Die Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS ist von der Regierung Kanada zum bevorzugten Bieter für einen der weltweit grössten U-Boot-Aufträge ernannt worden. TKMS solle bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD bauen, kündigte Premierminister Mark Carney am Montagabend an. Der südkoreanische Konkurrent Hanwha Ocean ist aber noch nicht komplett aus dem Rennen. Detailfragen will TKMS mit Kanada bis Ende des Jahres klären. Kanada behalte sich das Recht vor, mit Hanwha erneut Gespräche zu führen, sollte mit TKMS keine Einigung erzielt werden, betonte Carney.
Die Bundesregierung hatte die Bewerbung massiv unterstützt. Vor dem NATO-Gipfel am Dienstag habe die kanadische Regierung ein starkes Zeichen der transatlantischen und europäischen Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie gesetzt, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz. «Dies ist ein grosses, strategisches Vorhaben, das Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte verbindet.» Die Partnerschaft reiche weit über die Sicherheits- und Verteidigungspolitik hinaus.
Für TKMS ist es der grösste Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte, der den Auftragsbestand um mehr als 50 Prozent in die Höhe treibt. An der Börse war im Tagesverlauf die TKMS-Aktie zeitweise um knapp 13 Prozent auf den höchsten Stand seit fast vier Monaten geklettert. Die U-Boote würden komplett in Deutschland gebaut, sagte TKMS-Chef Oliver Burkhard am späten Abend in einer Video-Konferenz mit Journalisten. Standorte seien Kiel und Wismar. Das erste U-Boot solle bis 2033 ausgeliefert werden. In Kanada würden zwei Hubs für die Wartung errichtet. Mit der Entscheidung entsteht eine trilaterale U-Boot-Flotte von Kanada, Deutschland und Norwegen, die künftig bis zu 24 Schiffe umfassen soll. Die Boote des Typs 212CD verfügen über einen rautenförmigen Rumpf, der sie für gegnerische Sensoren nahezu unsichtbar machen soll. Ein Antriebssystem mit wasserstoffbasierter Brennstoffzellentechnologie ermöglicht dem Verteidigungsministerium zufolge zudem besonders lange Tauchgänge. Konzipiert wurden die Schiffe für die extremen Bedingungen in der Arktis und im Nordatlantik, aber auch für die warmen Gewässer des Pazifiks.
Koreaner haben das Nachsehen
In Berlin stiess die Entscheidung auf breite Zustimmung. Aussenminister Johann Wadephul (CDU) sprach auf der Plattform X von einem starken Signal des Zusammenhalts im transatlantischen Bündnis. Kanada habe sich für die besten konventionellen U-Boote der Welt entschieden. Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nannte den Schritt einen Meilenstein für die transatlantische Sicherheit. Carney erklärte in Halifax, es handele sich um die grösste Beschaffung in der Geschichte seines Landes. Die Regierung in Ottawa versucht derzeit, wegen der Spannungen mit den USA unter Präsident Donald Trump engere Beziehungen zur Europäischen Union zu knüpfen.
In dem seit Monaten hart umkämpften Bieterverfahren behielt TKMS in einer knappen Entscheidung gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean die Oberhand. Ein genaues Auftragsvolumen nannten die Beteiligten zunächst nicht, Branchenkennern zufolge wird der Auftrag jedoch auf mehr als zehn Milliarden Euro geschätzt. Die Bundesregierung hatte die deutsche Bewerbung stark unterstützt und Kanada weitreichende wirtschaftliche Zugeständnisse in Aussicht gestellt. Das Angebot umfasste dem Verteidigungsministerium zufolge zudem Investitionen in ergänzende Technologien wie Weltraumaufklärung und Künstliche Intelligenz (KI). TKMS zufolge soll das Projekt in Kanada eine wirtschaftliche Gesamtaktivität von 167 Milliarden kanadischen Dollar generieren.
TKMS-Chef Burkhard erklärte, das Programm sei das Fundament einer langfristigen strategischen Partnerschaft. Der Industriekonzern Thyssenkrupp hatte seine Rüstungstochter im vergangenen Jahr an die Börse gebracht, hält jedoch weiter die Mehrheit. Thyssenkrupp-Chef Miguel López wertete den Erfolg in Kanada als Bestätigung für die Verselbstständigung von TKMS. Das Unternehmen mit Standorten unter anderem in Kiel, Bremen und Wismar hatte erst in der vergangenen Woche von der Bundeswehr einen Auftrag zum Bau mehrerer Fregatten erhalten.
(Reuters)

