Die «grosse Welle» stehe erst noch bevor, sagte Trump am Montag dem Sender CNN. Zugleich räumte er ein, dass Washington nach der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei keine gesicherten Erkenntnisse über die künftige Führung der Islamischen Republik habe. «Wir haben noch gar nicht angefangen, sie hart zu treffen», sagte Trump in dem Interview. Der eigentliche Hauptschlag komme erst noch. Wer derzeit in Teheran die Macht innehabe, sei der US-Regierung unbekannt. «Wir wissen nicht, wer die Führung ist. Wir wissen nicht, wen sie auswählen werden», fügte der Präsident hinzu.
Chamenei, das langjährige geistliche und politische Oberhaupt des Iran, war bei einem gemeinsamen Angriff der USA und Israels am Samstag getötet worden. Trotz der militärischen Eskalation bezweifeln Experten innerhalb der US-Regierung offenbar, dass der Einsatz zu einem schnellen politischen Umbruch führt. Viele hochrangige US-Beamte seien skeptisch, dass die Militäroperation kurzfristig einen Regimewechsel herbeiführen werde, hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag berichtet.
Der Luftkrieg der USA und Israels gegen den Iran weitete sich am Montag aus und droht, die gesamte Region in einen langanhaltenden Konflikt zu stürzen. Während Israel eine neue Front gegen die Hisbollah im Libanon eröffnete, feuerte Teheran Raketen und Drohnen auf Israel, die Golfstaaten und erstmals auch auf einen britischen Stützpunkt auf Zypern ab. An den Finanzmärkten sorgte die Eskalation für Turbulenzen: Die Ölpreise stiegen kräftig an, da der Schiffsverkehr in der wichtigen Strasse von Hormus weitgehend zum Erliegen kam.
Drei US-Militärjets abgestürzt
In Kuwait stürzten am Montag drei US-Militärjets ab. Das US-Zentralkommando Centcom erklärte, die Maschinen vom Typ F-15E seien versehentlich von der kuwaitischen Flugabwehr ins Visier genommen worden. Alle sechs Besatzungsmitglieder der drei Jets hätten sich retten können und seien in stabilem Zustand. In Kuwait-Stadt war zudem Rauch in der Nähe der US-Botschaft aufgestiegen. Die Hintergründe waren zunächst unklar.
Eine neue Hauptfront eröffnete sich im Libanon. Die radikal-islamische Hisbollah, einer der wichtigsten Verbündeten Teherans, feuerte als Vergeltung für den Tod des iranischen Obersten Führers Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. Die israelische Armee reagierte mit massiven Luftschlägen auf die von der Hisbollah kontrollierten südlichen Vororte Beiruts. Nach libanesischen Angaben wurden dabei mindestens 31 Menschen getötet und 149 verletzt. Israel erklärte den Hisbollah-Anführer Naim Kassem zum «Ziel für eine Eliminierung», betonte jedoch, derzeit keine Bodenoffensive zu planen.
Auch die Verbündeten der USA gerieten ins Visier. In Dubai, der katarischen Hauptstadt Doha und im Ort Samha in den Vereinigten Arabischen Emiraten waren Explosionen zu hören. Auf Zypern traf eine Drohne den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri. Es entstand nur geringer Schaden, doch markiert der Vorfall den ersten Angriff auf einen US-Verbündeten in Europa in diesem Konflikt. Am Montag steuerten nach britischen Angaben zwei Drohnen auf Akrotiri zu, diese seien aber rechtzeitig abgefangen worden. Der Iran hatte erklärt, er werde auch Militärstellungen in benachbarten Staaten unter Beschuss nehmen.
Im Iran hat nach dem Tod Chameneis ein Führungsrat um Präsident Massud Peseschkian vorübergehend die Amtsgeschäfte übernommen. Ali Laridschani, ein einflussreicher Berater, erteilte Verhandlungen mit den USA eine Absage und attestierte Trump «wahnhafte Ambitionen». Trump hatte zuvor erklärt, die Iraner wollten mit ihm reden und er sei bereit dazu.
Ölpreise auf dem Vormnarsch
Die Weltwirtschaft reagierte alarmiert, aber nicht panisch. Der Flugverkehr in der Region ist stark beeinträchtigt, der Flughafen Dubai – das weltweit geschäftigste Drehkreuz – blieb geschlossen. Viele Touristen sind gestrandet. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, man gehe von einer mittleren fünfstelligen Zahl von Deutschen in der Region aus. Bundesaussenminister Johann Wadephul kündigte an, die Bundesregierung bereite die Entsendung von Flugzeugen in den Nahen Osten vor, um dort gestrandete und hilfsbedürftige deutsche Touristen nach Hause zu holen. Die Maschinen sollen nach Maskat im Oman und in die saudische Hauptstadt Riad geschickt werden.
Die Blockade der strategisch wichtigen Strasse von Hormus wirkte sich zudem auf den Ölpreis aus. Die Unterbrechung der Öltransporte durch die Meerenge, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fliesst, liess die Preise an den Märkten um rund sieben Prozent steigen. Einige Experten hatten am Wochenende einen weitaus kräftigeren Anstieg nicht ausgeschlossen. Der deutsche Aktienindex DAX lag am Nachmittag 2,5 Prozent im Minus.
(Reuters)

