Bereits zum zweiten Mal im laufenden Jahr kappt der Premium-Schokoladehersteller seine Umsatzprognose. Das kommt an der Börse alles andere als gut an.

Gegen 9.15 Uhr rutschen die PS von Lindt um 8,2 Prozent auf 7845 Franken ab. Damit wurde das Tief von Anfang September bei 8255 nochmals klar unterboten und die Aktie fällt auf den Stand von Februar 2021. Auch Barry Callebaut werden in Sippenhaft genommen und verlieren 2,3 Prozent auf 1083 Franken. Der Gesamtmarkt gemessen am Midcap-Index SMIM liegt mit 0,4 Prozent ebenfalls leicht im Minus.

Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy streicht heraus, dass die bereits zum zweiten Mal im laufenden Jahr angepasste Guidance das Vertrauen in die Prognosefähigkeit des Unternehmens untergrabe. Und diese sei bislang ein wesentlicher Faktor für die hohe Bewertung gewesen.

Die entscheidende Frage laute nun, "ob die Preiselastizität ein strukturelles Problem oder ein einmaliges Ereignis ist", so Bertschy weiter. So oder so: "Die Preissetzungsmacht, die lange Zeit Lindts wichtigstes Argument war, wird nun auf die Probe gestellt." Er senkt daher das Kursziel auf 11'000 auf 12'500 Franken, bleibt aber bei seiner "Buy"-Empfehlung.

In eine ähnliche Richtung kommentieren die UBS-Experten: "Wir glauben, dass die heutige Herabsetzung der Prognose die Erwartungen der Investoren neu kalibriert und dass es einige Zeit dauern könnte, bis diese Anpassung verdaut ist", heisst es in einer ersten Reaktion der Grossbank.

Die Konsenserwartungen für den Umsatz müssten wohl um rund 3 Prozentpunkte gesenkt werden. Die Experten von Oddo BHF rechnen sogar mit einem um bis zu 5 Prozentpunkte tieferen Konsens. Lindt habe wohl seine Fähigkeit überschätzt, Preiserhöhungen wie in der Vergangenheit durchsetzen zu können.

Die ZKB sieht einen wichtigen Trigger für die Aktie in einem Comeback der Volumenentwicklung. "Die Unsicherheit diesbezüglich ist aber höher als üblich", so die Experten. Zudem schätzen sie die Umsatzwarnung als "deutlich" ein und werten dies als "klaren Rückschlag".

Nach dem Kursrückgang seit vergangenem Sommer sei die Bewertung der Aktie zwar für Lindt-Verhältnisse moderat. Vor dem Hintergrund des schwierigen Umfelds in der Schokoladeindustrie sei dies aber nachvollziehbar.

(AWP/cash)