Studie von Moneypark - Kann es zu negativen Hypothekarzinsen kommen?

In Europa und den USA stehen wegen der schwächelnden Weltkonjunktur Zinssenkungen vor der Tür. In letzer Konsequenz könnten damit auch Schweizer Hypothekarzinsen ins Minus rutschen - aber nur, wenn die Banken es wollen.
19.07.2019 11:05
Von Henning Hölder
Hypothekarzinsen könnten laut einem Experten schon in einem Jahr auf 0,2 Prozent sinken.
Hypothekarzinsen könnten laut einem Experten schon in einem Jahr auf 0,2 Prozent sinken.
Bild: pixabay.com

Die Leitzinsen werden aller Voraussicht nach weiter sinken. Ganz sicher in den USA, wahrscheinlich sogar in Europa. Alles andere wäre eine Überraschung. Die Gründe sind in erster Linie in einer abflauenden Weltkonjunktur und den andauernden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China zu finden.

Wegen des Negativzinsumfeldes sind die Kapitalmarktzinsen – also die Zinssätze, zu denen sich Banken refinanzieren (Swap-Sätze) – seit Jahren im Sinkflug. Seit Jahren leiden die Banken dadurch unter erhöhten Margendruck. Dies wirkt sich auf Hypothekarzinsen aus. Experte Adrian Wenger vom Beratungsunternehmen Hypothekenzentrum sagte kürzlich zu cash.ch, dass die Zinsen für zehnjährige Festhypotheken schon in einem Jahr bei 0,2 Prozent liegen könnten. Im Moment liegt der Schnitt noch bei rund 1,1 Prozent. 

Negative Hypo-Zinsen kein Hirngespinst mehr

Aber könnte es noch weiter gehen? Für viele Experten sind negative Hypo-Zinsen zumindest in der Theorie kein Hirngespinst mehr. Eine Analyse von MoneyPark erhebt allerdings grosse Zweifel, dass solch ein Szenario eintreffen wird. Der Hypothekenvermittler im Besitz des Helvetia-Versicherungskonzerns merkt an, dass eine Reduktion der Hypothekenzinsen schlicht und einfach mit zu hohen Margeneinbussen verbunden wäre.

"So lange auf den Sparguthaben bei Schweizer Banken keine Negativzinsen auf breiter Front verlangt werden, können die Hypothekarzinsen nicht unbegrenzt sinken", sind die Analysten von MoneyPark überzeugt.

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Es sei derzeit nicht davon auszugehen, dass es Banken wagen würden, flächendeckend Negativzinsen auf Sparguthaben einzuführen. Dazu hat sich MoneyPark bei Hypothekaranbietern umgehört und die Marktteilnehmer mit folgender Frage konfrontiert: Was reagieren Sie, wenn sich die langfristigen Swap-Sätze gegen minus ein Prozent entwickeln würden?

Untergrenze bei Hypo-Zinsen

Das Ergebnis: Die meisten Institute haben sich Untergrenzen gesetzt, wie weit sie bei den Hypo-Zinsen gehen würden im Falle von weiter sinkenden Swap-Sätzen. Und: Diese Untergrenze ist derzeit bei allen befragten Instituten über Null.

MoneyPark kommt daher zum Schluss, dass die Hypo-Zinsen bei der breiten Masse an Hypothekaranbietern im positiven Bereich bleiben werden. Und zwar unabhängig davon, wie sich die Swap-Sätze entwickeln.

Potenzial bei langen Laufzeiten?

Wenn sie auch nicht ins Negative sinken, gibt es dennoch noch Potenzial für sinkende Zinsen auf Hypothekar-Kredite? Laut MoneyPark dürften vor allem bei kurzen bis mittleren Laufzeiten die Konditionen an die untere Grenze gelangt sein. Doch langfristigen Hypotheken mit Laufzeiten von über zehn Jahren wird noch ein gewisses Potenzial eingeräumt.

So könne eine Ausweitung des Angebots auf Laufzeiten über zehn Jahre dem Margenschwund der Marktteilnehmer, zumindest kurzfristig, Einhalt gebieten. Erste Tendenzen sind diesbezüglich auch schon bei Kantonalbanken zu beobachten. Neuerdings bieten diese Institute vielfach auch Laufzeiten von 11 bis 15 oder gar 20 Jahren an.