Mit der Orascom-Aktie geht es steil aufwärts. Endlich wieder einmal, müsste man sagen. Seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus 85 Prozent, alleine im letzten Monat 32 Prozent. Noch zwischen 2008 und 2011 brach der Kurs von 160 auf 20 Franken ein. Danach dümpelte die Aktie jahrelang zwischen 15 und 20 Franken vor sich hin, bevor sie Ende 2016 das Allzeittief bei 4,40 Franken erreichte. Seither hat sich die Lage für Orascom-Aktionäre wieder deutlich aufgehellt, obwohl die Titel am Donnerstag mit einem Minus von 4 Prozent etwas konsolidieren.

Aufstieg von tiefem Niveau: Die Orascom-Aktie in den letzten fünf Jahren (Quelle: cash.ch)

Dennoch dürfte es vielen Anlegern immer noch ähnlich gehen wie Forum-User "Daniellson". Er schreibt im cash-Forum: "Bin zwar noch immer ziemlich im Minus, aber (...) positiv gestimmt, dass es in Kürze wieder zweistellig wird hier".

Beim jüngsten Kursschub dürften Anleger vor allem auf die Tourismusdestination Ägypten geschielt haben. Ferien am Roten Meer werden wieder vermehrt nachgefragt, nachdem sie im letzten Jahr stark zurückgegangen waren. Auch Schweizerinnen und Schweizer lassen sich weniger von den geopolitischen Gefahren abschrecken als noch vor einem Jahr. Bei Hotelplan sind die Buchungen für Ägypten im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent gestiegen, bei TUI Suisse sind es gar 60 Prozent mehr. 

Wann kommt der Turnaround?

Orascom betreibt momentan zwar zehn Destinationen: fünf in Ägypten, eine in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), zwei in Oman, eine in Montenegro und eine in der Schweiz (Andermatt). Doch Ägypten liefert immer noch den grössten Umsatzbeitrag, auch wenn die Hotels in Oman und den VAE immer wichtiger werden.

Dass es operativ bei Orascom wieder aufwärts geht, zeichnete sich schon im August anlässlich der Halbjahreszahlen ab. Trotz starker Abwertung des ägyptischen Pfunds konnte der Umsatz gehalten und der Verlust reduziert werden. An der Destination El Gouna zum Beispiel erhöhte sich die Belegungsrate der Hotelzimmer im ersten Semester auf 73 Prozent von 51 Prozent. Ob der Turnaround schon in diesem Jahr gelingt, ist aber mehr als fraglich. Denn die Investitionen in die verschiedenen Resorts bleiben hoch und die verschiedenen Anlagen sind bei weitem nicht voll ausgelastet.

Sawiris, der starke Mann

Wer darauf spekuliert, dass die Orascom-Aktie tatsächlich bald in den zweistelligen Bereich vorstösst, muss auf jeden Fall auf Rückschläge gefasst sein. Zum Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr macht das Unternehmen auf jeden Fall keine konkreten Angaben. Die Aktie wird abhängig bleiben von den politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten in Ägypten und der Arabischen Halbinsel – es braucht nicht viel, dass sich Touristen wieder abwenden.

Die Abhängigkeit vom arabischen Raum ist auch grösser geworden, weil Orascom nur noch Minderheitsaktionär des Schweizer Projekts "Andermatt Swiss Alps" ist. Das heisst: Im Quartalsbericht wird Andermatt lediglich als Beteiligung aufgeführt, ohne die Ergebnisse zu berücksichtigen.

Gross ist auch weiterhin die Abhängigkeit von Samih Sawiris. Bei Orascom besitzt der Verwaltungsratspräsident 68 Prozent der Aktien, beim Andermatt-Projekt kontrolliert er 87 Prozent der Anteile. Sawiris' persönlicher Goodwill ist also ebenfalls entscheidend für ein Investment in Orascom – wie lange er noch eigenes Geld einschiesst, weiss nur er.

Samih Sawiris, VR-Präsident und Gründer von Orascom (Quelle: Bloomberg)