Die drohenden schärferen Kapitalvorgaben der Schweizer Regierung für die Grossbank UBS stossen bei den Anlegern sauer auf. «Der Worst Case ist zwar ausgeblieben», erklärte Maurizio Porfiri, Anlagechef von Maverix Securities. «Aber auch so sind die Kapitalvorgaben der Regierung ‌für die ⁠UBS einschneidend.»

Die Investoren befürchten, dass die Regierungspläne die Renditen und das Wachstum des grössten globalen Vermögensverwalters für Reiche ⁠und Superreiche in Mitleidenschaft ziehen könnten. An der Börse sackten die UBS-Titel bis zum Mittag um drei Prozent ab, während der europäische Bankensektor 1,5 ‌Prozent verlor.

Der Bundesrat verlangt von dem Institut deutlich dickere Kapitalpuffer. Weil die Bilanz ‌der UBS rund eineinhalbmal so gross ist wie die Wirtschaftsleistung ​des Landes, könnte ein Rettungsversuch bei einer Schieflage der Grossbank den Staat in Bedrängnis bringen. Die Massnahmen könnten die UBS dazu zwingen, das harte Kernkapital (CET1) um rund 20 Milliarden Dollar aufzustocken. Das ist zwar weniger als die bis zu 26 Milliarden Dollar, die die Regierung im Juni im Rahmen eines Entwurfs nannte. Dennoch geht die Bank gegen die Pläne ‌auf die Barrikaden: Das Massnahmenpaket sei extrem, nicht international abgestimmt und hätte weitreichende Folgen für die Schweizer Wirtschaft.

Für das laufende Jahr hält die UBS an ihren Ausschüttungsplänen fest, denn die regulatorischen Änderungen treten frühestens 2027 in Kraft. Im Februar hatte das Institut für ​2026 Aktienrückkäufe und Dividenden über die kumulierten 6,4 Milliarden Dollar des Vorjahres in Aussicht ​gestellt. Längerfristig könnten die Aktionäre Analysten zufolge aber weniger erhalten als geplant.

«Wichtige strategische Entscheidungen»

Höhere Eigenkapitalanforderungen drücken die Eigenkapitalrendite, erklärte Porfiri. Damit werde die Bank aus Anlegersicht weniger attraktiv. Während etwa die USA die Anforderungen zurückschraubten, gehe die ‌Schweiz in die entgegengesetzte Richtung. «Auch im Tagesgeschäft droht der Bank damit ein Wettbewerbsnachteil. In kapitalintensiven Geschäften könnte die UBS das Nachsehen haben.» Citi-Analyst Andrew Coombs geht davon aus, dass die UBS etwa in Teilen des Investmentbankings gegenüber den Rivalen einen schweren Stand haben ​dürfte. Dies ​könnte die Bank zwingen, sich über die Zeit teilweise von ⁠internationalen Geschäften wie Anleihenemissionen, dem Zins- und Kredithandel sowie strukturierten Derivaten ​zu verabschieden.

Solange die regulatorische Unsicherheit anhalte, ⁠dürften die UBS-Aktien gegenüber anderen Sektorvertretern mit einem Abschlag gehandelt werden, erklärte David Benamou, Anlagechef bei Axiom Alternative Investment. «Vorschriften, die sie ‌zu einem klaren internationalen Sonderfall machen, könnten jedoch das internationale Wachstum bremsen und Spekulationen über wichtige strategische Entscheidungen anheizen.» UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher hatte vergangene Woche erklärt, bei strengen Kapitalvorgaben könnten «wichtige geschäftliche Entscheidungen bald unausweichlich werden». Einzelheiten nannte ‌er nicht. Er deutete aber an, dass ein Wegzug aus der Schweiz zu einer ​Option werden könnte.

Die Anleger hoffen nun auf das Schweizer Parlament, das über die gewichtigste Massnahme des Pakets, die Kapitalunterlegung ausländischer Tochtergesellschaften, entscheidet. «Wir gehen davon aus, dass es im Parlament zu weiteren Zugeständnissen kommen wird», erklärte Daniel Bosshard von der Luzerner Kantonalbank.

(Reuters)