Nur Minuten, nachdem Donald Trump in einem Truth-Social-Beitrag am Montag um 12:05 Uhr europäischer Zeit seine Drohung zurücknahm, Irans Energieinfrastruktur zu bombardieren, brachen die Ölpreise um über 13 Prozent ein, die Staatsanleiherenditen stürzten ab, und Händler signalisierten, dass die US-Aktienmärkte zum Handelsstart kräftig steigen würden.

Dass der Iran weniger als eine Stunde später Trumps Behauptung widersprach, es gebe Verhandlungen, spielte kaum eine Rolle. Für die Wall Street war die Botschaft klar: Trump ist zumindest entschlossen, einen Krieg zu beenden, der die globale Wirtschaft seit über drei Wochen an den Rand einer Krise getrieben hat, seit er ihn entfacht hatte.

«Wenn sich das in den nächsten sieben bis zehn Tagen nicht löst, steht uns ein pandemieartiger Stillstand der Weltwirtschaft bevor», warnte Marko Papic, Chefstratege bei BCA Research. «Trumps heutige Ankündigung deutet darauf hin, dass ihm bewusst ist, wie nah die Realwirtschaft am Abgrund steht.»

Trumps Schritt löste eine wilde, fünfminütige Rallye aus, die den volatilsten Handelstag an der Wall Street seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran markierte. Die Entwicklung erinnerte an die scharfen Kursumkehrungen im April des Vorjahres, als Trump die globalen Finanzmärkte mit seinem protektionistischen Handelskrieg an den Rand des Abgrunds trieb, bevor er plötzlich zurückruderte. Wie damals richtete sich seine Ankündigung zumindest teilweise an verunsicherte Anlegerinnen und Anleger, die nach den Folgen der Eskalation einen weiteren schmerzhaften Verkaufsdruck zu Wochenbeginn fürchteten, berichten Insider.

Zweifel bleiben

Doch unter der Oberfläche blieb Skepsis, ob Trump den Krieg ebenso leicht beenden kann, wie er ihn begonnen hat. Als sich diese Zweifel durchsetzten, schwanden die anfänglichen Gewinne an den Märkten – ein deutliches Zeichen dafür, wie begrenzt Trumps Fähigkeit ist, mit blossen Worten Anleger zu beruhigen, die sich auf eine anhaltende Instabilität im Nahen Osten einstellen.

«Ich fürchte, es liegt nicht mehr allein in Trumps Hand, so wie er es bei den Zöllen noch in der Hand hatte», sagte Brad Conger, Chef-Anlagestratege bei Hirtle Callaghan. «Wer sich jetzt von Trumps Reaktion auf den Markt ermutigt fühlt, setzt sein Vertrauen falsch.»
In seinem ersten Amtsjahr nach der Rückkehr ins Weisse Haus hatten Händler gelernt, dass Trump seine Politik umkehrte, sobald die Marktreaktionen negativ ausfielen. Dieses Muster wurde als «TACO-Trade» (Trump Always Chickens Out) bekannt und führte zu einer «Buy-the-Dip»-Mentalität, während er Handelskriegsdrohungen ausstiess, eine Invasion Grönlands ins Spiel brachte oder die US-Notenbank Fed angriff.

Doch der Krieg gegen den Iran hat dieses Vertrauensprinzip untergraben. Die Feindseligkeiten haben sich in den letzten Wochen weiter zugespitzt, während Trump abwechselnd behauptete, den Krieg zu gewinnen, und Verbündete kritisierte, weil sie den USA nicht zur Hilfe kämen. Die iranische Führung bleibt an der Macht, und durch die Sperrung der Strasse von Hormus hat sie die globalen Energieversorgungswege abgeschnürt, die für den Rest der Welt lebenswichtig sind.

Die Folgen wurden in der vergangenen Woche immer deutlicher: Explodierende Energiepreise drohen einen neuen Inflationsschock auszulösen, woraufhin Händler damit begannen, sich auf Zinserhöhungen der Zentralbanken weltweit einzustellen. Das erhöht wiederum das Risiko einer Stagflation – also einer Kombination aus schwachem Wachstum und steigenden Preisen – und hat mehr als 2,5 Billionen US-Dollar aus dem globalen Anleihemarkt gelöscht. Damit steuert der Markt auf den grössten Monatsverlust seit über drei Jahren zu. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr der Krieg Trumps andere wirtschaftspolitische Ziele untergräbt – etwa niedrigere Hypothekenzinsen, stabile Ölpreise und die Darstellung einer soliden Wirtschaftslage vor den Kongresswahlen in diesem Jahr.

Obwohl Trump Fed-Chef Jerome Powell wiederholt dafür kritisierte, die Kreditkosten nicht zu senken, war die Rendite zweijähriger Staatsanleihen bis Freitag um mehr als einen halben Prozentpunkt gestiegen – getrieben von der Sorge, die Inflation könnte der Zentralbank die Hände binden.

«Während Präsident Trump offensichtlich nach Wegen sucht, die Ölpreise zu deckeln, könnte es diesmal – wie schon so oft – der Anleihemarkt gewesen sein, der ihn zum Handeln zwang», sagte Tom Garretson von RBC Wealth Management.

Vertrauensverlust und verunsicherte Anleger

Nach dem Kursrutsch am Freitag, der den S&P 500 in die längste wöchentliche Verlustserie seit einem Jahr trieb, erklärte Trump in den sozialen Medien, er sei «sehr nah dran, seine Ziele zu erreichen» und erwäge, die militärischen Aktivitäten im Nahen Osten zu reduzieren.

Kurz darauf drohte er jedoch erneut, Irans Strominfrastruktur anzugreifen, falls das Land die Strasse von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden wieder öffne. Dann ruderte er am Montag zurück und kündigte eine fünfägige Pause an – unter Verweis auf Fortschritte in Verhandlungen, die der Iran jedoch bestritt. Für viele Marktteilnehmer hat Trumps wechselhafte Haltung sowie seine bekannte Neigung zu Falschaussagen, Übertreibungen und Lügen seine Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten stark beschädigt.

Jordan Rochester, Stratege bei der Mizuho Bank, erklärte, die unklaren Botschaften aus dem Weissen Haus hätten Chaos in der Marktpositionierung gestiftet. «Das Schwierigste ist nicht, den Krieg vorherzusagen, sondern die Kommunikation aus dem Weissen Haus und die Marktreaktion darauf einzuschätzen», schrieb er in einer Kundenmitteilung. «Am Ende bleibt ein Markt zurück, der nicht weiss, ob dies ein glaubwürdiges Anzeichen für ein nahes Ende ist – oder nur ein weiteres 'sehr vollständiges, fast schon‘-Moment.»

Anleger zweifelten, ob Trumps Äusserungen am Montag mehr waren als ein kurzfristiger Versuch, die Märkte zu stützen. Bis zum Börsenschluss hatte der S&P 500 seinen Anstieg auf etwa 1,2 Prozent reduziert. Auch die Erholung am Anleihemarkt flaute ab.

«Wahrheit ist eine Frage der Wahrnehmung, und Trumps Hin und Her schafft Unsicherheit obendrauf – was überzeugte Bären zumindest davon abhält, noch stärker auf fallende Märkte zu setzen», sagte Michael Kantrowitz, Chef-Anlagestratege bei Piper Sandler «All dieses Hin und Her kauft Zeit und verhindert übermässige Zuversicht an den Märkten – zum Guten wie zum Schlechten.»

(Bloomberg/cash)