Der Plattformbetreiber Trump Media & ⁠Technology Group (TMTG) prüfe ein solches Angebot für Börsenhändler und Investoren, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. TMTG habe in den vergangenen Wochen zudem ‌einen Tarif von 60.000 Dollar pro Monat für Firmen angeboten, die einen Dreijahresvertrag abschliessen . Zuvor hatte ‌die «Financial Times» («FT») über die Pläne berichtet. Das Vorhaben stiess bei den US-Demokraten auf ​scharfe Kritik.

Eine Stellungnahme der TMTG lag zunächst nicht vor. Das Weisse Haus verwies auf das Unternehmen. Dieses hatte am Donnerstag einen kostenpflichtigen Daten-Feed namens «Truth API» angekündigt. Damit sollen Banken und Handelsfirmen über Beiträge der zehn einflussreichsten Nutzer rascher informiert werden als andere Leser. Zu diesen Konten gehören neben dem des US-Präsidenten auch die seiner Söhne Donald Trump Jr. und Eric Trump sowie bekannter Unterstützer. TMTG nannte bei der Vorstellung keine ‌Preise, erklärte aber, es hätten sich bereits Kunden für den Start am 1. August angemeldet.

Ankündigungen Trumps auf Truth Social haben in der Vergangenheit die globalen Märkte erheblich beeinflusst, was seine Beiträge zu einer wichtigen Informationsquelle für Händler macht. Für sie sind Zeitvorteile bares Geld wert. Ein Vorsprung von ​nur wenigen Millisekunden könne bei grossen Transaktionen Gewinne von Hunderttausenden Dollar bedeuten, sagten die Insider. So stiegen die ​wichtigsten Indizes an der Wall Street am 9. April 2025 deutlich, nachdem Trump ​in einem Beitrag eine 90-tägige Aussetzung vieler seiner neuen Zölle angekündigt hatte.

Der demokratische Senator Ron Wyden erklärte, das Angebot werde die Familie Trump finanziell begünstigen und Investoren an der Wall ‌Street reich machen. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren sprach von einem «ungeheuerlichen Plan, um von der Präsidentschaft zu profitieren». Kritiker werfen Trump und seiner Familie vor, sich durch politische Entscheidungen seiner Regierung bereichern zu wollen. In seiner jüngsten Offenlegung der Finanzen meldete Trump für das vergangene Jahr Einnahmen von mehr ​als 1,4 ​Milliarden Dollar aus den Krypto-Geschäften seiner Familie, nachdem diese von Richtlinien ⁠profitiert hatten, die er angekündigt hatte.

Donald Sherman, Präsident der überparteilichen Beobachtergruppe Citizens for Responsibility and ​Ethics in Washington, nannte die Pläne «zutiefst ⁠unethisch». Es sei jedoch anhand der öffentlich zugänglichen Informationen schwer zu beurteilen, ob sie illegal seien. Verfassungsrechtliche Anti-Korruptions-Klauseln griffen in diesem Fall voraussichtlich nicht. Regeln ‌zum Insiderhandel seien ebenfalls nicht einschlägig, wenn potenziell Hunderte oder Tausende Personen früheren Zugang zu den Beiträgen erhielten, sagte Sherman.

Die TMTG-Aktie schloss am Freitag nahezu unverändert bei 9,66 Dollar, was dem Unternehmen einen Marktwert von etwa 2,7 Milliarden Dollar ‌verleiht. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 27 Prozent an Wert verloren. Der Donald J. Trump ​Revocable Trust, der Trumps Investments verwaltet, hält Börsenunterlagen zufolge etwa 41 Prozent der TMTG-Aktien. Obwohl das Firmenimperium von Trumps Kindern beaufsichtigt wird, ist der Präsident der Begünstigte der Einnahmen, die in diesen Trust fliessen. TMTG steht in scharfem Wettbewerb mit anderen Social-Media-Plattformen.

(Reuters)