Gegen 10.50 Uhr legen vor allem die Swatch-Titel (+2,5 Prozent auf 220,40 Fr.) zu. Sie bleiben im Aufwärtstrend und liegen nun seit Jahresbeginn mit gut 30 Prozent im Plus. Aber auch die Richemont-Papiere steigen mit 0,6 Prozent auf 167,25 Franken stärker als der Leitindex SMI (+0,4 Prozent). Richemont werden in diesem Jahr zwar um rund 3 Prozent tiefer gehandelt, notieren aber Analysten zufolge weiterhin auf einem hohen Niveau.

Schweizer Uhrenexporte sind im April um 17 Prozent geschrumpft, dies primär wegen des Einbruchs in den USA (-56 Prozent). Da lag die Latte sehr hoch, nachdem die Hersteller im Zuge der Zoll-Ankündigung von US-Präsident Trump vor Jahresfrist im grossen Stil Produkte in die USA verschoben hatten. Zudem wurden im April wegen des Nahost-Kriegs weniger Uhren in diese Region exportiert (-11 Prozent). Der Rückgang fiel damit aber tiefer aus als im März (-21 Prozent).

Die Uhrenexportdaten seien auch 2026 monatlich grossen Schwankungen unterworfen, hält Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy fest. So dürfte die Entwicklung in den USA wegen weiterer Zoll- und Lagerbestandseffekten auch in den kommenden Monaten nur schwer einzuschätzen sein. Zudem hätten Hersteller die Exporte wegen tieferer Zollbelastungen auch über andere Länder wie zum Beispiel Frankreich umgeleitet, was das Bild zusätzlich verzerre.

Stabilisierung in Asien erkennbar

Im Nahen Osten hätten sich die Uhrenexporte überraschend stabil gehalten, so der Vontobel-Experte weiter. Darüber hinaus hätten die gestiegenen Ausfuhren in asiatische Märkte wie China, Hongkong und Singapur ermutigende Anzeichen einer Stabilisierung der dortigen Nachfrage gezeigt. Das Wachstum basiere allerdings auf einem tiefen Vorjahresniveau. Wegen des starken Schmuckgeschäfts bevorzugt Bertschy weiterhin die Richemont-Titel gegenüber jenen der Swatch Group.

Trotz der anhaltenden Volatilität und des komplexen geopolitischen Umfelds deuten die Daten laut Einschätzung der UBS darauf hin, dass sich die zugrunde liegenden Markttrends für die Uhrenbranche verbessern. Die Entwicklung in den kommenden Monaten werde entscheidend sein, um beurteilen zu können, ob die Erholung des Uhrensektors im Jahr 2026 tatsächlich nachhaltig sei. Besonders erfreulich sei die zuletzt in China gesehene Verbesserung.

Luca Solca von Bernstein sieht die Uhrenbranche auf einem stetigen Erholungskurs. Die globalen Exporttrends hätten sich zuletzt vor allem in China langsam und stetig erholt, während sich die US-Nachfrage nach Schweizer Uhren im unsicheren Umfeld als widerstandsfähig erweise. Kommentare von den Firmen deuteten darauf hin, dass die zollbedingten Preiserhöhungen von den US-Konsumenten ziemlich gut akzeptiert worden seien. Sorge bereitet Solca aber der Nahost-Konflikt, die Folgen für die Reiseindustrie sowie eine sich abschwächende Konsumentenstimmung.

mk/hr

(AWP)