Die Aktionäre des ‌Mischkonzerns ⁠stimmten am Freitag mit einer Mehrheit von 99,99 Prozent für die ⁠Abspaltung des Werkstoffhändlers tk accelis, wie das Unternehmen mitteilte. Tk accelis steht allein für ein ‌Drittel des Umsatzes des Traditionskonzerns. Thyssenkrupp will die ‌Tochter Ende Oktober oder Anfang November ​an die Frankfurter Börse bringen, aber mit 51 Prozent die Mehrheit der Anteile an der bisherigen Thyssenkrupp Materials Services behalten. Die übrigen Aktien werden den Thyssenkrupp-Anteilseignern ins Depot gebucht. Zehn Prozent erhält allein die Krupp-Stiftung.

Der Börsengang ‌ist Teil der Strategie von Vorstandschef Jose Lopez, aus Thyssenkrupp eine Finanzholding zu machen. Er hatte bereits die Wasserstoff-Tochter Thyssenkrupp Nucera und die Rüstungstochter TKMS ​an die Börse gebracht. Nach einer Studie der Analysten ​von Jefferies könnte tk accelis beim Börsengang - ​einschliesslich Schulden - mit rund 3,6 Milliarden Euro bewertet werden. Das Unternehmen mit 15.500 Mitarbeitern erwirtschaftete ‌im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro. Zu den Kunden von tk accelis gehören Unternehmen wie Airbus, BP, Tesla und Volkswagen.

Die Deutsche-Bank-Tochter ​DWS ​hatte angekündigt, sich bei der Abstimmung ⁠enthalten, weil tk accelis - wie schon TKMS - ​die Rechtsform einer AG & ⁠Co. KGaA erhalten soll, die Thyssenkrupp weitreichende Rechte sichert. «Wer ein Unternehmen an ‌den Kapitalmarkt führt, muss auch bereit sein, unabhängige Kontrolle zuzulassen und Einfluss tatsächlich zu teilen», sagte Philipp Weinmann, Experte der ‌DWS für gute Unternehmensführung. «Eine Verselbstständigung kann ihr Potenzial ​nur entfalten, wenn die Verbindung zur Konzernmutter nicht zur dauerhaften Ankerkette wird.» 

(Reuters)