Die Valoren von Centiel knicken im frühen Handel am Montag um 7,4 Prozent auf 5,26 Franken ein. Aufgrund einer Gewinnwarnung fiel der Titel in der Eröffnung noch um mehr als 11 Prozent auf 5,02 Franken zurück, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) um 0,45 Prozent zulegt. Seit Jahresbeginn können die Valoren trotz der heutigen Kursverluste auf ein Plus von mehr als 235 Prozent zurückschauen.
Das auf Batteriespeicher fokussierte Tessiner Unternehmen hatte am Montag seine Umsatz- und Margenziele für das Geschäftsjahr 2026 nach unten korrigiert. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Nettoumsatz von rund 55 Millionen Franken, nachdem zuvor 65 Millionen Franken angepeilt worden waren. Der revidierte Ausblick reflektiert den Wegfall der für dieses Jahr erwarteten Umsatzbeiträge aus dem US-Geschäft.
Die um Transaktionskosten bereinigte Marge vor Gewinn, Zinsen und Steuern (EBIT) wird voraussichtlich im hohen Zehn-Prozentbereich liegen, anstatt der bislang avisierten Spanne von über 20 Prozent. Als Grund für den Margendruck verwies Centiel auf anfallende Kosten für den Produktionshochlauf im Vorfeld der Lancierung des US‑Geschäfts. An seinem organischen Wachstumsziel von rund 20 Prozent in den Kernmärkten hält das Unternehmen indes fest. Im Vorjahr hatte Centiel einen Umsatz von 45,7 Millionen Franken erzielt.
Ein noch grösseren Kursschaden konnte wohl abgewendet werden, weil Centiel gleichzeitig bekanntgab, die für Lieferungen in die USA erforderliche UL-Zertifizierung erhalten zu haben. Ferner konnte ein weiterer Grossauftrag über 51 Millionen Dollar in die Bücher gelegt werden.
Insgesamt sind die Neuigkeiten am Montagmorgen neutral zu sehen, schreibt Florian Sager, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), in einer Ersteinschätzung. Einerseits wurde die Guidance für das aktuelle Jahr leicht reduziert, andererseits werden die Umsätze, welche dieses Jahr fehlen, ins nächste Jahr übertragen. Die Visibilität für 2027 wachse entsprechend.
Mit einem Auftragsbestand von fast 60 Millionen Franken stehe Centiel gut da, meint der ZKB‑Experte. Der Beginn der Produktion im neuen Gebäude solle wie geplant im ersten Halbjahr 2027 stattfinden, auch dies sei positiv zu werten. Dass die initiale UL-Zertifizierung jetzt noch ein kleines Nachspiel einer unabhängigen Prüfung der Produktion nach sich zieht, ist seiner Einschätzung nach eigentlich normal.
Allerdings hätte er sich diese Zertifizierung etwas schneller erhofft. Die Wachstumsrate der Gesellschaft bleibt aber intakt, weshalb Sager am Rating «Übergewichten» festhält. Nach den im August vorgelegten Halbjahreszahlen bezifferte er den fairen Wert der Aktie auf 9,20 Franken.
Gemäss AWP-Analyzer stufen drei Analysten den Titel mit «Kaufen» ein, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 8,40 Franken. Mit 7,53 Franken ruft der UBS-Analyst Sebastian Vogel das tiefste Kursziel auf. Allerdings dürfte selbst unter der Prämisse, dass der UBS-Experte seine Prognosen nun nach unten anpasst, weiterhin genügend Kurspotenzial vorhanden sein.
Ferner dürfte von Interesse sein, wie sich der US-Vermögensverwalter T. Rowe Price mit seinem Aktienpaket verhält. Anfang August teilte die SIX mit, der US-Vermögensverwalter halte einen Anteil von mehr als drei Prozent an Centiel. Allerdings sorgte die Meldung überraschenderweise für wenig Aufsehen, wie der cash-Insider hier berichtete.

