Das zum chinesischen Staatskonzern Sinochem gehörende Unternehmen mit Sitz in Basel strebe eine Notierung in Hongkong an, bei der bis zu zehn Milliarden Dollar erlöst werden könnten, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Syngenta erwäge, bis zu 20 Prozent der Anteile zu platzieren. Über die genaue Grösse und den Zeitpunkt sei jedoch noch nicht entschieden worden, dies hänge vom Marktumfeld ab.
Der Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut sei dabei, Banken für den Deal auszusuchen. In dem Zusammenhang führe das Unternehmen Gespräche mit Goldman Sachs, UBS und der chinesischen Investmentbank CICC. Syngenta sei auch im Austausch mit Morgan Stanley und HSBC, sagten weitere mit der Angelegenheit vertraute Personen. CICC, UBS und HSBC lehnten eine Stellungnahme ab, Goldman Sachs und Morgan Stanley reagierten zunächst nicht auf Anfragen. Einer der Insider erklärte, bisher sei keine Bank mandatiert worden. Der Prozess habe erst begonnen, und Syngenta peile eine Börsennotiz bis zum Ende des Jahres an.
Syngenta lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab, über die Reuters zuerst berichtet hatte. Ein Firmensprecher erklärte, das Unternehmen prüfe seine Kapitalmarkt-Optionen und berücksichtige dabei das Marktumfeld und andere Faktoren, die für die Aktionäre wichtig seien. «Wie wir immer gesagt haben, beabsichtigen wir, an den Kapitalmarkt zurückzukehren, wenn die Zeit reif ist.»
Hongkong ist Spitzenreiter bei Börsengängen
Syngenta werde einen Teil der Erlöse aus dem Börsengang zum Schuldenabbau verwenden, so die Insider. Ende 2024 belief sich die Nettoverschuldung Firmenangaben zufolge auf 24,8 Milliarden Dollar. Ein weiterer Teil der Mittel könnte für Forschung und Entwicklung sowie Zukäufe eingesetzt werden.
Syngenta erwirtschaftete in den ersten neun Monaten 2025 bei einem Umsatz von 20,9 Milliarden Dollar ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 3,4 Milliarden Dollar. Das Unternehmen wurde 2017 von ChemChina für 43 Milliarden Dollar gekauft und 2021 in Sinochem eingegliedert. Damals begannen auch die Vorbereitungsarbeiten für einen erneuten Gang aufs Börsenparkett. Doch das Vorhaben verzögerte sich immer wieder, unter anderem weil die Behörden immer neue Anforderungen stellten und die Marktbedingungen ungünstig waren. Im März 2024 legte Syngenta die Börsenpläne an der Shanghai Stock Exchange dann auf Eis.
Vom Börsengang in Hongkong, wo auch viele ausländische Anleger investieren, erhofft sich Syngenta zwei Insidern zufolge auch eine internationalere Aktionärsstruktur. Eine Verringerung des Anteils chinesischer Aktionäre könnte angesichts der Handelsspannungen zwischen China und den USA hilfreich sein, hiess es. Die USA sind ein Schlüsselmarkt für Syngenta. Insgesamt ist der Rivale von Bayer und BASF in 90 Ländern aktiv und beschäftigt rund 56.000 Personen. Eine Zweitnotierung sei gegenwärtig kein Thema, sagte einer der Insider. Falls sich die Pläne in Zukunft ändern sollten, sei die Schweizer Börse der Favorit.
Über den Umfang des Börsengangs, der zehn bis 20 Prozent der Aktien umfassen und fünf bis zehn Milliarden Dollar einbringen könnte, wurde noch keine Entscheidung getroffen, sagte einer der Insider. Falls zehn Milliarden Dollar aufgebracht würden, wäre dies laut Daten von Dealogic die drittgrösste Notierung weltweit in den vergangenen fünf Jahren, nach Rivian Automotive im Jahr 2021 und LG Energy Solution im Jahr 2022.
Ein Börsengang von Syngenta würde Hongkong als Standort für Kapitalbeschaffungen weiteren Schub verleihen. 2025 eroberte die Stadt weltweit den ersten Platz bei den Erlösen aus Börsengängen. Daten von LSEG zufolge haben Unternehmen im vergangenen Jahr bei Börsengängen am Hongkonger Hauptsegment rund 37,2 Milliarden Dollar aufgenommen. Auch 2026 verbuchte der asiatische Finanzplatz einen starken Start. Im Januar kamen laut LSEG-Daten zwölf Unternehmen auf das Parkett und sammelten dabei rund 4,2 Milliarden Dollar ein.

