Trump erklärte, ⁠die USA hätten einer Bitte pakistanischer Vermittler entsprochen. Der Angriff auf den Iran werde ausgesetzt, bis die dortige Führung einen einheitlichen Vorschlag vorlege und die Friedensgespräche endgültig abgeschlossen ⁠seien. Trotz der einseitigen Verlängerung der Waffenruhe kündigte Trump an, die Blockade des iranischen Seehandels durch die US-Marine fortzusetzen. Die Regierung in Teheran betrachtet dies als kriegerischen Akt. In der Strasse von Hormus ‌wurden am Mittwoch nach britischen Angaben drei Containerschiffe mutmasslich vom Iran beschossen.

Eine offizielle Reaktion der iranischen Führung auf ‌Trumps Ankündigung lag zunächst nicht vor. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim meldete jedoch, ​der Iran habe nicht um eine Verlängerung gebeten und drohte erneut, die US-Blockade gewaltsam zu durchbrechen. Ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf bezeichnete Trumps Vorstoss als möglichen Trick.

Die britische Seeschifffahrtsbehörde UKMTO bestätigte unterdessen die Vorfälle. Ein unter liberianischer Flagge fahrendes Schiff sei nordöstlich des Oman von einem Kanonenboot der iranischen Revolutionsgarden angesteuert und mit Schusswaffen sowie Panzerfäusten angegriffen worden. Die Kommandobrücke sei schwer beschädigt worden, Verletzte oder Umweltschäden habe es nicht gegeben. Zwei weitere Schiffe unter den Flaggen Panamas und Liberias seien ‌etwa acht Seemeilen westlich des Iran beschossen worden. Wer für diese beiden Angriffe verantwortlich war, liess die UKMTO zunächst offen.

Der Iran verurteilte seinerseits das Abfangen und die Beschlagnahmung von zwei iranischen Handelsschiffen durch die US-Marine als «Seepiraterie und Staatsterrorismus». Der zweite Vorfall dieser Art hatte sich am Dienstag ereignet.

Vance weiter in Washington

Ob der Iran nach dem ​Ende der zweiwöchigen Feuerpause zu weiteren Friedensgesprächen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad bereit ist, blieb unklar. US-Vizepräsident JD Vance, dessen Anwesenheit ​von iranischer Seite gefordert worden war, hatte eigentlich am Dienstag nach Pakistan fliegen wollen. Einem Vertreter ​des Weissen Hauses zufolge blieb er jedoch für weitere politische Beratungen in Washington. Ein hochrangiger iranischer Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters vor Trumps jüngster Ankündigung, die Unterhändler Teherans seien zu einer weiteren Gesprächsrunde bereit, ‌falls die USA ihre Politik des Drucks und der Drohungen aufgäben.

Eine erste Verhandlungsrunde vor elf Tagen war ohne Ergebnis geblieben. Dabei ging es vor allem um die iranischen Bestände an hochangereichertem Uran. Trump will das Material ausser Landes bringen, um die Entwicklung einer iranischen Atomwaffe zu verhindern. Der Iran erklärt, er unterhalte ein friedliches ziviles Atomprogramm und ​habe als ​Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags ein souveränes Recht darauf.

Erneut Toter im Libanon

Die Berichte über die ⁠Schüsse auf Containerschiffe in der Strasse von Hormus trieben die Ölpreise erneut in die Höhe. ​Die Preise für die Nordseesorte Brent und ⁠die US-Sorte WTI stiegen in der Spitze um knapp zwei Prozent auf bis zu 100,39 Dollar je Barrel und auf bis zu 91,41 Dollar. Der deutsche Aktienleitindex Dax ‌lag leicht im Minus. «Die Verlängerung der Waffenruhe betrachten Anleger mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagte Jochen Stanzl, Analyst der Consorsbank. «Die Befürchtung ist, dass der Iran auf Zeit spielt – und das ist ohne freie Seewege durch die Strasse von Hormus ein Problem.»

Die Strasse ‌von Hormus, durch die ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen transportiert wird, ist seit Beginn des Krieges am 28. ​Februar gesperrt. Die USA und Israel hatten den militärischen Konflikt begonnen, der sich rasch auf die Golfstaaten und den Libanon ausweitete. Bislang wurden in der Region mehr als 5000 Zivilisten getötet. In der Nacht zum Mittwoch kam bei einem israelischen Drohnenangriff in der libanesischen Bekaa-Ebene nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur ein Mensch ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Das ‌israelische Militär teilte mit, ihm sei von dem ​Vorfall nichts bekannt. 

(Reuters)