Die Aktien der Swisscom legen am Freitagmorgen um 0,5 Prozent auf 712 Franken zu, während der Swiss Market Index (SMI) um 0,8 Prozent hinzugewinnt und auf ein neues Allzeithoch steigt. Seit Jahresbeginn hat der Swisscom-Titel 23 Prozent zugelegt und weist vor ABB das höchste Kurswachstum aus. Bereits 2025 ist der Titel deutlich gestiegen. Swisscom profitiert eindeutig vom Bonus als sicherer Hafen für Anleger in unsicheren Zeiten.
Die UBS senkte nun am Freitag das Rating für Swisscom auf «Neutral» von «Buy», erhöhte aber das Kursziel zugleich auf 735 von 680 Franken. Der zuständige Analyst bleibt zwar grundsätzlich positiv für die Aktie, weil sich sowohl in der Schweiz als auch in Italien dank weniger Werbedruck und steigender Preise eine Stabilisierung abzeichne.
Die angekündigte Dividendenerhöhung um 1 Franken je Aktie auf 27 Franken ab 2026 sei am Markt gut angekommen, argumentiert der UBS-Experte weiter. Allerdings sei die Swisscom-Aktie bereits stark gestiegen, weshalb die Senkung des Ratings auf «Neutral» von «Buy» gerechtfertigt sei. Damit die Titel von Swisscom weiter deutlich zulegen, brauche es zusätzlichen Input für eine Neubewertung.
Seit Jahresbeginn haben nicht nur die Valoren der Swisscom deutlich zugelegt. So können zum Beispiel auch die Aktien der Deutschen Telekom mit einem Kursgewinn von 23 Prozent aufwarten. Der europäische Telekommunikationssektor hat dabei von der Umschichtung weg von KI-beeinflussten Branchen hin zu Sachwerten sowie defensiven und Value-Sektoren profitiert.
Die Telekom-Branche setze die KI bereits erfolgreich ein, da diese über grosse Datenmengen, Prozesse und Kunden verfüge, die von Effizienzsteigerungen und Margenverbesserungen profitieren können, schrieb der UBS-Analyst Polo Tang in einer separaten Kundennotiz vor Wochenfrist. Konkrete Beispiele für die Vorteile von KI für den Sektor seien der Einsatz von Chatbots zur Senkung der Callcenter-Kosten und die personalisierten Angebote zu bestimmten Zeiten zur Kundengewinnung und -bindung, wodurch die Kosten ebenfalls reduziert werden können.
Analysten sind weiter geteilter Meinung
Gegen oben scheint das Kurspotenzial begrenzt. Die UBS ruft mit 735 Franken das höchste Kursziel auf, gefolgt von Morgan Stanley mit 720 Franken und BNP Paribas mit 710 Franken. Auf der anderen Seite fallen die tiefen Kursziele von Barclays mit 450 Franken, Bank of America mit 464 Franken und Goldman Sachs mit 470 Franken auf.
Die Bank of America erhöhte vor 10 Tagen das Kursziel für Swisscom auf 463 von 451 Franken und beliess die Einstufung auf «Underperform». Italien habe Fortschritte gezeigt, während das Umsatzwachstum in der Schweiz nach wie vor schwach geblieben sei, schrieb der zuständige Analyst im Nachgang der Zahlen zum vierten Quartal. Zudem hätten Preiserhöhungen im B2C-Bereich das Risiko von Kundenabwanderungen erhöht.
Der Ausblick für das Geschäftsjahr 2026 entspreche weitgehend den Markterwartungen, sei auf Konzernebene jedoch um negative Währungseffekte bereinigt worden. Seine Umsatzprognosen für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 reduziere er nun aufgrund von Wechselkurseffekten um je 0,3 Prozent.
Ein Blick auf die Daten von Bloomberg zeigt, dass der Titel nicht zwingend überbewertet ist, auch wenn dies ein schneller Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) anzeigen könnte. Einerseits steht das KGV für Swisscom bei 26 gleich hoch wie bei Telecom Italia, aber deutlich über dem von Orange oder der Deutschen Telekom (je 16).
Auf der anderen Seite steht das Verhältnis des Unternehmenswerts im Verhältnis zum Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EV/Ebitda) bei 7,8 und liegt leicht über dem zweijährigen Durchschnitt vor der Ankündigung der Übernahme von Vodaphone Italia. Nach der Ankündigung der Übernahme lag dieses Verhältnis wegen der Unsicherheiten um die Transaktion unter dem langjährigen Durchschnitt.
Gemäss AWP-Analyser stufen zwei Analysten den Titel mit «Kaufen» ein, acht mit «Halten» und sechs mit «Verkaufen». Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 573 Franken.
Interessant wird die Zeit für die Swisscom-Aktie nach dem Dividendenabgang am 27. März. Dann wird sich zeigen, ob die Nachfrage nach den Aktien weiter anhält.
(cash)
