Trotz stark gestiegener Inflation hält die Notenbank in London weiter die Füsse still. Die Währungshüter in London entschieden am Donnerstag, den geldpolitischen Schlüsselsatz bei 3,75 Prozent zu belassen. Die Entscheidung fiel mit acht zu eins: Nur Cchefvolkswirt Huw Pill votierte für eine Erhöhung. Die Bank of England (BoE) sieht sich mit einer Teuerungsrate von 3,3 Prozent konfrontiert, die vor allem auf den stark gestiegenen Spritpreis zurückzuführen ist. Viele Ökonomen erwarten, dass die Inflation in den nächsten Monaten noch weiter anziehen wird. Darauf könnte die Zentralbank nach Einschätzung von Anlegern womöglich im Juni mit einer Zinsanhebung reagieren.
Notenbankchef Andrew Bailey hatte den Finanzmärkten jüngst jedoch die Botschaft zukommen lassen, dass ihre Wetten auf Zinserhöhungen in diesem Jahr angesichts der Unsicherheit über die Dauer und die Auswirkungen des Nahost-Krieges verfrüht seien. Grossbritannien hat bereits das höchste Leitzinsniveau in der Gruppe der sieben grössten westlichen Industrieländer (G7). Dabei hat die Notenbank die Zinsen seit Mitte 2024 bereits sechsmal gelockert - zuletzt im Dezember.
Auch der Konjunkturausblick trübt sich im Zuge des Nahost-Konflikts ein: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Grossbritannien wegen des Iran-Kriegs so stark gesenkt wie für kein anderes grosses Industrieland. Die britische Wirtschaft wird demnach 2026 voraussichtlich nur noch um 0,8 Prozent wachsen. Zuvor war er IWF von 1,3 Prozent ausgegangen. Dies ist die stärkste Abwärtskorrektur innerhalb der G7-Staaten. Der IWF begründete die pessimistischeren Aussichten damit, dass der Iran-Krieg den Preis für Erdgas, von dem das Land stark abhängig sei, zunächst verdoppelt habe.
(Reuters)

