Die USA würden den Iran «mit einer Härte treffen, die es so noch nie gegeben hat», sollte das Land zurückschlagen, erklärte Trump am Sonntag. Der iranische Präsident Massud Peseschkian bezeichnete Rache dagegen als «legitimes Recht und Pflicht» Teherans. Sein Land werde sein Möglichstes tun, um diese Pflicht zu erfüllen, hiess es in einer Erklärung des Präsidenten.
Die Lage im Nahen Osten spitzt sich damit weiter zu. Israelische Kampfflugzeuge nahmen am Sonntag erneut iranische Ziele ins Visier, während im Gegenzug Explosionen in Dubai, Doha und Tel Aviv zu hören waren. Der iranische Staatssender bestätigte in der Nacht zum Sonntag den Tod des 86-jährigen Chamenei, der bei einem grossangelegten Angriff am Samstag getötet worden war. Auch der iranische Generalstabschef Abdolrahim Mussawi kam ums Leben, wie der Sender Iran TV berichtete.
Trump nutzte seine Plattform Truth Social, um Teheran direkt zu drohen. «Der Iran hat gerade erklärt, dass er heute sehr hart zuschlagen wird, härter als je zuvor», schrieb der US-Präsident. «Sie sollten das jedoch besser nicht tun, denn wenn sie es tun, werden wir sie mit einer noch nie dagewesenen Wucht treffen.» Trump rechtfertigte die Tötung Chameneis als Gerechtigkeit nicht nur für das iranische Volk, sondern auch für Amerikaner und Menschen weltweit, die von Chamenei und seiner «Bande blutrünstiger Verbrecher» getötet oder verstümmelt worden seien. Der Angriff ziele darauf ab, eine jahrzehntelange Bedrohung zu beenden und sicherzustellen, dass der Iran keine Atomwaffen entwickeln könne.
In Teheran formiert sich ungeachtet der US-Drohungen der Widerstand. Der hochrangige Sicherheitsbeamte und Gefolgsmann Chameneis, Ali Laridschani, kündigte die Bildung eines vorübergehenden Führungsrates an. Er warf den USA und Israel vor, den Iran plündern und spalten zu wollen, und warnte «sezessionistische Gruppen». Parlamentspräsident Mohammed Baker Kalibaf richtete seine Worte direkt an Trump und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu: Sie hätten eine rote Linie überschritten und würden «dafür bezahlen». Die Revolutionsgarden kündigten in einer Erklärung ihre bislang grösste Offensive gegen US-Stützpunkte und Israel an.
Die Auswirkungen der Eskalation sind in der gesamten Region zu spüren. Am Sonntag waren in Dubai und der katarischen Hauptstadt Doha laute Explosionen zu hören, nachdem der Iran Vergeltungsschläge gegen die benachbarten Golfstaaten eingeleitet hatte. Über dem Hafen von Jebel Ali in Dubai, einem der geschäftigsten im Nahen Osten, stiegen dunkle Rauchwolken auf. Durch herabfallende Trümmerteile von abgefangenen Drohnen wurden in Dubai zwei Menschen verletzt. Der internationale Flugverkehr ist massiv beeinträchtigt; der Flughafen Dubai blieb geschlossen.
Auch in Israel heulten am frühen Sonntagmorgen die Sirenen. In Tel Aviv waren Explosionen zu hören, als die Luftabwehr versuchte, iranische Geschosse abzufangen. Berichte über Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die iranische Luftwaffe griff zudem US-Stützpunkte im mehrheitlich kurdischen Norden des Irak sowie in den Golfstaaten an, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim.
Folgen für die Ölversorgung
Die wirtschaftlichen Folgen der Krise zeichnen sich bereits ab. Die Führung in Teheran erklärte bereits am Samstag, die Strasse von Hormus gesperrt zu haben. Durch die Meerenge fliesst etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs. Mehrere Reedereien und Handelsunternehmen setzten ihre Transporte durch die Strasse aus. Die Ölallianz Opec+ will sich noch am Sonntag treffen und könnte eine stärkere Erhöhung der Fördermengen beschliessen als ursprünglich geplant, um einen Preissprung aufzufangen.
Der tödliche Angriff auf Chamenei erfolgte laut US-Kreisen gezielt während eines Treffens mit seinen engsten Beratern. Staatsmedien zufolge arbeitete Chamenei zum Zeitpunkt des Angriffs am Samstag in seinem Büro. Neben ihm und Generalstabschef Mussawi seien auch seine Tochter, sein Enkelkind sowie Schwiegertochter und Schwiegersohn getötet worden. Israel und die USA hatten den Angriff zeitlich auf das Treffen der Spitzenfunktionäre abgestimmt.
Experten zufolge ist der Tod Chameneis zwar ein schwerer Schlag für das Land, bedeutet aber nicht zwangsläufig das Ende der klerikalen Herrschaft oder des Einflusses der Revolutionsgarden. Dennoch steht die Führung unter massivem Druck: Die Wirtschaft leidet unter Sanktionen, und trotz harten Vorgehens der Sicherheitskräfte flammen immer wieder Proteste auf.
Im Ausland regt sich andererseits Unmut wegen des Vorgehens der USA und Israels: In der pakistanischen Stadt Karachi setzte die Polizei am Sonntag Tränengas ein, um Demonstranten vor dem US-Konsulat auseinanderzutreiben. Der irakische Grossajatollah Ali al-Sistani kondolierte zum Tod Chameneis und rief die Iraner zur Einigkeit auf.
(Reuters)

