Nach dem Rücksetzer vom Dienstag ziehen die Aktien von Nestlé am heutigen Mittwoch wieder an, und zwar kräftig: Das 1,9-prozentige Plus befördert die Valoren des Lebensmittelkonzerns auf 85,86 Franken. In der Spitze ging es kurz nach der Eröffnung sogar auf 86,21 Franken hoch. Das entspricht einem neuen 14-Monate-Hoch.

Anlass zu den Avancen gibt David Hayes, zuständiger Analyst der US-Investmentbank Jefferies. Er stuft Nestlé von auf «Buy» von «Hold»; das Kursziel erhöht er auf 99 von 84 Franken. Hayes sieht eine gewisse Erholung beim von Philipp Navratil geleiteten Unternehmen. Besonders das Kaffee- und Tierfuttergeschäft entwickelte sich wieder besser, auch in China und Indien sei eine Belebung auszumachen. Zudem habe Nestlé die Margenziele frühzeitig gesenkt und damit Spielraum für höhere Marketinginvestitionen geschaffen, so der Experte weiter.

Das Besondere daran ist: Auf Analyst Hayes sollte man hören. Als er die Bewertung von Nestlé im Dezember 2023 aufgenommen hatte, veranschlagte er das Kursziel bei 86 Franken und gehörte damit zu den Pessimisten, was die Aktienpreisentwicklung von Nestlé betrifft. Denn er implizierte mit seinem Preisziel einen weiteren Kursverfall um 13 Prozent von damals 99 auf eben 86 Franken.

Hayes sollte mit seiner Prognose richtig liegen. Im September 2024 fielen die Valoren von Nestlé - nach anhaltender Talfahrt - tatsächlich erstmals unter die 86-Franken-Marke. Daraufhin senkte Hayes weiter und sagte die Kursentwicklung der Tendenz nach erneut stimmig voraus.

Die Titel waren effektiv weiter gefallen, und zwar auf 70 Franken, womit sie sich im Vergleich zum Allzeithoch von 130 Franken nahezu halbiert hatten. Das von Hayes neu gesetzte Kursziel sowie das soeben eingesetzte «Buy»-Rating lässt auf einen nachhaltigeren Aufwärtstrend hoffen. Auch der Kursverlauf der vergangenen Wochen weist eine positive Entwicklung nach.

Ob sich das Anlegervertrauen nach einer langen Phase von Skandalen und CEO-Wechseln nun tatsächlich weiter festigt, wird sich bald zeigen. Nächster Prüfstein dafür sind die Zweitquartalszahlen, die das Management am morgigen Donnerstag veröffentlicht. 

Im Vorfeld der Berichterstattung schrieb die Zürcher Kantonalbank (ZKB), der Investment-Case von Nestlé hänge von einer Verbesserung des internes Realwachstums (RIG) und der operativen Marge ab. «Dafür muss Nestlé in einigen Bereichen zurück zu Markenstärke und Category-Leadership finden. Das Management ergreift dafür unseres Erachtens die richtigen Massnahmen», so die ZKB. Für eine Reduktion der Nettoverschuldung sei zudem die konsequente Umsetzung der angekündigten Kostenkürzungen und Desinvestitionen entscheidend.

(mit Material von AWP)

Reto Zanettin
Reto ZanettinMehr erfahren