Grosse Technologiekonzerne versprechen, Menschen sicherer und effizienter zu befördern. Seit 2018 werden selbstfahrende Taxis in kleinem Massstab eingesetzt. Die USA und China sind dabei führend. Im vergangenen Jahr konnten Fahrgäste auch in Kroatien, Singapur, Dubai, Abu Dhabi und Riad autonome Taxis bestellen. London könnte bald folgen.

Der Durchbruch verläuft jedoch langsamer als erwartet. Entwickler kämpfen mit logistischen Herausforderungen und regulatorischen Hürden. Diese müssen überwunden werden, bevor Robotaxis herkömmliche Taxis in grösserem Umfang ersetzen können.

Warum gibt es Robotaxis?

Als Google 2010 sein Forschungsprojekt für selbstfahrende Autos vorstellte, beschrieben die Ingenieure eine Zukunft, in der Menschen während der Fahrt anderen Tätigkeiten nachgehen können. Autofahren wurde dabei als lästige Aufgabe dargestellt und Privatfahrzeuge als unnötige und kostspielige Belastung, auch wenn sie mitunter Freude bereiten. Nach dieser Vorstellung würde der private Autobesitz langfristig durch Netze autonomer Fahrzeuge ersetzt, die jederzeit und überall für einzelne Fahrten verfügbar sind.

Befürworter argumentieren zudem, Robotaxis seien umweltfreundlicher. Sie verbrauchen weniger Energie, weil sie Routen optimieren und unnötiges Bremsen sowie Beschleunigen vermeiden. Grosse Flotten könnten den Verkehrsfluss verbessern und Staus verringern. Da Privatwagen die meiste Zeit geparkt sind, Robotaxis dagegen nahezu dauerhaft genutzt werden können, würden mehr Fahrgäste pro Fahrzeug befördert und insgesamt weniger Autos benötigt.

Tesla-Chef Elon Musk schlägt ein Modell vor, bei dem beide Konzepte nebeneinander bestehen. Besitzer von Tesla-Fahrzeugen könnten ihre Autos dem Robotaxi-Netzwerk zur Verfügung stellen, wenn sie sie nicht selbst nutzen – ähnlich wie eine Wohnung über Airbnb vermietet wird.

Für Fahrdienstvermittler wie Uber und Lyft würden Robotaxi-Flotten zudem die Möglichkeit eröffnen, auf die Dienste von Millionen Fahrern zu verzichten. Deren Einkommen stellt den grössten Kostenblock der Branche dar.

Wo fahren Robotaxis?

In den meisten Regionen bislang noch gar nicht. Im Juni gab es Robotaxi-Dienste in rund zwei Dutzend Städten in den USA und China. Sie sind meist auf zentrale Stadtgebiete beschränkt, in denen die Nachfrage am höchsten ist.

Gebucht werden können sie über Apps von Waymo, Tesla Robotaxi, Baidus Apollo Go oder PonyAIs PonyPilot+ sowie über Plattformen wie Uber, Lyft, WeChat und AliPay. Erste Angebote gibt es ausserdem in mehreren Städten Europas, des Nahen Ostens und in Singapur.

Robotaxis bleiben jedoch deutlich in der Unterzahl. Laut BloombergNEF wird die Zahl der Robotaxis zwischen 2025 und 2026 voraussichtlich von etwa 8000 auf 18'000 ansteigen. Bis 2036 werden Robotaxis jedoch voraussichtlich immer noch nur 1 Prozent des weltweiten Pkw-Bestands ausmachen. Gemessen an den gefahrenen Personenkilometern steigt ihr Anteil auf 2 Prozent, da sie wesentlich intensiver genutzt werden als Privatfahrzeuge.

Sind Robotaxis günstiger?

Laut dem Fahrpreisvergleich Obi kosteten Waymo-Fahrten im Raum San Francisco zwischen März und April durchschnittlich 23,24 Dollar. Uber lag bei 18,32 Dollar, Lyft bei 17,29 Dollar. Auf längeren Strecken ist Waymo allerdings günstiger als klassische Fahrdienste.

Die höheren Preise resultieren unter anderem aus hohen Investitionskosten und einer noch kleinen Fahrzeugflotte. Hinzu kommen Ausgaben für Betriebshöfe, Ladeinfrastruktur, Personal sowie die Herstellung der mit Sensoren und Computern ausgestatteten Fahrzeuge. Solange Produktion und Flotten nicht deutlich wachsen, bleibt es für Betreiber schwierig, profitabel zu arbeiten.

In China sind Robotaxi-Fahrten deutlich günstiger als in den USA. Dort profitieren die Anbieter von der starken Elektroautoindustrie und niedrigeren Produktionskosten. Dennoch liegen die Preise laut BloombergNEF noch über denen lokaler Fahrdienste wie Didi. Unternehmen wie PonyAI wollen langfristig das Preisniveau eines herkömmlichen Taxis erreichen. Gleichzeitig setzen sie auf die Nachfrage nach mehr Privatsphäre, Sauberkeit und den Neuheitseffekt.

Wie funktionieren Robotaxis?

Robotaxis nutzen zahlreiche Kameras sowie weitere Sensoren, die mit einem Bordcomputer verbunden sind. Die Sensoren liefern laufend Informationen über die Umgebung. Diese werden mit umfangreichen Datenbanken aus Milliarden gefahrenen Kilometern abgeglichen, damit das System die passende Reaktion auf jede Verkehrssituation auswählen kann.

So weiss das Fahrzeug beispielsweise, dass es stark bremsen muss, wenn ein Fussgänger die Fahrbahn betritt, oder anderen Fahrzeugen an einer Kreuzung die Vorfahrt gewähren muss. Die Software lernt kontinuierlich dazu, indem jedes Fahrzeug in einem Netzwerk Daten sammelt und weitergibt.

Alle voll funktionsfähigen Systeme arbeiten mit kamerabasierter Bilderkennung. Viele ergänzen diese durch Lidar- und Radarsensoren, die in Situationen helfen, in denen Kameras an ihre Grenzen stossen. Dadurch unterscheiden sich die meisten Robotaxis äusserlich deutlich von gewöhnlichen Elektroautos.

Eine Ausnahme bildet Amazon mit Zoox. Das Unternehmen betreibt bis zu 75 Fahrzeuge in Las Vegas und San Francisco. Diese besitzen ein eigenes Fahrzeugdesign mit gegenüberliegenden Sitzen sowie ohne Lenkrad und Pedale.

Alle Robotaxis fahren elektrisch, da die kleineren Batterien in Benzin- und Dieselautos den hohen Energiebedarf der Rechentechnik nicht decken könnten. Künstliche Intelligenz kommt in unterschiedlichem Umfang zum Einsatz — entweder für einzelne Aufgaben oder zur Steuerung des gesamten «End-to-End»-Systems.

Wie sicher sind Robotaxis?

Nach Angaben der Betreiber sind Robotaxis deutlich seltener in Unfälle verwickelt als Fahrzeuge mit menschlichen Fahrern. Waymo erklärt, seine Fahrzeuge seien in 13-mal weniger tödliche Unfälle oder Unfälle mit schweren Verletzungen verwickelt gewesen als menschlich gesteuerte Autos. Unabhängige Untersuchungen dazu fehlen jedoch, weshalb einige Forscher diese Aussage skeptisch beurteilen. Ausserdem ist unklar, ob diese Sicherheitswerte auch ausserhalb begrenzter Stadtgebiete erreicht werden können.

Fehler treten dennoch auf. Am 31. März blieben laut chinesischen Medien mehr als 100 Robotaxis von Baidu in Wuhan gleichzeitig stehen und schlossen Fahrgäste während der Fahrt ein. Die örtliche Polizei vermutete eine Systemstörung. Baidu hat sich zur Ursache bislang nicht geäussert.

Waymo-Taxis sind in Phoenix und San Francisco in Baustellenbereiche auf Autobahnen gefahren, haben in San Antonio eine überflutete Strasse überquert, sind in Austin in einen aktiven Tatort gefahren und blieben an einer Kreuzung stehen, als während eines Stromausfalls in San Francisco im vergangenen Jahr die Ampeln ausfielen.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA führt zwei Untersuchungen gegen Waymo. Eine betrifft einen Unfall im Januar nahe einer Schule in Santa Monica in Kalifornien, bei dem ein Kind leichte Verletzungen erlitt. Es war hinter einem in zweiter Reihe parkenden SUV hervorgelaufen. Die zweite Untersuchung wurde eingeleitet, nachdem Waymo-Fahrzeuge im vergangenen Jahr wiederholt nicht ausreichend vor Schulbussen abbremsten.

Seit Dezember hat Waymo drei Software-Rückrufe durchgeführt. Die Aktualisierungen ergänzten unter anderem Informationen zu Stromausfällen, Hochwasserrisiken und verschiedenen Situationen im Zusammenhang mit Schulbussen.

Wie autonom sind Robotaxis wirklich?

Vor dem kommerziellen Einsatz fahren Menschen die Fahrzeuge zunächst durch das Einsatzgebiet, um Bordsteine, Zebrastreifen, Stoppschilder, Ampeln und weitere Merkmale zu erfassen. Dadurch kann das System später auch ohne GPS zuverlässig navigieren.

Auch danach bleiben Menschen erforderlich. Fernunterstützungsteams helfen Robotaxis bei Situationen wie Strassensperrungen oder defekten Ampeln. Waymo-Fahrzeuge stellen beispielsweise Fragen wie: «Blockiert ein Einsatzfahrzeug alle markierten Fahrspuren?» oder «Ist die Strasse gesperrt?» Über Innenkameras prüfen Mitarbeiter ausserdem, ob Fahrzeuge zur Reinigung in ein Depot zurückkehren müssen.

Einige Staaten schreiben ein Mindestmass menschlicher Überwachung vor. In China müssen Baidu, WeRide und Pony AI städtische Vorschriften für Fernoperatoren erfüllen. Zudem entwickelt die Regierung landesweite Anforderungen für deren Ausbildung und Prüfung.

Komplexe Fälle wie Einsätze mit Rettungskräften, Unfälle oder Abschleppvorgänge bearbeiten ausschliesslich erfahrene Waymo-Mitarbeiter in den USA. Die Fernunterstützer können die Fahrzeuge nicht direkt steuern, aber bestimmte Fahrmanöver anstossen, etwa das Ausweichen auf den Seitenstreifen. Zusätzlich stehen sie mit einem separaten Kundendienst in Kontakt, der mit den Fahrgästen kommuniziert.

Wie viele dieser Mitarbeiter langfristig erforderlich sein werden, ist offen. Mit zunehmender Erfahrung der Systeme dürfte die Zahl der Eingriffe sinken. Die praktisch unbegrenzte Zahl ungewöhnlicher Verkehrssituationen spricht jedoch dafür, dass Menschen auch künftig Teil des Systems bleibe.

Auch ausserhalb der Fahrzeuge bleibt Personal notwendig. Betriebshöfe müssen Fahrzeuge prüfen, reinigen und laden. «Standorte dieser Art in der Nähe stark nachgefragter Gebiete zu finden, an denen gleichzeitig Hunderte Fahrzeuge geladen werden können, ohne Anwohner oder andere Verkehrsteilnehmer zu beeinträchtigen, wird eine grosse Herausforderung sein», schrieb Andrew Grant, Leiter Intelligent Mobility bei BloombergNEF.

Warum dauert der Ausbau so lange?

Neben den technischen Herausforderungen spielt die Regulierung eine zentrale Rolle. Die Branche benötigt rechtliche Rahmenbedingungen für Sicherheitstests und Haftungsfragen. China verfügt über Verfahren zur Genehmigung von Test- und kommerziellen Robotaxi-Diensten. Nach der Störung von Baidu in Wuhan im März setzten die Behörden dort den Betrieb des Unternehmens aus und stoppten die Vergabe neuer Genehmigungen für autonome Fahrzeuge. Pony AI und WeRide erklärten, ihre Geschäfte in China seien davon nicht betroffen.

In den USA haben Robotaxi-Entwickler an vielen Vorschriften mitgewirkt. Allerdings unterscheiden sich die Regeln von Bundesstaat zu Bundesstaat, und in einigen Regionen fehlen sie vollständig. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, Robotaxis landesweit voranzutreiben, um im Wettbewerb mit China aufzuholen. Ein einheitlicher bundesweiter Rechtsrahmen existiert jedoch weiterhin nicht.

Alle Robotaxi-Entwickler gehen schrittweise vor. Tesla kommt jedoch langsamer voran als erwartet. Musk stellte den Dienst im Juni 2025 mit der Aussage vor, die Fahrzeuge seien bereit, überall zu fahren. Bis Mitte Juni hatte das Unternehmen jedoch lediglich eine gemischte Flotte aus 69 überwachten und unüberwachten Fahrzeugen in drei texanischen Städten im kleinen Massstab eingesetzt.

Im Grossraum San Francisco bietet Tesla ausserdem Fahrdienste an, besitzt dort jedoch keine Genehmigung für autonome Fahrten. Stattdessen sitzen menschliche Fahrer am Steuer und nutzen das Fahrassistenzsystem «Full Self-Driving (Supervised)», das eine ständige Überwachung erfordert.

Musk begründete den langsameren Ausbau mit Vorsicht und einer «extrem paranoiden» Haltung beim Thema Sicherheit. Ausserdem werde die Expansion durch regulatorische Hürden begrenzt. Der Elektroautohersteller hat den erforderlichen Genehmigungsprozess für autonome Fahrdienste in Bundesstaaten wie Kalifornien mit strengeren Vorschriften als Texas bislang jedoch noch nicht abgeschlossen.

(Bloomberg/cash)

Bloomberg
BloombergMehr erfahren