Der Austausch menschlicher Beschäftigter durch «Kollege KI» zahlt sich einer Studie zufolge für Unternehmen nicht zwingend aus. «Personalabbau mag zwar finanziellen ‌Spielraum schaffen, ⁠bringt aber keine Rendite», sagte Analystin Helen Poitevin von der Beratungsfirma Gartner ⁠in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Erfolgreich seien vor allem diejenigen Unternehmen, ‌die statt auf Entlassungen auf gezielte Weiterbildung der ‌Beschäftigten setzten.

Für die Erhebung wurden ​350 Unternehmen mit mindestens einer Milliarde Dollar Umsatz befragt, die KI in grösserem Umfang nutzen. Zwar hätten 80 Prozent von ihnen Stellenkürzungen angekündigt, erläuterte Poitevin. Lediglich ein Prozent davon liess sich aber auf direkte Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz (KI) ‌zurückführen. Der Rest habe seine Ursache in anderen Faktoren wie unsicheren Konjunkturaussichten.

Langfristig würden durch den verstärkten Einsatz von KI-Agenten sogar Jobs geschaffen, betonte die Gartner-Expertin. Hochdigitalisierte ​Unternehmen wüchsen in der Regel überdurchschnittlich und benötigten daher zusätzliche Arbeitskräfte, ​um die KI-Systeme zu steuern und ​zu warten. «Dieses Phänomen lässt sich am einfachsten mit dem 'Jevons-Paradoxon' beschreiben», fügte sie hinzu. ‌Der britische Ökonom William Stanley Jevons beschrieb im 19. Jahrhundert das Phänomen, dass bei einer effizienteren Nutzung eines Rohstoffs die Nachfrage nach diesem nicht unbedingt fallen ​muss. ​Durch die geringeren Kosten verbreitet sich eine ⁠bestimmte Technologie schneller, wodurch der Gesamtbedarf für ​den Rohstoff steigt.

Vor allem ⁠in den USA streichen zahlreiche Firmen Stellen wegen KI. So will die ‌Facebook-Mutter Meta die Zahl der Beschäftigten um etwa zehn Prozent reduzieren. Dem Portal Layoffs.fyi zufolge sind seit Jahresbeginn knapp 100'000 ‌Jobs in der US-Technologiebranche verloren gegangen. Massenarbeitslosigkeit sei dennoch nicht zu ​befürchten, sagte Analystin Poitevin. Wie bei früheren technischen Umwälzungen würden bestimmte Berufe wegfallen, während andere neu entstünden. 

(Reuters)