US-Präsident Donald Trump hat die angedrohten Angriffe auf Energieanlagen im Iran nach eigenen Angaben für weitere zehn Tage ausgesetzt und die Ölpreise damit am Freitag gedrückt.

Der ⁠Preis für die Nordseesorte Brent sank im frühen Handel um 0,8 Prozent auf 107,11 Dollar ⁠pro Barrel. Die US-Sorte WTI verbilligte sich um knapp 0,9 Prozent auf 93,65 Dollar. Er komme damit einer Bitte ‌der iranischen Regierung nach, erklärte Trump am Donnerstag auf seiner Plattform ‌Truth Social. Zudem sagte er, die laufenden Gespräche ​mit der Regierung in Teheran liefen sehr gut. Als Geste des guten Willens erlaube der Iran zehn unter pakistanischer Flagge fahrenden Öltankern die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus. Die Frist für die Zerstörung der Anlagen laufe nun bis zum 7. April um 02.00 Uhr MESZ.

Trump hatte am ‌Samstag in den Sozialen Medien erklärt: «Wenn der Iran die Strasse von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden (...) vollständig und ohne Bedrohung öffnet, werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihre diversen Kraftwerke angreifen ​und vernichten.» Das iranische Militär erklärte am Sonntag, im Falle eines US-Angriffs ​auf die Energieinfrastruktur sämtliche US-Anlagen zur Energieversorgung sowie Informationstechnologie in ​der Region ins Visier zu nehmen. Ein Angriff auf die Stromversorgung hätte für die Golfstaaten katastrophale Folgen. Länder wie Bahrain ‌und Katar decken ihren Trinkwasserbedarf zu 100 Prozent aus stromintensiven Meerwasserentsalzungsanlagen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind es mehr als 80 Prozent, in Saudi-Arabien 50 Prozent.

Der Iran-Krieg begann am 28. Februar mit einem ​Angriff der USA ​und Israels auf die Islamische Republik. Die ⁠Strasse von Hormus, ein wichtiger Wasserweg insbesondere für die ​weltweite Öl- und Erdgasversorgung, ist inzwischen ⁠zum grossen Teil geschlossen. Normalerweise wird etwa ein Fünftel des weltweiten Angebots an Rohöl und Flüssigerdgas ‌durch die Meerenge transportiert. Durch den Krieg fehlen dem Weltmarkt täglich elf Millionen Barrel Öl. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, bezeichnete die Krise als ‌schlimmer als die beiden Ölschocks der 1970er Jahre und die Auswirkungen ​des Russland-Ukraine-Krieges auf den Gasmarkt zusammen. Dennoch wägen die USA einen möglichen Bodeneinsatz ab, um die strategisch wichtige iranische Öl-Insel Charg einzunehmen. 

(Reuters)