Im Bundesstaat Kentucky setzte sich in der Nacht zum Mittwoch der massiv von Trump unterstützte Herausforderer Ed Gallrein gegen den Kongressabgeordneten Thomas Massie durch, einen der schärfsten parteiinternen Kritiker des Präsidenten. Damit stellen die Republikaner bei den Kongresswahlen im November den früheren Elitesoldaten Gallrein als Kandidaten für das Mandat im Repräsentantenhaus auf, das bislang Massie innehatte.
Die Abstimmung in Kentucky wurde landesweit verfolgt, denn sie galt als eine wichtige Nagelprobe für Trump, der mit äusserst schwachen Umfragewerten zu kämpfen hat. Mit 32 Millionen Dollar für Wahlwerbung war es die bislang teuerste Vorwahl zum Repräsentantenhaus in der Geschichte der USA.
Massie war schon seit längerem bei Trump in Ungnade gefallen. Erst zog er sich den Zorn des Präsidenten zu, weil er als einer von nur zwei republikanischen Abgeordneten gegen das von Trump als «Big Beautiful Bill» gepriesene Steuer- und Ausgabengesetz stimmte. Dann schloss sich Massie lautstark den Forderungen nach einer Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten an, was Trump lange versucht hatte zu verhindern. Und schliesslich sprach er sich gegen den von den USA und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran aus. Daraufhin stockten insbesondere proisraelische Gruppierungen massiv ihre Wahlkampfspenden für den Trump-Protegé Gallrein auf.
Trump hat seine Partei nach wie vor fest im Griff
Nach Auszählung nahezu aller Stimmen kam Gallrein auf 54,9 Prozent, wie der Sender CNN berichtete. Massie erreichte 45,1 Prozent. Trump bezeichnete Massie während einer Veranstaltung im Weissen Haus als «schlechten Kerl», der es verdient habe, zu verlieren.
Das Ergebnis in Kentucky kann als weiterer Beleg dafür gesehen werden, dass Trump seine Partei nach wie vor fest im Griff hat - und das trotz wachsender Bedenken, dass er für die Republikaner bei den Kongresswahlen im November zur Belastung werden könnte. Der Präsident selbst steht dann zwar nicht zur Wahl, allerdings müssen viele republikanische Abgeordnete befürchten, stellvertretend abgestraft zu werden. Aktuell erreicht Trump in Umfragen nur noch etwa 35 Prozent Zuspruch, unter anderem wegen der gestiegenen Benzinpreise im Zuge des Iran-Kriegs.
Viele Parteigänger und Aktivisten halten ihrer Galionsfigur aber nach wie vor die Stange. Das zeigte sich zuletzt vermehrt bei diversen Abstimmungen, mit denen derzeit die Kandidaten für die Wahlen im November ausgewählt werden. So eroberte der von Trump protegierte Abgeordnete Andy Barr in Kentucky die Nominierung für einen Senatssitz. Und erst am Samstag war ein anderer Trump-Kritiker, Senator Bill Cassidy aus Louisiana, bei einer parteiinternen Vorwahl ausgeschieden.
(Reuters)

