Stevia - Nestle und Lindt setzen auf Zucker-Alternative aus Südamerika

In den vergangenen zehn Jahren ist ein wenig bekanntes Kraut, das 200 mal süsser ist als Zucker, zu einem 4 Milliarden Dollar schweren Markt geworden. Auch Schweizer Unternehmen nutzen es.
19.08.2017 10:30
Aus der Stevia-Pflanze lässt sich Süsstoff gewinnen.
Aus der Stevia-Pflanze lässt sich Süsstoff gewinnen.
Bild: Pixabay

Es ist in inzwischen in vielen Produkten zu finden. Es ist in inzwischen in vielen Produkten zu finden, von Coca-Cola-Limonaden bis hin zu Heinz-Ketchup. Kein schlechter Start für ein Produkt, von dem viele Leute meinen, es habe einen bitteren Nachgeschmack.

Die Stevia-Pflanze, die zu einem kalorienlosen Süssungsmittel verarbeitet werden kann, ist als Zucker-Alternative auf dem Siegeszug. Der Verbrauch verdreifachte sich von 2011 bis 2016 nach Angaben des Marktforschers Euromonitor International. Obwohl die Pflanze noch immer nur einen kleinen Anteil am Markt für Süssstoffe hat, investieren Unternehmen wie Cargill Inc. und ED&F Man Holdings Ltd. mehr - auch um den Geschmack zu verbessern. Die bittere Note hatte das Wachstum zuletzt ein wenig verlangsamt.

"Das ist ein Markt, der ein riesiges Wachstumspotenzial hat", sagt Jonathan Hugh, der Leiter des Agrar-Industrie-Bereichs beim Londoner Rohstoffhändler ED&F Man, der an dem Süssstoff Unavoo auf Stevia-Basis beteiligt ist. "Wir sehen viele Investitionsmöglichkeiten."

Geschmack nicht verändern

Die Suche nach einem kalorienarmen Zuckerersatz, der den Geschmack von bekannten und beliebten Marken nicht verändert, spiegelt ein langjähriges Ziel der Lebensmittelindustrie wider, nicht zuletzt wegen der globalen Fettleibigkeitsepidemie und steigenden Diabetesraten. Im Laufe der Jahre hatte das zu künstlichen Süssstoffen wie Aspartam, Sucralose und Xylitol geführt. Aber viele Verbraucher berichten über unangenehme Nebenwirkungen dieser Produkte, oder sie sorgen sich um die Einnahme von chemischen Zusätzen.

Stevia, das oft als natürliches Süssungsmittel vermarktet wird, weil es aus Pflanzenextrakten gewonnen wird, hat fast keine Kalorien und einen glykämischen Index von Null, was bedeutet, dass es von Diabetikern genutzt werden kann.

Stevia ist nach einem spanischen Botaniker benannt, gehört zur Sonnenblumen-Familie und wächst in Südamerika seit Hunderten von Jahren. Bis 2008 bekam die Pflanze nicht viel Aufmerksamkeit, doch dann führte Cargill - einer der weltweit grössten landwirtschaftlichen Betriebe - den Stevia-basierten Truvia-Süssstoff in den USA ein.

10'000 steviahaltige Produkte

Die Nachfrage beschleunigte sich danach. Im Jahr 2011 wurde von der Europäischen Union die Anwendung von Stevia in Lebensmitteln genehmigt. Es ist jetzt in Salatdressings, Kaugummi und sogar Gesichtswischtüchern für Babys zu finden. Die Pflanzen, die bei sonnigen, warmen Bedingungen gedeihen, werden heute auch in Paraguay, Kenia, China, den USA, Vietnam, Indien, Argentinien und Kolumbien angebaut.

Mehr als 10'000 Stevia-haltige Nahrungsmittel- und Getränkeprodukte wurden in fünf Jahren eingeführt. Das geht aus Daten von PureCircle hervor, einen in Malaysia ansässigen Stevia-Hersteller. Nestle, der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern, benutzt Stevia in Fruchtsaft in Brasilien, in Kaffeemischungen in Südkorea und bei der Marke Nestea.

Lindt-Tochter bringt Stevia-Schokolade auf US-Markt

Lindt & Sprüngli, der grösste Hersteller von Premiumschokoladen, sagt, dass seine Russell-Stover-Sparte Stevia-gesüsste Schokolade in den USA im Herbst vorstellen wird. Und Coca-Cola und Pepsi - die grössten Soda-Hersteller - nutzen den Stoff bei Diät-Getränken.

Stevia könnte die beste Chance der Branche sein, den Konsum von Zucker zu reduzieren, von dem sich viele Verbraucher in den vergangenen Jahren nur ungern trennen mochten. "Es gibt diesen Krieg gegen Zucker, daher ist Stevia gut positioniert", sagt Sara Girardello, Leiterin der hochintensiven Süssstoffforschung bei LMC International in Oxford. "Jeder ist jetzt hier aktiv."

(Bloomberg)