Auf ihn wartet der Spitzenposten bei der mächtigsten Zentralbank der Welt: Nach dem Willen von Donald Trump soll Kevin Warsh Chef der US-Notenbank Fed werden. Eine heikle Aufgabe, hatte US-Präsident Trump doch wiederholt Powell attackiert, beleidigt und Zinssenkungen von der Fed gefordert, die eigentlich unabhängig von Weisungen der Politik agiert.

Für den 55-jährigen Warsh ist es nicht das erste Mal, dass er im Rennen für den Vorsitz der US-Notenbank ist. Bereits 2017 soll Trump erwogen haben, ihn als Nachfolger für Janet Yellen zu nominieren - er entschied sich aber für Powell.

Sollte der US-Senat der Nominierung zustimmen, würde Warsh an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehren. Schon mit 35 Jahren wurde er 2006 Fed-Gouverneur - als jüngstes Vorstandsmitglied in der Geschichte der Notenbank. Damals erschütterte die Finanzkrise die Welt und schickte Schockwellen rund um den Globus. Heute ist die US-Wirtschaft weit weg von einer Krise, dafür ist der Druck aus dem Weissen Haus auf die Fed immens.

Karriere in Politik und Finanzbranche

Warsh, Schwiegersohn des engen und langjährigen Trump-Freundes Ronald Lauder, ist ein ausgewiesener Finanzexperte und hat eine steile Karriere hinter sich. Geboren im Bundesstaat New York, studierte er Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Wirtschaft und Statistik an der Elite-Universität Stanford und legte 1995 an der renommierten Harvard Law School einen Jura-Abschluss ab.

Danach arbeitete er bei der Grossbank Morgan Stanley im Investmentbanking, bevor es ihn 2002 in die Politik zog. Als Sonderberater unterstützte er den damaligen Präsidenten George W. Bush in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Bush nominierte ihn dann für den Posten des Fed-Führungsgremiums, dem er bis 2011 angehörte und dort Vertreter der Fed bei den G20-Staaten war.

Wie tickt Warsh in Sachen Gedpolitik?

Warsh, der derzeit an der Universität Stanford tätig ist, gilt eigentlich als «Inflation Hawk», der eher zu einer restriktiveren Geldpolitik tendiert, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Warsh soll sich allerdings laut US-Medien offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt haben. Das wäre ganz im Sinne von Trump, der mit Zinssenkungen die Wirtschaft ankurbeln will. Auch würden sie helfen, die hohe US-Staatsverschuldung zu finanzieren.

Trumps Attacken auf die Fed, die zuletzt die Leitzinsen stabil hielt, haben an den Finanzmärkten die Sorge geschürt, dass die Fed künftig politisch gesteuert werden könnte. Nicht umsonst hatten sich jüngst mehrere Zentralbankchefs hinter Powell gestellt, der ins Visier der Justiz geriet, weil er im Zusammenhang mit der teuren Sanierung von Fed-Gebäuden in Washington Falschaussagen gemacht haben soll.

Warsh als nächster Prügelknabe von Trump?

Warsh stehe nun vor einem schwierigen Spagat, meint Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. «Einerseits muss er die nervösen Finanzmarktteilnehmer überzeugen, dass die Fed unter ihm weiterhin eine unabhängige Geldpolitik nach Lage der ökonomischen Fakten betreibt. Andererseits erwartet der US-Präsident, welcher ihn ernannt hat, in die geldpolitischen Erwägungen der Notenbank einbezogen zu werden.»

Wenn es ungünstig laufe, könne Warsh im neuen Job nur verlieren. Entweder, er könne den Zentralbankrat überzeugen, für Zinssenkungen zu stimmen. Dann drohe aber das Vertrauen der Anleger in die Fed zu erodieren. «Oder Herrn Warsh geht es wie seinem Vorgänger Jerome Powell, und er findet sich binnen weniger Monate in der Rolle des neuen Prügelknaben Donald Trumps wieder.»

Trump jedenfalls ist von Warsh fest überzeugt: «Ich kenne Kevin schon seit langer Zeit und habe keinen Zweifel daran, dass er als einer der GROSSEN Fed-Vorsitzenden in die Geschichte eingehen wird, vielleicht sogar als der beste», schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.

(AWP)