China legt im Taiwan-Streit mit Japan mit neuen wirtschaftlichen Massnahmen nach. Nur einen Tag nach dem Exportverbot sogenannter Dual-Use-Güter leitete die Volksrepublik am ‌Mittwoch ‌eine Antidumping-Untersuchung gegen Importe aus Japan ein. Konkret geht es um die Chemikalie Dichlorosilan, die vor allem in der Halbleiterindustrie verwendet wird, wie das Handelsministerium in Peking mitteilte. Die Untersuchung sei auf ​Antrag chinesischer Hersteller eingeleitet worden. Diese beklagten demnach, dass die ‌Einfuhrmengen aus Japan von 2022 bis ‌2024 gestiegen, die Preise jedoch um 31 Prozent gefallen seien. Dies habe der heimischen Industrie geschadet.

Dem Ministerium zufolge wird sich die Untersuchung unter anderem gegen die japanischen Konzerne Shin-Etsu Chemical, Air Liquide Japan und Mitsubishi Chemical richten. Sie soll bis zum 7. Januar ⁠2027 abgeschlossen sein. Die Untersuchung folgt nur einen Tag, nachdem China ein Exportverbot für sogenannte Dual-Use-Güter nach Japan verhängt hatte. Dies sind Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt ​werden können, etwa Hochleistungschips oder bestimmte Seltene Erden. China ist ‌für Japan ein wichtiger Lieferant dieser Rohstoffe, hat aber zunächst ‍nicht spezifiziert, welche Güter genau von dem Verbot betroffen sind.

Die Beziehungen zwischen den beiden grössten asiatischen Volkswirtschaften ​haben sich im vergangenen Jahr nach dem Amtsantritt der neuen japanischen Ministerpräsidentin Takaichi massiv verschlechtert. Takaichi hatte im November nicht ausgeschlossen, dass ein möglicher Angriff Chinas auf Taiwan eine militärische ‌Reaktion Japans auslösen könnte. Darauf reagierte die Volksrepublik ⁠mit heftiger Kritik, der Absage von Auftritten japanischer Künstler ‌und Aufrufen zum Boykott von Japan-Reisen. Auch wurde die Einfuhr japanischer Meeresfrüchte verboten.

Die kommunistische Führung in Peking betrachtet ‍das demokratisch regierte Taiwan als Teil ihres Staatsgebiets und schliesst eine gewaltsame Wiedervereinigung nicht aus. Äusserungen hochrangiger ausländischer Politiker, die als Unterstützung der Unabhängigkeit Taiwans ​interpretiert werden können, führen regelmässig zu diplomatischen Protesten Chinas. Die ‍meisten Staaten, darunter auch Japan und Deutschland, unterhalten im Rahmen ihrer Ein-China-Politik keine formellen diplomatischen Beziehungen zu Taiwan, pflegen aber inoffizielle Kontakte.

(Reuters)