Der Gipfel ist für den US-Präsidenten extra zeitlich verlegt ⁠worden, damit dieser in Washington pompös seinen Geburtstag feiern kann. Und es gibt die leise Hoffnung im G7-Kreis, dass der Präsident womöglich mit einer Einigung mit dem ‌Iran im Rücken besonders gut gelaunt nach Europa reisen könnte. Es gibt nach Angaben von ‌EU-Diplomaten Spekulationen, dass am Wochenende im nahegelegenen Genf eine entsprechende amerikanisch-iranische Erklärung ​unterzeichnet werden könnte. Umgekehrt könnte ein schlecht gelaunter Trump eine Belastung für das Treffen der G7-Länder werden, die ansonsten gerne Einigkeit gegenüber dem Rest der Welt demonstrieren würden.

Denn seit dem erneuten Amtsantritt Trumps haben sich die Gipfel der westlichen G7-Staaten und der G20-Gruppe der weltweit wichtigsten Volkswirtschaften deutlich verändert. Gemeinsame grosse Gipfel-Erklärungen peilen Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Kanada und Japan mit den USA schon gar nicht mehr an. Wie schon ‌in Kanada 2025 soll es auch diesmal bei dem bis Mittwoch dauernden Treffen eher Einzelerklärungen etwa zu Themen wie künstlicher Intelligenz (KI), irregulärer Migration, Rohstoffsicherheit oder dem Schutz von Minderjährigen in der digitalen Welt geben, die leichter zu vereinbaren sind.

Dabei hängen die beiden grossen Kriege im Iran ​und in der Ukraine über dem Treffen, zu dem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron neben dem ukrainischen Präsidenten ​Wolodymyr Selenskyj auch Ägypten und die Golfstaaten eingeladen hat. Denn der amerikanisch-israelische Angriff auf ​den Iran hat die Weltwirtschaft deutlich eingebremst, die Inflation weltweit in die Höhe getrieben und auch die deutsche Wirtschaft geschwächt. Sollte Trumps Ankündigung eines möglichen Abkommens mit Iran diesmal ‌stimmen, bestünde erstmals wieder Hoffnung, die hohen Ölpreise und damit auch die Inflation drücken zu können.

Bei der Ukraine sind vor allem Deutschland, Frankreich und Grossbritannien vorangeprescht. Als E3-Gruppe haben sie letztlich die Initiative für neue Gespräche mit Russland nach den gescheiterten Friedensbemühungen Trumps an sich gerissen. ​In Evian soll ​der US-Präsident so auf Linie gebracht werden, dass er die Europäer ⁠am Verhandlungstisch akzeptiert und sich nicht völlig aus der Konfliktlösung zurückzieht.

In Evian soll aber ​auch über die Probleme der ⁠Weltwirtschaft und die Umwälzungen durch die künstliche Intelligenz beraten werden. Die G7-Staats- und Regierungschefs werden dazu im Rahmen eines Mittagessens nach Angaben aus ‌französischen Kreisen auch mit Unternehmenschefs von Anthropic, OpenAI, Alphabet, Mistral AI oder Meta zusammentreffen. In einer Videoschalte hatten Macron, Kanzler Friedrich Merz und andere G7-Chefs bereits am Donnerstag mit China über Handelsprobleme beraten.

In gewisser Weise ist der G7-Gipfel diesmal nur ‌ein «Zwischengipfel» vor Treffen, auf denen dann auch verbindlichere Entscheidungen fallen: Bereits kommenden Donnerstag findet der EU-Gipfel in ​Brüssel statt, auf dem die EU-Kommission wahrscheinlich den Auftrag bekommt, den Instrumentenkasten gegen unfaire Handelspraktiken zu verschärfen - notfalls gegen China oder die USA. Anfang Juli folgt dann der Nato-Gipfel in Ankara. US-Präsident Trump soll nach Möglichkeit vorher dazu bewegt werden, sich auf eine weitere enge Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern ‌einzulassen.

(Reuters)