Damit sind die Swisscom-Titel im Soge einer Neubewertung der defensiven europäischen Telekomwerte teuer geworden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt beim grössten Schweizer Telekomkonzern bei 23 und somit deutlich über dem fünfjährigen Durchschnitt von 17. Ebenso ist im Vergleich zu vor zwei Jahren das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) auf 2,8 von 2,0 angestiegen, wie Daten von Bloomberg zeigen.
Im Vergleich zur Konkurrenz war die Neubewertung bei Swisscom wesentlich ausgeprägter, betont Robert Grindle, Analyst bei der Deutschen Bank (DB). Entsprechend stuft er die Aktien mit einem Rating «Hold» und einem Kursziel von 540 Franken ein. Das entspricht einem Abwärtspotenzial von 17 Prozent.
Die grössten Abwärtsrisiken ergäben sich aus dem Wettbewerb und der relativen Bewertung, betont der DB-Experte. Aufwärtspotenzial bestehe dagegen nur bei einer weiteren Neubewertung des europäischen Telekommunikationssektors und überdurchschnittlichen Kosteneinsparungen im südlichen Nachbarland nach der Übernahme von Vodafone Italia.
An den defensiven Eigenschaften gebe es dagegen nichts zu bemängeln, so der Analyst der Deutschen Bank weiter. Vielmehr macht er andere Gegenwinde aus. Das ist einerseits die losgetretene Diskussion, dass der Bund seine Swisscom-Beteiligung zwecks Finanzierung der steigenden Militärausgaben reduzieren könnte. Andererseits bleibe der Schweizer Markt herausfordernd und die Synergien von 600 Millionen Euro nach der Übernahme von Vodafone Italia würden kurzfristig neutralisiert.
Sunrise glänzt bei der Dividendenrendite
Eine weiteres Problem für die Swisscom-Valoren ist die Dividendenrendite, welche auf 3,9 Prozent gesunken ist - für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 stellt die Swisscom eine Dividende von 26 Franken in Aussicht. Damit liege die Rendite deutlich unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 4,2 Prozent.
Vor diesem Hintergrund kommt es wenig überraschend, dass der Experte von der Deutschen Bank die Valoren von Sunrise mit einer Dividendenrendite von 7,5 Prozent zum Kauf empfiehlt. Das Aufwärtspotenzial bis zum Kursziel von 65 Franken wird auf knapp 50 Prozent veranschlagt.
Die Sunrise-Aktien profitierten im ersten Halbjahr 2025 nach der Abspaltung vom britisch-amerikanischen Medienkonzern Liberty Global von einem positiven Kursverlauf, der jedoch im zweiten Halbjahr durch die Angst vor verstärktem Wettbewerb und der Herabstufungen von Brokern getrübt wurde.
Die Herabstufungen unterstreichen, dass andere Telekommunikationsunternehmen stärker von Konsolidierungen, Markterholungen und Bilanzproblemen betroffen sind. Entsprechend stuft der DB-Experte Sunrise als eines der defensiveren Unternehmen im Telekom-Portfolio ein.
Der Kursrückgang im zweiten Halbjahr 2025 hat entsprechend die Stimmung getrübt. Die relative thematische Lage sollte jedoch nicht von der für die nächsten Jahre steuerfreien Dividende und einer Dividendenrendite von über 7,5 Prozent ablenken, insbesondere angesichts der tiefen Schweizer Zinssätze und des Potenzials für eine Marktverbesserung, so der Spezialist von der Deutschen Bank.
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) stuft die Sunrise-Titel mit «Übergewichten» ein, aber bei einem tieferen Kursziel von 54 Franken. Die ZKB führt wie Deutsche Bank die Differenz bei der Dividendenrendite als einen der Gründe für die Bevorzugung gegenüber Swisscom an. Der ZKB-Experte Christian Bader prognostiziert bei Sunrise für die kommenden Jahre leicht steigende freie Cashflows aufgrund von Kosteneinsparungen, einer Reduktion der Investitionen und fallenden effektiven Zinskosten.
Der ZKB-Analyst schätzt die effektive Ausschüttungsquote gemessen am freien Cashflow in den kommenden Jahren auf durchschnittlich 70 Prozent. Das lässt Raum für einen Anstieg der Dividendenausschüttungen, die für Aktionäre mindestens für die nächsten fünf Jahre von der Quellensteuer befreit bleiben.
Swisscom veröffentlicht das Jahresergebnis am 12. Februar, Sunrise am 18. Februar.

