Stromproduzent - BKW-Aktien zünden Kursfeuerwerk

Der Energiekonzern BKW macht nicht zuletzt dank seines Dienstleistungsbereichs ein gutes Geschäft. Im ersten Halbjahr übertraf der Gewinn die Markterwartungen deutlich. Die Aktie legt massiv zu.
03.09.2019 16:48
Suzanne Thoma ist seit 2013 Geschäftsführerin der BKW Energie AG.
Suzanne Thoma ist seit 2013 Geschäftsführerin der BKW Energie AG.
Bild: ZVG

Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten um 7 Prozent auf 1,37 Milliarden Franken. Stark gewachsen sind dabei die Dienstleistungen, welche die BKW in den Bereichen Gebäudetechnik, Infrastruktur und Ingenieurswesen anbietet. Im ersten Semester stieg der Umsatz im Dienstleistungsgeschäft um ein Fünftel auf 475 Millionen Franken und trug damit rund ein Drittel zum Gesamtumsatz bei.

Die Aktie von BKW steht vor Handelsschluss an der Schweizer Börse 15 Prozent höher. Vor dem Kurssprung hatte der Titel in diesem Jahr 6 Prozent verloren.

Mehr als zwei Drittel der rund 8'000 Mitarbeiter bei BKW sind in diesem Bereich tätig, zu dem mittlerweile über 100 Firmen gehören. Erst im Juli wurden drei Schweizer Unternehmen im Bereich der Gebäudetechnik übernommen, Ende August zwei weitere Ingenieursfirmen in Deutschland.

"Wir müssen wirtschaftlich sein"

Bei den Preisen, welche die BKW für die Unternehmen zahlt, werden auch künftige Synergien mit einberechnet und dass so qualifizierte Mitarbeiter zum Unternehmen stossen. Es sei aber falsch anzunehmen, das Unternehmen zahle "zu viel", sagte Konzernchefin Suzanne Thoma. Wenn dem so wäre, müsste sich das nach fünf Jahren längst am Ergebnis zeigen.

Und zum Vorwurf, die BKW als staatsnaher Konzern - der Kanton Bern ist Mehrheitsaktionär - verdränge mit ihrer aggressiven Shopping-Tour private Unternehmen, sagte sie im Interview mit AWP Video: "Wir dürfen und müssen wirtschaftlich tätig sein." Der Markt gehe durch eine Veränderung, werde komplexer. "Und sehr viele der Unternehmen, die wir zukaufen dürfen, sind sehr froh, dass sie einen guten Hafen für ihr Unternehmen finden." Diese würden bewusst ein Unternehmen wie die BKW wählen, um ihre Zukunft zu gestalten, so Thoma.

Vor fünf Jahren hatte der Berner Konzern den Entschluss gefällt, den Dienstleistungsteil stark auszubauen und sich so unabhängiger von der Stromproduktion zu machen.

Erfolgreiches Handelsgeschäft

Im klassischen Energiegeschäft belasten die BKW in diesem Jahr derweil letztmals der Strompreiszerfall von vor drei Jahren und vorher. Im ersten Halbjahr erreichten die negativen Effekte rund 60 Millionen Franken.

Die Schweizer Stromversorger sichern ihre Produktion grösstenteils drei Jahre im Voraus ab. Anfang 2016 hatte der europäische Strommarkt ein historisches Tief markiert und sich seither erholt. Ab dem kommenden Jahr dürfte daher auch die BKW vom Aufwind profitieren.

Im Berichtszeitraum konnte die Belastung zudem mit einem erfolgreichen Handelsgeschäft, mit einem Wachstum mit Geschäftskunden und mit Kosteneinsparungen überkompensiert werden.

Abkehr von Atomkraft

Dass sich der Konzern ohnehin weiter verändert, zeigt auch die geplante Stilllegung des Atomkraftwerks Mühleberg. Diese sei auf Kurs, hiess es am Dienstag. Am 20. Dezember 2019 soll der Reaktor vom Netz gehen.

Unter dem Strich wies die BKW für das erste Halbjahr einen zum Vorjahr um 59 Prozent höheren Reingewinn von 201 Millionen Franken aus. Neben dem starken operativen Ergebnis hätten sich auch die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds gut entwickelt.

Die Schweizer Betreiber der fünf Atomkraftwerke zahlen in die Fonds, welche die Finanzierung der Stilllegung und Entsorgung sicherstellen sollen. Immer wieder hat die Performance der Anlagen einen grösseren Einfluss auf das Unternehmensergebnis. So hatte die Rendite des Fonds den Gewinn der BKW im guten Börsenjahr 2017 in die Höhe getrieben, in dem von Marktturbulenzen geprägten 2018 fiel sie mit 4,5 Prozent negativ aus.

Mit Blick in die Zukunft geht die BKW angesichts des "sehr guten Halbjahresergebnisses" für das laufende Geschäftsjahr nun von einem besseren Ergebnis aus als bisher und sieht den EBIT neu bei 350 bis 370 Millionen Franken nach bisher 320 bis 340 Millionen.

(AWP)

 
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