Nach der zwischen Israel und dem Libanon vereinbarten Waffenruhe hat der Iran die strategisch wichtige Strasse von Hormus für Handelsschiffe freigegeben. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi teilte am Freitag auf X mit, die Meerenge sei für den Rest der von den USA vermittelten zehntägigen Feuerpause für alle kommerziellen Schiffe geöffnet. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Durchfahrt erfolge auf festgelegten, vom Iran als sicher eingestuften Routen. Kriegsschiffe seien davon ausgenommen. Die Ölpreise sackten nach der Ankündigung drastisch ab, Aktienmärkte stiegen.
Die Waffenruhe trat Donnerstagnacht in Kraft. US-Präsident Donald Trump schrieb kurz nach Irans Ankündigung auf der Plattform Truth Social, der Iran habe die vollständige Öffnung der Wasserstrasse verkündet. Die US-Militärblockade gegen Schiffe, die iranische Häfen ansteuern, bleibe jedoch in vollem Umfang in Kraft, bis ein Abkommen mit Teheran zu 100 Prozent abgeschlossen sei. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron begrüssten die Ankündigung Teherans, mahnten aber eine Öffnung der Meerenge ohne Auflagen an. Die Durchfahrten müssten «in vollkommener Übereinstimmung mit dem internationalen Seerecht» möglich sein, es dürfe «keinerlei Einschränkungen» geben, sagte Merz in Paris.
Zugleich unterstrich der Kanzler die Bereitschaft Deutschlands, sich an einem militärischen Einsatz zur Sicherung der Strasse von Hormus zu beteiligen. Nach einem Treffen mit europäischen Staats- und Regierungschefs in Paris nannte Merz dabei etwa die Minenräumung und die Seeaufklärung. «Das können wir», sagte der Kanzler. Bedingung für einen Einsatz sei aber zunächst ein Ende des Kriegs. Zudem brauche es eine sichere Rechtsgrundlage, etwa eine Resolution des UN-Sicherheitsrats. Auch sei ein Beschluss der Bundesregierung und des Bundestags erforderlich. Eine Beteiligung der USA an einem solchen Einsatz sei wünschenswert, sagte Merz zudem. Die Beratungen über einen europäischen Einsatz in der Meerenge sollen kommende Woche in London fortgesetzt werden.
Der Iran hatte seit Beginn der US-israelischen Angriffe am 28. Februar die Meerenge blockiert. Durch die Strasse von Hormus wird etwa ein Fünftel der weltweiten Ölexporte transportiert. Dies hat die Energiepreise in den vergangenen Wochen drastisch verteuert.
«Details kommen später»
US-Präsident Trump äusserte sich zuversichtlich, dass der Krieg mit dem Iran bald beendet werden könnte. Ein weiteres Treffen zwischen den USA und dem Iran könnte schon am Wochenende stattfinden, sagte Trump. «Wir werden sehen, was passiert. Aber ich denke, wir stehen sehr kurz vor einem Abkommen mit dem Iran.» Sollte ein Vertrag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad unterzeichnet werden, werde er möglicherweise dorthin reisen. Pakistanischen Vermittlerkreisen zufolge gibt es Fortschritte bei der Geheimdiplomatie.
Aus iranischen Kreisen verlautete allerdings, es gebe noch offene Punkte, die vor einer vorläufigen Einigung geklärt werden müssten. Hinter den Kulissen gibt es jedoch offenbar Fortschritte. Ein an der Vermittlung beteiligter pakistanischer Insider sprach von einer Annäherung. Ein bevorstehendes Treffen könnte zur Unterzeichnung einer Absichtserklärung führen, auf die binnen 60 Tagen ein umfassendes Abkommen folgen solle. «Beide Seiten sind sich im Prinzip einig. Die technischen Details kommen später», sagte der Insider. Ein hochrangiger iranischer Vertreter erklärte, es gebe eine Einigung über die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte in Milliardenhöhe als Teil des Abkommens zur Öffnung der Meerenge.
Einer der Hauptstreitpunkte bleibt das iranische Atomprogramm. Die USA hatten am vergangenen Wochenende eine 20-jährige Aussetzung aller nuklearen Aktivitäten gefordert. Teheran schlug Insidern zufolge einen Stopp von drei bis fünf Jahren vor. Der Iran verlangt zudem die Aufhebung der internationalen Sanktionen, während Washington auf den Abtransport von hochangereichertem Uran pocht.
Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat Tausende Menschen das Leben gekostet und den Nahen Osten destabilisiert. Anfang März begann die mit dem Iran verbündete Hisbollah im Libanon damit, Israel mit Raketen zu beschiessen. Die daraufhin gestartete israelische Offensive im Libanon forderte nach Behördenangaben mehr als 2000 Todesopfer.
(Reuters)

