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Trotz Kursvervierfachung: US-Vermögensverwalter steigt beim diesjährigen Börsen-Leader ein

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Diese Woche: US-Vermögensverwalter beweist beim diesjährigen SPI-Leader viel Mut, Amrize bleibt den Erwartungen vieles schuldig - Und: Börsenrekorde treiben in Analystenkreisen immer merkwürdigere Blüten.

07.08.2026   12:00
Von cash Insider
Am 17. April 2026 wurde Centiel an der SIX Swiss Exchange notiert.

Am 17. April 2026 wurde Centiel an der SIX Swiss Exchange notiert.

Quelle: ZVG

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Während die Leitbörse in New York einen Rekord nach dem anderen feiert, schrammte der Swiss Market Index (SMI) gestern Donnerstag um Haaresbreite an der bisherigen Bestmarke von Ende Juli vorbei. Damals notierte das viel beachtete Börsenbarometer in der Spitze bei 14'656 Punkten. Mit einem Tageshöchst von 14'646 Zählern fehlten keine zehn Punkte für einen neuen Rekord.

Die letzten Tage waren für mich persönlich allerdings aus anderem Anlass ein Grund zum Feiern: Es war August 2006, als ich zur Redaktion stiess, um mit Blick auf den Markteintritt von «cash daily» börsentäglich die Kolumne beizusteuern.

Neugierig wie ich bin, habe ich kurz nachgeschaut. Meine erste Kolumne geht auf den Abend des 28. August 2006 zurück. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten schrieb ich insgesamt 4423 Börsenkolumnen – jene vom heutigen Freitag mit eingerechnet. Ich möchte deshalb die Gelegenheit nutzen und mich ganz herzlich bei meinen treuen Leserinnen und Lesern, aber auch bei meinen (ehemaligen) Redaktionskolleginnen und Redaktionskollegen bedanken. Auf die letzten 20 Jahre zurückzublicken erfüllt mich mit Stolz.

Werden wir nun aber nicht allzu sentimental und wenden wir uns doch dem hiesigen Börsengeschehen zu. Der Debütant Centiel (+345 Prozent) führt die Liste der diesjährigen Börsengewinner auch weiterhin mit einem komfortablen Abstand gegenüber der zweitplatzierten Gurit (+150 Prozent) an.

In Bankenkreisen ist man sich überraschend einig. Egal ob Zürcher Kantonalbank, Octavian oder die französische Oddo BHF – momentan findet sich kaum eine Bank, welche die Centiel-Aktien nicht zum Kauf anpreisen würde. Seit Kurzem kann sich sogar die UBS für den Anbieter von Notstromlösungen und dessen Valoren erwärmen. Die höchste Kursprognose hat allerdings ZKB-Analyst Florian Sager ausstehend. Er kommt auf einen rechnerischen fairen Wert von 9,20 Franken je Aktie.

Kursentwicklung der Aktien von Centiel seit Januar (Quelle: www.cash.ch)

Ob sich die Portfolio Manager von T. Rowe Price die Unternehmensstudie aus der Feder Sagers zu Gemüte geführt haben, ist mir nicht bekannt. Was sich allerdings sagen lässt, ist, dass der bekannte Vermögensverwalter mit gut drei Prozent bei Centiel eingestiegen ist. Das geht nämlich aus einer Offenlegungsmeldung an die SIX Swiss Exchange hervor.

Soweit mir bekannt ist, ist T. Rowe Price der erste amerikanische Vermögensverwalter, der sich als bedeutender Aktionär des Anbieters von Notstromlösungen zu erkennen gibt. Da überrascht es mich doch sehr, dass die Beteiligungsmeldung in hiesigen Börsenkreisen keine höheren Wellen wirft – zumal der Vorstoss in die USA und der erste Grossauftrag aus Übersee einem Quantensprung fürs Unternehmen gleichkommt.

Amrize-Chef Jan Jenisch dürfte sich die Entwicklung des von ihm geführten Baustoffkonzerns vermutlich anders vorgestellt haben. Denn seit der Abspaltung von Holcim bleibt das frühere Nordamerika-Geschäft des Weltmarktführers aus Zug den Erwartungen vieles schuldig.

Der Zahlenkranz für das zurückliegende zweite Quartal macht da keine Ausnahme. Mit einem Umsatzplus von knapp neun Prozent auf 3,49 Milliarden Dollar übertrifft Amrize zwar die kühnsten Analystenerwartungen. Dieses Wachstum erkauft man sich allerdings mit rückläufigen Margen. Und so überrascht es nicht, dass der operative Gewinn (Ebitda) mit 986 Millionen Dollar tiefer als erhofft ausfällt.

Folglich sieht sich das Unternehmen zu einer leichten Anpassung der diesjährigen Finanzziele gezwungen. Neuerdings wird den Aktionärinnen und Aktionären ein operativer Jahresgewinn zwischen 3,1 und 3,2 Milliarden Dollar (zuvor 3,25 bis 3,34 Milliarden Dollar) bei einem Jahresumsatz zwischen 12,5 und 12,7 Milliarden Dollar (zuvor 12,29 bis 12,52 Milliarden Dollar) in Aussicht gestellt.

Steigende Umsätze sind schön und gut. Doch aus Aktionärssicht interessiert letztendlich, was bei einem Unternehmen unter dem Strich als Gewinn hängen bleibt. Gerade im Wissen auch, dass Holcim-Chef Miljan Gutovic die Analystenerwartungen seit der Abspaltung des Nordamerika-Geschäfts Quartal für Quartal übertreffen kann, sind die tieferen diesjährigen Gewinnvorgaben bei Amrize eine Schmach für Jenisch.

Ein kleiner Trost bleibt den nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionäre: Der Amrize-Chef selbst ist ebenfalls bis über beide Ohren investiert. Nicht zuletzt auch deshalb dürfte er interessiert sein, dass die Aktien hoffentlich bald zum Fliegen kommen.

Vergangenen Freitag berichtete ich an dieser Stelle, dass die Rekordjagd am Schweizer Aktienmarkt auch in Analystenkreisen immer merkwürdigere Blüten treibe. Dies, nachdem in den Tagen zuvor mit dem für die UBS tätigen Sebastian Vogel bei Belimo und mit seinem Berufskollegen Jon Cox von Kepler Cheuvreux bei der Swatch Group zwei weitere Analysten bei langjährigen Verkaufsempfehlungen die Reissleine gezogen hatten. Cox stufte die Inhaberaktien des Bieler Uhrenherstellers sogar mit einem Kursziel von 225 (zuvor 180) Franken von «Reduce» auf «Buy» herauf.

Gestern Donnerstag zog Jefferies-Analyst Marcus Dunford-Castro seiner Verkaufsempfehlung für die Aktien von Clariant den Stecker. Er stufte den Börsengewinner von letzter Woche von «Underperform» auf «Hold» herauf und erhöhte sein Kursziel ziemlich deutlich auf 10,20 (zuvor 6) Franken.

Seines Erachtens haben die juristischen Risiken im Zusammenhang mit den Ethylen-Klagen deutlich nachgelassen. Das markant höhere Kursziel des Analysten fusst vorwiegend auf technischen Anpassungen in seinem Bewertungsmodell. Die Verkaufsempfehlung geht übrigens auf Mitte November 2025 zurück, als noch Kurse unter 7 Franken bezahlt wurden.

Mehr als bloss ein Aufbäumen bei den Clariant-Aktien (Quelle: www.cash.ch)

Es ist nicht nur, dass immer öfter Analysten bei ihren langjährigen Verkaufsempfehlungen zurückrudern. Vielmehr treffen auch immer häufiger neue Kaufempfehlungen ein. Ich denke da etwa an die Heraufstufung der Sandoz-Aktien von «Hold» auf «Buy» bei einem Kursziel von 80 (zuvor 75) Franken durch den Vontobel-Analysten Stefan Schneider.

Schneider begründet diesen Schritt mit den langfristig guten Wachstumsaussichten - insbesondere im margenstarken Geschäft mit Biosimilars. Ein nicht unbeträchtliches kommerzielles Potenzial sieht er zudem im Bereich der Abnehmmittel.

Der Hinweis, dass die Anpassungen für die Unternehmensgrösse aus der WACC-Berechnung eliminiert wurde, lässt erahnen, dass sich der Vontobel-Analyst beim überarbeiteten Kursziel weniger auf höhere Gewinnschätzungen als vielmehr auf technisch bedingte Anpassungen im Bewertungsmodell abstützt.

Für Gesprächsstoff sorgt heute Freitag in hiesigen Börsenkreisen auch die Heraufstufung der Partizipationsscheine von Roche von «Equal-weight» auf «Overweight» durch die Pharmaanalystin Sarita Kapila von Morgan Stanley. Nachdem die Valoren alleine seit der Ergebnisveröffentlichung von Ende Juli um gut 12 Prozent zulegen und zu den Mehrjahreshöchstständen von Ende Februar aufschliessen konnten, trifft diese Kaufempfehlung aus London doch zu einem eher überraschenden Zeitpunkt ein.

Die Analystin wähnt die Pharma- und Diagnostikgruppe aus Basel vor einem neuen Wachstumszyklus. Hohe Umsätze verspricht sie sich insbesondere vom Brustkrebsmittel Giredestrant. Für dieses sieht sie einen jährlichen Spitzenumsatz von 9 Milliarden Franken, was weit über den Schätzungen anderer Expertinnen und Experten liegt.

Zur Erinnerung: Als sich Roche im Frühling 2024 an der Börse in einem hartnäckigen Stimmungstief befand, stufte Morgan Stanley die Valoren sogar mit «Underweight» ein. Und jetzt – zweieinhalb Jahre später und 130 Kursfranken höher – werden die Anteilsscheine durch die amerikanische Investmentbank sogar zum Kauf angepriesen.

Die Liste an neuen Kaufempfehlungen liesse sich übrigens fast beliebig ergänzen, etwa um die Heraufstufung für die Aktien von Burckhardt Compression von «Hold» auf «Buy» bei einem Kursziel von 570 (zuvor 505) Franken durch Kepler Cheuvreux oder für jene von Siegfried von «Hold» auf «Buy» mit einem Kursziel von 90 (zuvor 75) Franken durch Stifel. Auch diesen Kaufempfehlungen liegen – wenn überhaupt – nur leicht höhere Gewinnerwartungen zugrunde.

Mal schauen, ob kommende Woche gleich nochmals neue Kaufempfehlungen eintreffen oder ob weitere Analysten bei ihren Verkaufsempfehlungen die Reissleine ziehen. Falls ja, dann mehr dazu am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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