Die Nato werde vor einer düsteren Zukunft stehen, sollten die Partner der USA dabei nicht helfen, sagte Trump in einem kurzen Interview der «Financial Times». Sollte es «keine Reaktion geben oder sollte die Reaktion negativ ausfallen, wird dies, denke ich, sehr schlecht für die Zukunft der Nato sein», wurde Trump zitiert.
Der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus, die sehr wichtig ist für den internationalen Transport von Öl und Flüssiggas, ist wegen des Kriegs und drohender iranischer Angriffe praktisch zum Erliegen gekommen. Das «Wall Street Journal» berichtete unter Berufung auf US-Beamte, die Regierung in Washington werde voraussichtlich schon in dieser Woche bekanntgeben, dass mehrere Länder sich zur Bildung einer Koalition bereit erklärt hätten, die Schiffe durch die Meerenge eskortieren soll. Die USA und potenzielle Koalitionsländer diskutierten noch darüber, ob diese Einsätze vor oder nach Kriegsende beginnen sollen, berichtete die Zeitung.
In dem achtminütigen Gespräch mit der «Financial Times» erwähnte Trump auch China. Die Volksrepublik sei wie Europa - und anders als die USA - stark vom Öl aus der Golfregion abhängig, wurde Trump weiter zitiert. Tatsächlich beziehen die Europäer aber nur einen Bruchteil der Ölmenge aus dieser Weltregion, den China von dort importiert. Ein in diesem Monat in China geplantes Gipfeltreffen mit Staatspräsident Xi Jinping könne er verschieben, sagte Trump der Zeitung zufolge.
Trump erwartet von Nato-Partnern Dankbarkeit
Es sei «nur angemessen, dass diejenigen, die von der Meerenge profitieren, dazu beitragen, dass dort nichts Schlimmes passiert», wurde der Republikaner zitiert. Trotz seiner Warnung an die Adresse der Nato zeigte er sich demnach pessimistisch, dass die Verbündeten seinen Appellen Gehör schenken würden.
«Wir hätten ihnen in der Ukraine nicht helfen müssen. Die Ukraine ist Tausende von Kilometern von uns entfernt. Aber wir haben ihnen geholfen», wurde Trump mit Blick auf die Nato zitiert. «Jetzt werden wir sehen, ob sie uns helfen. Denn ich habe schon lange gesagt, dass wir für sie da sein werden, sie aber nicht für uns. Und ich bin mir nicht sicher, ob sie da sein werden.»
Trump: «Was auch immer nötig ist»
Auf die Frage der «Financial Times», welche Hilfe er genau erwarte, habe Trump erwidert: «Was auch immer nötig ist.» Er habe hinzugefügt, dass die Verbündeten Minensuchboote entsenden sollten, von denen Europa viel mehr besitze als die USA. Ausserdem deutete er an, dass er Hilfe dabei erwarte, «einige böswillige Akteure an der (iranischen) Küste auszuschalten».
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte am Freitag einem Militäreinsatz in der Meerenge eine Absage erteilt. Für ihn gebe es im Augenblick «keine Veranlassung, über eine militärische Absicherung der Seewege nachzudenken», sagte der CDU-Vorsitzende. Deutschland sei nicht Teil dieses Kriegs «und wir wollen es auch nicht werden», betonte er.
Krieg geht weiter
Derweil geht der Krieg in der dritten Woche unvermindert weiter. In der iranischen Hauptstadt Teheran meldeten Medien eine neue Angriffswelle. Im Stadtzentrum nahe der Revolutionsstrasse sei die Flugabwehr im Einsatz, berichtete das Onlineportal «Hammihan». In sozialen Medien berichteten Kriegsbeobachter, die das Geschehen aus dem Ausland verfolgen, über zahlreiche Explosionen in mehreren Stadtteilen der Millionenmetropole.
Teherans Bevölkerung ist seit mehr als zwei Wochen vom Internet abgeschnitten. Nachrichten dringen folglich nur schwer nach aussen. Am Sonntag meldete die auf Internetsperren spezialisierte Organisation Netblocks zudem den Einbruch von Verbindungen bei einem der letzten Telekommunikationsnetzwerke.
Drohneneinschlag auf Flughafen von Dubai
Bei einem Drohneneinschlag in Dubai ging unterdessen ein Treibstofflager des Flughafens in Flammen auf. Einsatzkräfte brachten das Feuer am Morgen unter Kontrolle, es gab keine Verletzten, wie die Behörden des Emirats auf der Plattform X erklärten. Der Flughafen stellte den Betrieb auf Anweisung der Luftfahrtbehörde vorübergehend ein.
Auch Israel wurde in der Nacht wieder aus dem Iran mit Raketen beschossen. Berichte über Verletzte gab es jedoch nicht.
Irans Luftstreitkräfte haben eigenen Angaben zufolge seit Kriegsbeginn 700 Raketen auf Ziele in Israel sowie auf US-Stützpunkte in der Golfregion gefeuert. Daneben seien rund 3.600 Kamikazedrohnen mit Sprengladungen eingesetzt worden, berichteten die iranischen Onlineportale «Tabnak» und «Avash» unter Berufung auf einen Sprecher der Revolutionsgarden.
General Ali Mohammed Naini, Sprecher der Revolutionsgarden, hatte dem iranischen Staatsfernsehen am Sonntag ein Interview gegeben, aus dem auch die Nachrichtenagentur Fars zitierte, die der Elitestreitmacht nahesteht. Naini sagte demnach, dass viele der abgefeuerten Raketen aus alten Beständen stammten. Viele aus neuer Produktion seien noch nicht zum Einsatz gekommen.
Macron appelliert an Iran
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron appellierte an seinen iranischen Kollegen Massud Peseschkian, Angriffe auf Länder in der Region sofort zu stoppen. «Ich habe ihn aufgefordert, die inakzeptablen Angriffe, die der Iran gegen die Länder der Region führt - sei es direkt oder über Stellvertreter wie im Libanon und im Irak -, unverzüglich einzustellen», schrieb Macron nach einem Telefonat mit Peseschkian auf der Plattform X.
Libanon-Konflikt geht weiter
Unterdessen gerieten im Libanon erneut Friedenstruppen unter Beschuss. Blauhelmsoldaten seien auf Patrouille in der Nähe ihrer Stützpunkte im Süden gewesen, als sie mutmasslich von nicht staatlichen bewaffneten Gruppen beschossen worden seien, teilte Unifil mit. Verletzt worden sei niemand.
Im Libanon sind im Zuge des Iran-Kriegs die Kämpfe zwischen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz und Israels Militär wieder aufgeflammt. Immer wieder geraten die Blauhelmsoldaten im Grenzgebiet zu Israel zwischen die Fronten. Erst vor rund einer Woche wurden drei Unifil-Soldaten verletzt. Derweil berichteten Augenzeugen von neuen israelischen Angriffen auf südliche Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut, die als Hochburg der Hisbollah gelten.

