Schiffe, ‌Flugzeuge und Personal ⁠würden mit zusätzlicher Munition und Waffen vor Ort bleiben, um notfalls «einen erheblich geschwächten Feind» zu zerstören, erklärte Trump in einem Beitrag in den sozialen Medien. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass ⁠ein dauerhaftes Abkommen erzielt und eingehalten werde. Am Samstag soll es in Pakistan erste Gespräche zwischen den USA und dem Iran geben.

Sollte dies aus irgendeinem Grund nicht der Fall sein, was höchst unwahrscheinlich sei, «dann beginnt das Schiessen, grösser, besser ‌und stärker als je zuvor», erklärte der Präsident. Entgegen «gefälschter Rhetorik» habe der Iran zugestimmt, keine Atomwaffen anzustreben und die Strasse von Hormus ‌wieder zu öffnen. «In der Zwischenzeit rüstet unsere grossartige Armee auf und ruht sich aus, und freut ​sich eigentlich auf ihre nächste Eroberung. AMERIKA IST ZURÜCK!», fügte Trump hinzu.

Obwohl sowohl die USA als auch der Iran in dem fünfwöchigen Krieg, der Tausende Menschenleben gefordert hat, den Sieg für sich beanspruchen, bleiben die Kernkonflikte ungelöst. Beide Seiten halten an konkurrierenden Forderungen für ein Abkommen fest, das den Nahen Osten für Generationen prägen könnte. Trumps Äusserungen folgten auf den bislang grössten koordinierten israelischen Angriff des Krieges, bei dem am Mittwoch im Libanon mehr als 250 Menschen getötet wurden.

Dies rief den iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Baker Kalibaf auf den Plan. Er warnte am Mittwoch in ‌einer Erklärung, dass die Ausweitung des parallelen Krieges durch Israel und das Beharren Washingtons auf einer Aufgabe der iranischen Atomambitionen die Gespräche über ein dauerhaftes Friedensabkommen gefährden könnten. «In einer solchen Situation sind eine bilaterale Waffenruhe oder Verhandlungen unvernünftig», sagte Kalibaf.

Ölpreise wieder am Steigen

Die Sorge vor einem Bruch der Waffenruhe und den hohen geopolitischen Risiken für die Ölversorgung aus dem Nahen Osten trieb die Ölpreise am Donnerstag an. Zudem ​bezweifelten Investoren, dass die Blockade in der Strasse von Hormus bald aufgehoben werden kann. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,96 Dollar oder 2,07 ​Prozent auf 96,71 Dollar pro Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um 2,60 Dollar oder 2,75 Prozent ​auf 97,01 Dollar. Am Mittwoch waren beide Referenzsorten nach der Ankündigung der Waffenruhe noch stark gefallen. Sie notieren damit weiterhin weit über den Preisen von 70,75 und 65 Dollar, die vor Beginn der gemeinsamen Offensive der USA und Israels ‌aufgerufen worden waren.

An den asiatischen Aktienmärkten herrschte am Donnerstag angesichts der Unsicherheit über die Waffenruhe eine gedrückte Stimmung. Der japanische Nikkei-Index pendelte um seinen Vortagesschluss, nachdem er am Mittwoch noch um 5,4 Prozent in die Höhe geschnellt war. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien ausserhalb Japans gab um 0,7 Prozent nach. An der Wall Street gaben die Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq ​jeweils um ​0,2 Prozent nach. In Frankfurt rutschte auch der Aktienindex Dax zum Handelsstart ins Minus, nachdem er am ⁠Mittwoch 5,1 Prozent zugelegt und die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten geknackt hatte.

Anzeichen dafür, dass die ​Strasse von Hormus seit dem Waffenstillstandsabkommen in nennenswertem ⁠Umfang geöffnet wurde, gab es nicht. Der Iran beansprucht weiterhin die Kontrolle über die wichtige Seestrasse, durch die ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasversorgung fliesst, und fordert Gebühren für eine sichere Durchfahrt. ‌Die neu demonstrierte Fähigkeit Teherans, die Energieversorgung aus der Golfregion trotz jahrzehntelanger massiver US-Militärinvestitionen abzuschneiden, zeigt die veränderten Machtverhältnisse in der Region.

Kritik von Macron

Die israelische Welle von Luftangriffen am Mittwoch warf Fragen über die regionalen Bemühungen um eine Waffenruhe auf. Vor den am Samstag in Pakistan beginnenden Friedensgesprächen gab es widersprüchliche Aussagen zum Umfang der ‌Feuerpause und stark voneinander abweichende Verhandlungsziele. Die USA und Israel erklärten, der Libanon sei nicht in das Abkommen einbezogen. Der iranische Präsident Massud Peseschkian bezeichnete ​einen Stopp der Feindseligkeiten im Libanon dagegen als wesentliche Bedingung für eine Einigung Teherans mit Washington.

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron forderte, der Libanon müsse «vollständig abgedeckt» sein. Kritik kam auch aus Grossbritannien. Aussenministerin Yvette Cooper forderte ebenso, den Libanon in die Waffenruhe einzubeziehen, da sonst die gesamte Region destabilisiert werde, wie sie dem Sender Times Radio sagte. Auch Bundesentwicklungshilfeministerin Reem Alabali Radovan meldete sich zu Wort: «Diese Waffenruhe verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn ‌der Libanon weiter unter Beschuss steht», erklärte die SPD-Politikerin. «Diese ​neue Welle von Angriffen verurteile ich aufs Schärfste.»

(Reuters)