Die Investoren unterschätzten das langfristige Potenzial aus dem wohl zunehmenden Direktvertrieb, lautet das Fazit des zuständigen Analysten. Die Swatch-Inhaberaktien notieren um 9.55 Uhr 1,8% im Plus bei 403,30 CHF. Sie sind damit der einzige SMI-Titel mit Kursgewinnen. Der Gesamtmarkt gibt aktuell um 0,75% nach.
Morgan Stanley stuft im Rahmen einer Branchenstudie das Rating für die Inhabertitel von Swatch auf 'Overweight' von 'Equal Weight' hoch und erhöht das Kursziel auf 475 von 415 CHF. Begründet wird dies mit den langfristigen Chancen, die sich aus neuen Vertriebskanälen ergäben.
"Wir gehen davon aus, dass sich die Distribution in Richtung von Apples Direktvertrieb entwickeln wird", schreibt der zuständige Analyst Edouard Aubin. Konkret geht er davon aus, dass bis ins Jahr 2023 wertmässig 27% der Schweizer Uhren direkt an die Kunden verkauft werden - über den Detailhandel und vor allem über neue Onlinekanäle. Aktuell seien es erst 9%.
Eine Herausforderung werde es dabei sein, potenzielle Käufer auf die eigenen Seiten zu locken, räumen die Autoren ein. Heute würden Schweizer Uhren online grösstenteils über die Plattformen von Drittanbietern verkauft, welche zum Teil satte "Graumarkt"-Rabatte gewährten. "Wir sind der Meinung, dass die Umstellung relativ schnell erreicht werden kann", meinen die Analysten allerdings.
Und dann locken ihrer Meinung nach höhere Margen: Konkret sei bei einer Uhr mit einem Verkaufswert von 10'000 CHF bei einem Direktverkauf eine Verdreifachung des Gewinns zu erwarten gegenüber dem Absatz über einen Detailhändler. Weitere positive Nebeneffekte seien optimierte Lagerbestände und die Möglichkeiten zum Sammeln von Kundendaten.
Richemont wird im Kommentar ebenfalls positiv erwähnt. Allerdings lautete die Einstufung zu diesem Titel bislang schon auf 'Overweight', und das leicht erhöhte Kursziel (111 von 107 CHF) liegt weiterhin deutlich über dem aktuellen Wert (-0,2% auf 84,88 CHF). Uhren machten bei Richemont nur rund 40% des Umsatzes aus; und in den anderen Bereichen sei der Anteil des lukrativeren Direktvertriebs schon relativ hoch, heisst es zur Begründung.
(AWP)
