Die Valoren von Swiss Re legen nach Börseneröffnung am Donnerstag um 0,4 Prozent auf 156,75 Franken zu, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Market Index (SMI) um 0,3 Prozent anzieht. Damit legen die Titel von Swiss Re zwar leicht stärker als der Gesamtmarkt zu. Nach den vorbörslichen Gewinnen von 1,2 Prozent darf das Abschneiden aber als eher enttäuschend betrachtet werden, zumal der ausgewiesene Quartalsgewinn über den Erwartungen lag.
Das dritte Quartal 2026 zeige eine vorteilhafte Gewinnentwicklung, die beim Gewinnaufkommen über den Erwartungen sei, schreibt der ZKB-Analyst Georg Marti in einem Kommentar am Donnerstag. In den Nichtlebensgeschäften «Property & Casualty Reinsurance» - kurz «P&C Re» - und «Swiss Re Corporate Solutions» kann der Rückversicherungskonzern aus Zürich erneut von einer nur geringen Grossschadenlast profitieren. Jedoch sei das Pricing hier deutlich unter Druck, so Marti von der ZKB weiter. Die Zürcher Kantonalbank stuft den Titel mit Marktgewichten und einem fairen Wert von 138 Franken ein.
Matteo Lindauer, Analyst bei Vontobel, legt den Finger ebenfalls auf die wunden Punkte, auch wenn er wie der ZKB-Analyst das übertroffene Resultat beim Gewinn hervorhebt. Die vertragliche Servicemarge im Neugeschäft des Konzerns belaufe sich auf 0,65 Milliarden Dollar. Das sei ein Rückgang von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was hauptsächlich das Ergebnis der Erneuerungen von P&C Re widerspiegele. Die Solvenzquote von 259 Prozent liege unter den Konsenserwartungen, aber über der Zielspanne von 200 bis 250 Prozent, bemängelt der Vontobel-Experte. Vontobel stuft den Titel mit «Halten» und einem Kursziel von 145 Franken ein.
Gemäss AWP-Analyser stufen drei Analysten den Titel mit «Kaufen», sieben mit «Neutral» und neun mit «Verkaufen» ein. Das durchschnittliche Kursziel von 136 Franken liegt deutlich unter den bezahlten Kursen. Nach den Zahlen dürften sich die pessimistischeren Analysten in ihren Prognosen bestätigt sehen. So etwa diejenigen der britischen Barclays, die gegen Ende Oktober das Kursziel von Swiss Re im Rahmen einer Branchenstudie auf 124 von 125 Franken gesenkt hatten. Die Einstufung beliess die englische Investmentbank bei «Underweight».
Die Analysten rechnen mit einem ruhigen Quartal vor den Kapitalmarkttagen zum Jahresende. Schäden aus Naturkatastrophen, Marktbewegungen und Währungstrends dürften weder die Konsensschätzungen noch die eigenen Prognosen wesentlich verändern. Die jüngste Erholung der europäischen Versicherungsaktien im Oktober gegenüber den Bankentiteln führen die Barclays-Experten allein auf eine Flucht in sichere Anlagen zurück, da Versicherer nur schwach konjunkturabhängig seien und vergleichsweise stabile Erträge böten.
Wegen der hohen Dividendenrendite von 4,1 Prozent bleibt der Titel für Schweizer Anlegerinnen und Anleger interessant, auch wenn die meisten Versicherungsanalysten zurückhaltend sind. Dies hängt damit zusammen, dass sie anderen europäischen Versicherungswerten den Vorrang geben.
Geht es nach dem Analysten Rob Cohen von der Royal Bank of Canada (RBC), dürfte Swiss Re in den nächsten Monaten keine Stricke zerreissen. Basierend auf seinen Prognosen werde Swiss Re mit einem Aufschlag gegenüber dem historischen Durchschnitt sowie gegenüber deutschen Vergleichsunternehmen gehandelt, nachdem die Aktie am Mittwoch einen Höchststand seit 2001 erreicht hatte. «Dies halten wir angesichts der schwächeren historischen Performance und der schlechteren Wachstumsaussichten für nicht gerechtfertigt», erklärte der RBC-Experte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. RBC stuft den Titel mit Underperform und einem Kursziel von 120 Franken.
Einzig Octavian vergibt mit 164 Franken ein höheres Kursziel. Die Researchboutique stuft den Titel mit «Kaufen» ein.

