US-Präsident Donald Trump hat Spanien erneut scharf attackiert und drastische Massnahmen gegen den Nato-Partner angekündigt. Er habe US-Finanzminister Scott Bessent angewiesen, sämtliche Handelsbeziehungen mit dem südeuropäischen Land einzustellen, sagte Trump am Mittwoch ‌am Rande ⁠des Nato-Gipfels in Ankara. Trump nannte Spanien einen «schrecklichen Partner» in der Militärallianz. «Ich will keine Geschäfte mit ihnen machen», sagte er bei einem Auftritt an ⁠der Seite von Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Die EU-Kommission stellte sich nach den Drohungen vor Spanien, das als EU-Mitglied in die Handelspolitik der Europäischen Union eingebettet ist. An der Börse in Madrid ‌fielen die Aktienkurse dennoch deutlich.

Trump hatte Spanien bereits wiederholt scharf kritisiert, weil er der Regierung in ‌Madrid unzureichende Verteidigungsausgaben im Rahmen der Nato und mangelnde Unterstützung im Konflikt mit ​dem Iran vorwirft.

EU-Kommissionssprecher Olof Gill verwies auf bestehende Handelsverträge. «Wir erwarten, dass die USA ihre Verpflichtungen aus dieser gemeinsamen Erklärung einhalten, so wie wir unsere eingehalten haben», sagte er in Brüssel. «Die Kommission wird stets sicherstellen, dass die Interessen der Europäischen Union und all unserer Mitgliedstaaten vollständig geschützt sind.» Man werde sich weiterhin für einen stabilen, berechenbaren und für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen Handel einsetzen.

Die spanische Regierung reagierte gelassen. Das Büro von Ministerpräsident Pedro Sanchez teilte ‌mit, man werte Trumps Äusserungen als übliches Gebaren. Die bilateralen Beziehungen kämen beiden Ländern zugute. Deutlichere Worte fand Gesundheitsministerin Monica Garcia. «Wir sind ein souveränes, demokratisches Land, das Multilateralismus und Frieden verteidigt», schrieb sie auf der Online-Plattform X. «Schrecklich ist es, Diplomatie mit Schikane zu verwechseln.»

Aktien unter Druck

Trumps Drohungen setzten spanische Aktien und Anleihen ​unter Druck. Der Leitindex IBEX fiel am Nachmittag um 2,6 Prozent und steuerte auf den grössten Tagesverlust seit ​Trumps erster Drohung Anfang März zu. Damit war er das Schlusslicht unter den grossen europäischen ​Börsenbarometern. Die Aktien der Finanzschwergewichte Banco Santander und BBVA gaben um 4,3 beziehungsweise drei Prozent nach, während die Papiere des Zara-Eigners Inditex 3,6 Prozent verloren. Am Anleihemarkt zogen die Renditen an. ‌Die Verzinsung der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen stieg auf 3,565 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit weitete sich dadurch auf fast 0,5 Prozentpunkte aus, den höchsten Stand in diesem Monat. Zudem verteuerten sich fünfjährige Kreditausfallversicherungen (CDS), eine Art Absicherung gegen einen Zahlungsausfall des Landes, auf ein Monatshoch.

Trump wiederholte beim Gipfel mit den ​anderen Staats- ​und Regierungschefs des transatlantischen Militärbündnisses seine scharfe Kritik am Nato-Partner Spanien nicht, wie ⁠ein mit den Gesprächen vertrauter Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Zuvor hatte Trump an die ​Adresse von Nato-Generalsekretär Rutte gesagt: «Spanien stimmt ⁠nichts zu, und man sollte die nicht durchschleppen.» An seinen Finanzminister gewandt, fügte er hinzu: «Ich will keinen Handel mit ihnen, ist das klar? (...) Setzen Sie ‌das sofort um. Reden Sie nicht einmal mit ihnen. Sie sind hoffnungslos. Sie sind schlechte Leute.»

Trump hat bereits wiederholt seine Verärgerung über Spanien zum Ausdruck gebracht. Das Land hat dem neuen Nato-Ziel, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben, nicht zugestimmt. Zudem ‌weigerte sich die sozialdemokratische Regierung in Madrid, den USA für den Krieg gegen den Iran den spanischen Luftraum ​oder Stützpunkte im Land zur Verfügung zu stellen. Die USA unterhalten mit dem Marinestützpunkt Rota und dem Luftwaffenstützpunkt Moron zwei wichtige Militärbasen in Spanien. Einem Vertreter der Regierung in Washington zufolge hatte das US-Verteidigungsministerium bereits im April in einer internen E-Mail Optionen dargelegt, wie Nato-Verbündete bestraft werden könnten. Dazu zählte demnach auch ein ‌möglicher Ausschluss Spaniens aus dem Bündnis.

(Reuters)