Es ist ein Einsatz, den US-Präsident Donald Trump bereits am Sonntagabend ankündigte, um Frachter und deren Besatzungen ‌zu befreien, ⁠denen in der Wasserstrasse allmählich die Vorräte ausgehen. Das US-Zentralkommando (Centcom) bestätigte die Pläne umgehend: Für die Operation stünden 15.000 Soldaten, Kriegsschiffe sowie mehr ⁠als 100 Flugzeuge und Drohnen bereit. Ziel sei es, die Freiheit der Handelsschifffahrt wiederherzustellen, erklärte Centcom-Kommandeur Brad Cooper. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) stecken in der ‌Region Hunderte Schiffe mit rund 20.000 Seeleuten fest.

Trump schrieb am ‌Sonntagabend in einer langen Erklärung auf seiner Plattform Truth Social, ​Länder aus der ganzen Welt hätten die USA gefragt, ob sie helfen könnten, ihre Schiffe zu befreien. «Zum Wohle des Iran, des Nahen Ostens und der Vereinigten Staaten haben wir diesen Ländern mitgeteilt, dass wir ihre Schiffe sicher aus diesen gesperrten Wasserstrassen geleiten werden, damit sie frei und ungehindert ihren Geschäften nachgehen können.» Es handele sich um Schiffe aus Teilen der Welt, die in keiner Weise in ‌das verwickelt seien, was sich derzeit im Nahen Osten abspiele. «Ich habe meine Vertreter angewiesen, ihnen (den Ländern) mitzuteilen, dass wir uns nach besten Kräften bemühen werden, ihre Schiffe und Besatzungen sicher aus der Meerenge herauszuholen.»

Die Verlegung der Schiffe sei lediglich dazu gedacht, Menschen, Unternehmen und Länder zu ​befreien, die absolut nichts falsch gemacht hätten und Opfer der Umstände seien. «Dies ist eine humanitäre Geste im ​Namen der Vereinigten Staaten, der Länder des Nahen Ostens, aber insbesondere des ​Iran.» Auf vielen der Schiffe würden Lebensmittel knapp. Dieser Prozess 'Project Freedom' werde am Montagmorgen nahöstlicher Zeit beginnen.

Kurz nach Trumps Ankündigung meldete die britische Seeschifffahrtsbehörde UKMTO, dass ein Tanker ‌in der Meerenge von unbekannten Projektilen getroffen worden sei. Die Besatzung sei jedoch in Sicherheit. Nähere Informationen zu dem Vorfall liegen bisher nicht vor.

Die militärische Zuspitzung fällt in eine heikle Phase der Diplomatie im Krieg der USA und Israels gegen den Iran. ​Die Regierung in ​Teheran prüft nach eigenen Angaben derzeit eine US-Antwort auf einen iranischen ⁠Friedensvorschlag. Trump sendete diesbezüglich widersprüchliche Signale: Während er am Wochenende zunächst erklärt hatte, er ​werde den Plan wahrscheinlich ablehnen, sagte ⁠er am Sonntagabend vor Journalisten, die Gespräche liefen «sehr gut». Der Iran will Insidern zufolge zunächst den Krieg beenden und die gegenseitigen ‌Seeblockaden aufheben, bevor über das umstrittene iranische Atomprogramm verhandelt wird. Washington fordert dagegen strenge Einschränkungen des Atomprogramms als Voraussetzung für ein Kriegsende.

Trump steht innenpolitisch unter Druck, die iranische Blockade zu brechen. Durch die Sperrung der Wasserstrasse, durch die normalerweise ein ‌Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen fliesst, sind die Benzinpreise in den USA und weltweit gestiegen. ​Dies könnte den Republikanern bei den Kongresswahlen im November schaden. Der Iran blockiert seit mehr als zwei Monaten fast den gesamten Schiffsverkehr in der Region. Im vergangenen Monat hatten die USA im Gegenzug eine Blockade iranischer Häfen verhängt. Die direkten Bombardierungen des Irans durch die USA und Israel ‌ruhen seit vier Wochen.

(Reuters)