Die Umsatzerwartung werde ⁠um einen Prozentpunkt auf minus drei bis zu einem Null-Wachstum gegenüber dem Vorjahr angepasst, teilte der Konzern am Dienstag mit. ⁠Zuvor hatte Thyssenkrupp einen Rückgang von zwei Prozent bis hin zu einem Plus von einem Prozent in Aussicht gestellt. «Bei der Umsatzerwartung sind wir etwas zurückhaltender, auch ‌angesichts der verschärften geopolitischen Unsicherheiten und der Auswirkungen auf die internationalen Märkte», erläuterte Finanzchef Axel ‌Hamann. Die übrigen Ziele für Gewinn und Cashflow bekräftigte er. ​Den Umbau des einst weit verzweigten Mischkonzerns zu einer Finanzholding will Konzernchef Miguel Lopez nun weiter konsequent vorantreiben, kündigte dieser an. Die Gespräche über einen Verkauf der Stahlsparte hatte er aber jüngst auf Eis legen müssen.

Der Umsatz sank im Quartal um zwei Prozent auf rund 8,4 Milliarden Euro und damit weniger stark als von Experten erwartet. Analysten hatten in einer von Thyssenkrupp veröffentlichten Vara-Umfrage im ‌Mittel mit 8,2 Milliarden Euro gerechnet. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) legte auch dank des von Lopez eingeleiteten Sparprogramms um 179 Millionen Euro auf 198 Millionen Euro zu, hier rechneten Analysten mit 167 Millionen Euro. Den grössten Ergebnisbeitrag leistete hier ausgerechnet die lange kriselnde Stahlsparte. ​Unter dem Strich und nach Anteilen dritter schrieb Thyssenkrupp einen kleinen Gewinn von einer (Vorjahr: 155) Millionen ​Euro.

Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern weiter mit einem Verlust zwischen 800 ​und 400 Millionen Euro - hier wird Thyssenkrupp vor allem durch die Kosten für den Umbau der Stahlsparte belastet. Für diese sieht Thyssenkrupp nun aber auch «deutlich ‌verbesserte Ertragsaussichten». Auch deshalb habe sich Lopez entschieden, die Gespräche über einen Verkauf an die indische Jindal Steel International vorerst zu den Akten zu legen. «Die Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe bleibt weiterhin das erklärte Ziel», stellte der Konzern heraus. Die Mittelfrist-Ziele für die Sparte ​überprüfe der ​Konzern, hiess es in einer Präsentation.

Lopez hat dem Stahlgeschäft, dem ⁠früheren Kern des Ruhrkonzerns, einen tiefgreifenden Umbau verordnet. Klar ist bereits, dass zur ​Sanierung des Geschäfts in den ⁠kommenden Jahren bis zu 11.000 der rund 26.000 Stellen der Sparte gestrichen oder ausgelagert werden. Dies verursacht aber hohe Kosten, etwa für ‌Abfindungen. In der Vergangenheit waren Versuche, das Stahlgeschäft zu verkaufen, es in ein Gemeinschaftsunternehmen einzubringen oder an die Börse zu gehen, gescheitert. Lopez selbst hatte aber erst vor Wochen gesagt, Fortschritte bei der Neuausrichtung machten Thyssenkrupp Steel ‌wieder attraktiver: «Jetzt machen wir den Stahl fit für die Zukunft – ob mit oder ohne Jindal.» ​Im Zuge des Umbaus will sich der Konzern auch von Anteilen an der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) trennen. Diese sollen an den bisherigen Partner Salzgitter gehen. «Mit dem geplanten Verkauf der HKM-Anteile von Thyssenkrupp Steel an Salzgitter vollziehen wir einen wichtigen Schritt, um das Stahlgeschäft wettbewerbsfähig aufzustellen», sagte Lopez. 

(Reuters)