Es werde keine Einigung geben ausser einer «bedingungslosen Kapitulation», schrieb Trump am Freitag in einem Beitrag in den sozialen Medien. Erst nach diesem Schritt und der Auswahl einer «grossartigen und akzeptablen» neuen iranischen Führung würden die USA und ihre Verbündeten daran arbeiten, den Iran «vom Rande der Zerstörung zurückzuholen». Man werde sich dann auch für eine Stärkung der iranischen Wirtschaft einsetzen.
Israel weitete in der Nacht zum Freitag seine Luftangriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut und Ziele im Iran erneut massiv aus. Das israelische Militär flog nach eigenen Angaben 26 Angriffswellen auf die südlichen Vororte Beiruts, um Kommandozentralen und Waffenlager der mit dem Iran verbündeten radikal-islamischen Hisbollah zu treffen. Zuvor war die Evakuierung des gesamten, von Hunderttausenden bewohnten Stadtteils angeordnet worden – ein Schritt ohne Beispiel selbst in der langen Kriegsgeschichte der Stadt. Im Iran griffen 50 Kampfflugzeuge einen Bunker unter dem Amtssitz Chameneis an, der nach dessen Tod am ersten Kriegstag vergangenen Samstag weiterhin von der iranischen Führung genutzt wurde.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian betonte auf der Plattform X: «Lassen Sie uns klarstellen: Wir sind einem dauerhaften Frieden in der Region verpflichtet, aber wir zögern nicht im Geringsten, die Würde und Autorität unseres Landes zu verteidigen.» Eine mögliche Vermittlung müsse sich an jene richten, die das iranische Volk unterschätzt und den Konflikt entfacht hätten. Peseschkian ist dem Obersten Führer untergeordnet, gehört aber derzeit dem dreiköpfigen Gremium an, das dessen Aufgaben übernommen hat.
«Völlig ungerechtfertigt»
Trump hatte bereits in einem Reuters-Interview am Donnerstag mit Blick auf den Nachfolger Chameneis gesagt: «Wir werden diese Person zusammen mit dem Iran auswählen müssen.» Pläne für eine schnelle Nachfolge durch Chameneis Sohn Modschtaba könnten ins Stocken geraten sein, die Trauerzeit für den toten Obersten Führer war am Mittwoch auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Der iranische Vize-Aussenminister Said Chatibsadeh bezeichnete den Konflikt als «existenziellen Krieg» für das Land mit einer Bevölkerung von mehr als 90 Millionen Menschen. Man ziele nicht absichtlich auf arabische Nachbarn, sondern nur auf US-Stützpunkte. Katarische Beamte bestätigten Drohnenangriffe auf den US-Stützpunkt Al Udied, meldeten aber keine Opfer.
Bundesaussenminister Johann Wadephul nannte die Angriffe des Irans «völlig ungerechtfertigt». Attacken gegen Staaten des Golf-Kooperationsrates, auf Zypern und auch die Türkei seien «unverantwortlich und geeignet dazu, eine Eskalation herbeizuführen, die mit allen Kräften vermieden werden muss», sagte Wadephul in Berlin. «Und deswegen der dringende und klare Appell an den Iran, derartiges zu unterlassen.» Mit Blick auf einen möglichen Angriff auf Nato-Staaten mahnte Wadephul zur Ruhe. Er sehe keinen Anlass für Alarmismus. Die Nato sei immer wachsam und verteidigungsbereit. «Eine unmittelbare Gefährdungssituation sehe ich für uns nicht.»
Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte eine Unterstützung von Zielen der USA und Israels, mahnte zugleich aber: «Eine dauerhafte Fortführung dieses Krieges wäre nicht in unserem Interesse.» Deshalb arbeite Deutschland mit seinen Partnern in Europa und im Nahen Osten an einer gemeinsamen Perspektive zur Beendigung der Kampfhandlungen, sagte Merz auf der Internationalen Handwerksmesse in München. «Das Leitbild muss eine regionale Friedensordnung sein, die Sicherheit und Existenz aller Staaten, einschliesslich Israels und der Golfstaaten, gewährleistet», sagte Merz. «Die territoriale Integrität des Iran muss gewahrt bleiben.»
«Wir schlafen hier auf der Strasse»
Die humanitäre Lage im Kriegsgebiet spitzt sich unterdessen dramatisch zu. «Wir schlafen hier auf der Strasse – manche in Autos, manche auf dem Gehweg, manche am Strand», sagte der 43-jährige Jamal Seifeddin, der aus dem Süden Beiruts in das Stadtzentrum geflohen war. Nach Angaben des Roten Halbmonds wurden im Iran seit Kriegsbeginn vor einer Woche mindestens 1230 Menschen getötet. Im Libanon meldeten Behörden 123 Tote und 683 Verletzte. Auf israelischer Seite starben durch iranische Angriffe mindestens zehn Menschen. Die Bundesregierung stellt der Region nach Angaben des Auswärtigen Amts weitere 95 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Verfügung, mit Schwerpunkt Libanon.
Zugleich fliegt die Bundesregierung weitere gestrandete deutsche Touristen aus dem Krisengebiet aus. Wadephul kündigte für Samstag einen weiteren gecharterten Flug in die saudiarabische Hauptstadt Riad an. Am Freitag sei eine zweite Maschine mit mehr als 200 Menschen an Bord aus dem Oman in Deutschland gelandet, ein dritter Flug starte am Abend in Maskat. Am Donnerstag war bereits ein erster Flug in Frankfurt angekommen.

