US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben in einem Abkommen mit der Nato den dauerhaften und uneingeschränkten Zugang der USA zu Grönland gesichert. Nato-Generalsekretär Mark Rutte bestätigte am Donnerstag eine Rahmenvereinbarung, die die Verbündeten zu einem stärkeren Engagement für die Sicherheit in der Arktis verpflichten würde, um Bedrohungen durch Russland und China abzuwehren. Die dänische Regierung wies jedoch umgehend zurück, dass die Souveränität über die Insel zur Debatte stehe. Die Entwicklung folgt auf eine Kehrtwende Trumps, der am Mittwochabend von angedrohten Strafzöllen abrückte und den Einsatz von Gewalt gegen das dänische Territorium ausschloss.
Die Details des Abkommens würden derzeit ausgehandelt, sagte Trump dem Sender Fox Business Network in Davos. «Aber im Grunde geht es um totalen Zugang. Es gibt kein Ende, kein Zeitlimit.» Rutte sagte in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters in Davos, es sei nun an den Nato-Kommandeuren, die Einzelheiten der zusätzlichen Sicherheitsanforderungen auszuarbeiten. Er hoffe auf erste Ergebnisse Anfang 2026. Die verstärkten Anstrengungen in der Arktis würden zudem nicht die Mittel zur Unterstützung der Ukraine schmälern, betonte Rutte.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte, es habe keine Verhandlungen mit der Nato über die Souveränität Grönlands gegeben. «Es ist immer noch eine schwierige und ernste Lage, aber es wurden auch Fortschritte erzielt», sagte sie. Man könne nun darüber diskutieren, wie die gemeinsame Sicherheit in der Arktis gefördert werde. Auch der britische Premierminister Keir Starmer begrüsste die Aufhebung der Zollandrohung gegen einige europäische Länder. Nun beginne der «harte Weg», um eine Lösung für die Sicherheit in der Arktis zu finden, betonte Starmer aber. Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson signalisierte die Bereitschaft seines Landes, sich an einer verstärkten militärischen Präsenz in der Region zu beteiligen.
«Zeitalter der Grossmächte»
Rutte betonte im Interview mit Reuters, die Nato-Verbündeten müssten ihr Engagement in der Arktis verstärken. Erste Ergebnisse sollen noch im laufenden Jahr sichtbar werden. Er sei sicher, dass sich auch Bündnispartner, die nicht selbst an die Arktis grenzten, an den Anstrengungen beteiligen würden. «Ich habe keinen Zweifel, dass wir das ziemlich schnell schaffen können. Ich hoffe auf 2026, sogar auf Anfang 2026.» Der Abbau von Bodenschätzen sei bei seinem Treffen mit Trump am Mittwoch kein Thema gewesen. «Man kann Donald Trump immer beim Wort nehmen», betonte er.
Russland und China wiesen die Darstellung zurück, eine Bedrohung für die Arktis zu sein. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, der Besitz Grönlands sei nicht Russlands Angelegenheit. Das chinesische Aussenministerium nannte die «sogenannte China-Bedrohung» für Grönland haltlos.
Bundeskanzler Friedrich Merz warnte die USA, es sich nicht mit ihren traditionellen Verbündeten in Europa zu verscherzen. Auch eine Grossmacht sei auf Vertrauen angewiesen, sagte der Kanzler in seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Im «Zeitalter der Grossmächte» sei dieses Vertrauen etwa die Grundlage der Nato. «Es ist ihr und unser entscheidender Wettbewerbsvorteil: Autokratien mögen Untertanen haben, Demokratien haben Partner und Freunde.» Zugleich mahnte Merz, Europa müsse sich in dieser neuen Welt behaupten, wettbewerbsfähig werden und geeint auftreten.
«Den Rubikon überschritten»
Trotz der massiven Verärgerung wegen Trumps Vorgehen appellierte Merz an die Europäer zugleich aber, weiter auf eine Kooperation mit den USA zu setzen. «Lassen Sie uns bei allem Frust und Ärger der letzten Monate die transatlantische Partnerschaft nicht voreilig abschreiben.» In der Sache sicherte Merz Dänemark und Grönland die Solidarität Deutschlands zu. Die Nato müsse ihre Präsenz zum Schutz der Insel verstärken. Sollten die USA entgegen der neuen Signale doch Zölle verhängen, werde die EU «geeint, ruhig, besonnen und entschlossen» reagieren, sagte Merz. Am Donnerstagabend wollten die 27 EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel in Brüssel zusammenkommen.
Trumps Vorgehen hat das Vertrauen in die transatlantischen Beziehungen jedoch schwer erschüttert. EU-Diplomaten zufolge werden die Staats- und Regierungschefs der EU die Beziehungen zu den USA überdenken. «Trump hat den Rubikon überschritten. Er könnte es wieder tun», sagte ein EU-Diplomat. Auch die Wirtschaft zeigt sich besorgt. «Entwarnung ist fehl am Platz», sagte der Präsident des Grosshandels- und Exportverbandes BGA, Dirk Jandura, zu Reuters. Was Trump heute verkünde, könne morgen schon wieder Makulatur sein.
(Reuters)
