Die Doku zeigt seine Version der damaligen Ereignisse. Mit dem Film werden am (heutigen) Mittwoch die 61. Solothurner Filmtage eröffnet. Die Schweizer Kinopremiere ist am 12. März 2026.
Die Doku der Schweizer Filmemacher Bernard Weber und Martin Schilt steigt ein mit Teilen aus dem E-Mail, das Adoboli einem UBS-Buchhalter schrieb, bevor das ganze betrügerische Kartenhaus in sich zusammenfiel. Darin gibt er zu, dass er ausserhalb der Bücher handelte, um Verluste zu verbergen - in der Hoffnung, diese später wieder wettzumachen. Er übernehme die volle Verantwortung und es tue ihm leid, liest Adoboli vor.
Er habe in seiner grössten Naivität ein E-Mail geschrieben, sagt er jetzt. Nicht vorgelesen wird, dass Adoboli damals im E-Mail - das öffentlich einsehbar ist - auch erklärte, wie er die Trades vor seinen Kollegen und seinem Teamleiter kaschierte.
Wie kam es zum Riesenbetrug?
Nach einem Handelsverlust von 2,3 Milliarden US-Dollar wurde Adoboli 2012 wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt, konnte das Gefängnis aber wegen guter Führung 2015 vorzeitig verlassen. Vom Vorwurf der Bilanzfälschung sprach ihn die Jury frei.
Von 2008 bis zu seiner Festnahme im September 2011 soll er bei der UBS in London mit unerlaubten Spekulationen und fingierten Geschäften die Handelsobergrenzen umgangen haben. Wie kam es dazu aus der Perspektive von Adoboli? Der kann sich selbst nicht wiederfinden in dem Bild, das die Medien zeichnen: Zocker oder «Criminal Mastermind».
Die Doku will die Mechanismen in der Bank und am Trading-Desk aufzeigen, die Überarbeitung, den Grössenwahn der Investmentbanker-Welt. Adoboli habe nicht für den eigenen Profit gehandelt, habe sich nicht selbst bereichert. Er sieht sich als ein Opfer des Systems, der damaligen Stimmung in der Gesellschaft.
Haft und Ausschaffung
Am Prozess plädiert er auf «nicht schuldig» und bestreitet, dass Team-Kollegen und Vorgesetzte nichts von den unerlaubten Methoden gewusst hätten. Die Schweizerische Finanzmarktaufsicht stellte später erhebliche Kontrollmängel bei der UBS fest, und die britische Aufsichtsbehörde belegte die Grossbank für den Fall Adoboli mit einer Busse von 27,9 Millionen Pfund.
Die zwei Regisseure haben ihn über Jahre eng begleitet - 14 Jahre sind seit der ersten Idee zur Doku vergangen. Die Interviews für den Film und ein Grossteil des Drehs fanden in Accra in Ghana statt, wo Adoboli heute lebt.
Die Filmemacher begleiteten ihn aber auch in der Zeit nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis bis zu seiner Ausschaffung 2018 aus England, wo Adoboli seit er zwölf Jahre alt war gelebt hatte. Beim drei Jahre andauernden Kampf gegen die Deportation fühlt der Zuschauer mit und spürt, wie einschneidend dieses Schicksal sein muss.
Die Perspektive des Protagonisten
Der Film lebt vor allen von seinen Protagonisten - allen voran Adoboli, der reflektiert und authentisch erzählt und so tiefe Einblicke in sein Leben gibt. Der Gerichtsprozess von 2012 wird im Film in Ghana mit schwarzen Laienschauspielern nachgestellt mit wortgetreuen Dialogen zwischen Staatsanwaltschaft und Zeugen aus dem Prozessprotokoll.
Nicht zu Wort kommt die UBS. Adoboli macht aber auch keine Ansprüche gegenüber der Bank geltend.
Der Film schafft es, die Vielschichtigkeit des Falls aufzuzeigen: Es geht um Verantwortung, systemische Mechanismen und Fehlerkultur in der Finanzindustrie. Es geht aber auch um die Macht medialer Erzählungen, gesellschaftlicher Vorverurteilung und die öffentliche Wahrnehmung - das «Storytelling Game». Gleichzeitig geht es um den Menschen Adoboli und positiven Rassismus, den man als gut integrierter Schwarzer in der westlichen Kultur erfahren kann.
Das Trauma bleibt
Der Film zeigt die Zerrissenheit Adobolis: Das Trauma bleibt und es fällt ihm schwer, mit dem Erlebten Frieden zu schliessen. Und das neue - völlig andere Leben weit weg von seinen Freunden in England - in Ghana zu akzeptieren.
Tatsächlich war der Fall Adoboli neben den sich wandelnden Marktbedingungen durchaus auch mit Auslöser für Veränderungen bei der grössten Schweizer Bank. In der Folge des Londoner «Zocker-Skandals» trat der damalige UBS-Chef Oswald Grübel zurück. Der daraufhin neue Chef Sergio Ermotti verkleinerte nach dem Milliarden-Debakel die Investmentbank und legte den Fokus auf die Vermögensverwaltung.
(AWP)

