Die gute Nachricht vorneweg: Die Valoren von Arbonia verlieren am Donnerstag nur 1,2 Prozent auf 3,70 Franken, nachdem Kepler Cheuvreux und die UBS das Kursziel für den Schweizer Bauzulieferer zusammengestrichen haben. Am Montag hatte Arbonia eine weitere Umsatz- und Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr 2026 ausgesprochen.

Der Analyst von Kepler Cheuvreux beliess es allerdings nicht nur bei einer Kurszielreduktion auf 3,90 von 5,40 Franken. Gleichzeitig senkte er auch das Rating auf «Hold» von «Buy». Er habe seine Schätzungen nach der Gewinnwarnung signifikant nach unten angepasst, schrieb Analyst Martin Flückiger in einer cash.ch vorliegenden Kundennotiz. Zusätzlich sieht der Experte von Kepler Cheuvreux ein erhöhtes Risiko, dass der Hersteller von Türen in Deutschland weitere Marktanteile verliere.

Neu rechnen die Ostschweizer mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau von rund 625 Millionen Franken und einem operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 50 Millionen, wie die Nachrichtenagentur AWP berichtete. Bis dato hatte Arbonia ein Umsatzwachstum um 3 bis 5 Prozent sowie ein Ebitda auf Vorjahresniveau in Aussicht gestellt.

Grund für die tiefere Prognose sei insbesondere die langsamer als erwartete Umsatznormalisierung im deutschen Geschäft. Das Marktumfeld habe sich seit Mitte des Jahres nochmals abgeschwächt. Die Nachfrage im Neubau- und Renovationsmarkt sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Langer Atem gefragt

Allerdings läuft das Geschäft nicht nur wegen externer Faktoren in Deutschland nicht rund. Bei der Tochtergesellschaft Garant in Thüringen kam es im Zuge einer SAP-Einführung zu massiven Schwierigkeiten. Das Software-Debakel hatte Arbonias Lieferketten und Produktion zeitweise lahmgelegt, was das Unternehmen erhebliche Umsätze kostete. Wettbewerber kompensierten dies umgehend und sicherten sich Marktanteile auf Kosten des Schweizer Bauzulieferers, der hernach mit einem temporären Vertrauensverlust im deutschen Fachhandel zu kämpfen hatte.

Seit Bekanntwerden der Software-Probleme hat der Arbonia-Titel 66 Prozent an Wert verloren und notiert unter den Werten aus dem Jahr 1990. Trotz rekordtiefem Aktienkurs und Sorgen in Deutschland gibt es aber auch Lichtblicke. Das Geschäft hat sich im Jahr 2026 in den übrigen europäischen Märkten solide respektive gut entwickelt. Für die Gesellschaften ausserhalb der deutschen Tochter Garant erwartet der Konzern für das Gesamtjahr 2026 eine Ebitda-Steigerung von mehr als 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die weiterhin anspruchsvolle Marktentwicklung in Deutschland bremste die gute Entwicklung in den weiteren Regionen, schrieben die Experten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) am Donnerstag. Sie begrüssen den Fokus auf die Erschliessung neuer Märkte und die Weiterentwicklung zusätzlicher Vertriebskanäle zur Reduktion der Abhängigkeit von Deutschland. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4x und den wiederholten Enttäuschungen halten die ZKB-Analysten an ihrer Einstufung «Marktgewichten» fest.

Derweil hält die UBS-Expertin Leonie Zirn an ihrer Kaufempfehlung fest. Sie senkte - wie der Experte von Kepler Cheuvreux - am Donnerstag das Kursziel auf 5,40 von 6,20 Franken. Das Aufwärtspotenzial beträgt 45 Prozent. Trotz deutlicher Kürzungen beim Gewinn pro Aktie (EPS) seien die Auswirkungen der Umsatz- und Gewinnwarnung auf das Bewertungsmodell des diskontierten Cashflows aufgrund der niedrigen Ergebnisbasis begrenzt.

Kursverdoppelung im Visier

Insgesamt sieht die UBS-Analystin das Chance-Risiko-Verhältnis weiterhin positiv - gestützt durch einen günstigeren Vergleichsbasis-Effekt sowie ein Ebitda-Wachstum im hohen 20-prozentigen Bereich für die Geschäftsjahre 2027 und 2028. Zirn hebt dabei besonders hervor, dass die operative Umsetzung für Ihre Anlagethese nun noch entscheidender geworden sei.

Die wichtigen Kennziffern wie Ertrag auf dem Eigenkapital (ROE), Ertrag auf dem investierten Kapital (ROIC), Gesamtkapitalrendite (ROA) oder Ertrag auf dem eingesetzten Kapital (ROCE) sind gemäss Daten von Bloomberg allesamt negativ. Das spricht bis auf Weiteres gegen eine schnelle Kurserholung. 

Wer allerdings Geduld mitbringt, kann die Arbonia-Valoren als Schnäppchen bezeichnen. Auf einen Zeithorizont von fünf Jahren können Anlegerinnen und Anleger eine Kursverdoppelung ins Visier nehmen. Für ein Engagement spricht auch das geringere Abwärtspotenzial, nachdem zwei Analysten die Kursziele deutlich zusammenstrichen. 

Thomas Daniel Marti
Thomas MartiMehr erfahren