Schubiger, Geschäftsführer von hypotheke.ch: «Es war ein Anstieg auf breiter Front. Einerseits über alle Anbieter, andererseits auch über alle Laufzeiten hinweg. Auch bei den ‹verhandelten› Zinsen», sagt Schubiger gegenüber cash.ch. Bei Pensionskassen sei der Anstieg etwas weniger ausgeprägt. Diese Tendenz sei bei steigenden Zinsen oft sichtbar, weil die Pensionskassen Zinsen weniger regelmässig anpassten als andere Kreditgeberarten, fügt Schubiger an.

Die Daten von hypotheke.ch zeigen auch, dass der Zinsanstieg demgegenüber die Nachfrage nach Saron-Hypotheken gesteigert hat. Der Anteil von Abschlüssen bei Saron-Hypotheken lag im März noch bei 33,5 Prozent, im Mai lag er bereits bei 39,6 Prozent. Zeitgleich fiel der Anteil an Abschlüssen bei zehnjährigen Festhypotheken von 38,5 Prozent auf 29,7 Prozent. 

Schubiger bestätigt, dass die Nachfrage bei Immobilienkrediten vor allem zulasten der zehnjährigen Hypotheken ging. Allerdings sei dies in solchen Phasen nichts Aussergewöhnliches: «So ist es immer, wenn die Zinsen steigen.»

Wie entwickeln sich die Zinsen?

Bleiben zwei Fragen für Hypothekarnehmer: Wie entwickeln sich die Zinsen? Und müssen (künftige) Schuldner etwas unternehmen? Bei der ersten Frage gehen die Meinungen wie immer auseinander. Zinsprognosen sind erfahrungsgemäss fast schon ein Vabanquespiel. Jamie Dimon, Chef der US-Bank JP Morgan, warnte letzte Woche, dass die Zinsen selbst vom aktuellen Niveau noch deutlich steigen könnten.

Auf die Schweiz relativiert dies Daniel Hartmann, Chefökonom bei Bantleon: «Sowohl der strukturelle Vorteil bei der Inflation als auch bei der Staatsverschuldung sprechen für anhaltend niedrige Staatsanleihen-Renditen in der Schweiz». Die (relativ) tiefen Schweizer Renditen seien Ausdruck der aussergewöhnlichen politischen und wirtschaftlichen Stabilität der Schweiz in geopolitisch unsicheren Zeiten. 

Dennoch lockt in Zeiten von steigenden Zinsen der Abschluss von Saron-Hypotheken, die sich am Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) orientieren und für Banken weniger attraktiv sind als Festhypotheken. Eine Saron-Hypothek kostet im Schnitt rund 1 Prozent (der Leitzins der SNB liegt bei 0 Prozent).

Trotz der gestiegenen Attraktivität der Saron-Hypotheken sieht Florian Schubiger aktuell kein Handlungsbedarf für Hypothekar-Nehmer. «Wer Sicherheit sucht, kann immer noch mit gutem Gewissen eine langfristige Hypothek abschliessen.» Viele Leute seien sich nicht bewusst, wie schnell eine Saron-Hypothek ansteigen könne, wenn die Inflation anziehe. «Mit den Kriegen, Rohstofflieferketten und vielem anderen würde ich dies persönlich nicht ausschliessen und die Wette auf bald wieder fallende Zinsen eher nicht eingehen», so Schubiger, wobei auch die persönliche Finanzsituation und die Risikoaversion eine Rolle spielten.

Externe Schocks einmal ausgenommen, dürfen Saron-Schuldner trotzdem einigermassen beruhigt in die Zukunft blicken. «Echte Inflationsgefahren sind in der Schweiz weiterhin nicht in Sicht, weshalb die Schweizerische Nationalbank auch nicht gezwungen sein dürfte, die Leitzinsen aggressiv anzuheben», sagt Chefökonom Hartmann von Bantleon. 

Die Geldterminmärkte erwarten für die nächsten zwei Jahre knapp zwei Leitzinsanhebungen und für die nächsten drei Jahre knapp drei Leitzinsanhebungen um jeweils 25 Basispunkte, so Hartmann. Der Leitzins läge dann zwischen 0,50 Prozent und 0,75 Prozent. 

Daniel Hügli
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