Die geplanten höheren US-Zölle auf Autoimporte aus Kanada treffen Branchenexperten zufolge primär die japanischen Hersteller Toyota und Honda. Sollte die von US-Präsident Donald ‌Trump angekündigte ⁠Verdoppelung der Abgabe auf 50 Prozent zum 1. Januar in Kraft treten, könnten die ⁠Autobauer zur Schliessung von Produktionslinien in Kanada gezwungen sein, erklärten Analysten am Montag. Die beiden Konzerne bauen zusammen ‌mehr als drei Viertel der rund 1,2 Millionen in Kanada ‌gefertigten Fahrzeuge. Etwa 427'000 Arbeitsplätze insgesamt sind ​vom Automobilbau abhängig. «Wenn man die kanadische Autoindustrie zerstören wollte, könnte man das mit diesen Zöllen erreichen», sagte Julie Boote vom Analysehaus Pelham Smithers.

Für die japanischen Hersteller kommt der Vorstoss aus Washington zur Unzeit. In Europa, Südostasien und Lateinamerika geraten sie unter Druck durch günstige ‌Elektrofahrzeuge chinesischer Rivalen wie BYD. Die USA sind der wichtigste Markt für Toyota und Honda, zumal chinesische Konkurrenten dort weitgehend ausgeschlossen sind. Dem Analysehaus Barclays zufolge stammten im vergangenen Jahr fast ein ​Viertel der in den USA verkauften Honda-Modelle und 17 Prozent der ​Toyota-Fahrzeuge aus kanadischer Produktion. Die deutschen Autobauer betreiben keine ​Werke in Kanada, exportierten im vergangenen Jahr nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie aber rund 35'000 Fahrzeuge aus ‌den USA nach Kanada. Sie wären von einem entsprechenden Gegenzoll der Kanadier betroffen.

Die Zölle sind Teil der protektionistischen Handelspolitik der USA, welche die globale Autoindustrie zu weitreichenden Anpassungen zwingt. Toyota reagiert ​mit ​einem Ausbau seiner US-Produktion und plant, über ⁠fünf Jahre bis zu zehn Milliarden Dollar in den ​USA zu investieren, darunter ⁠3,6 Milliarden Dollar für ein neues Werk im Bundesstaat Texas. Im vergangenen Geschäftsjahr kosteten US-Zölle ‌den weltgrössten Autobauer nach eigenen Angaben umgerechnet rund 7,6 Milliarden Euro. Honda kämpft ohnehin mit zu geringer Rentabilität. Ein hochrangiger Manager erklärte kürzlich, der Bau ‌eines achten Werks in Nordamerika hänge von der Verlängerung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens ​USMCA ab. Trump hatte sich am 1. Juli gegen eine automatische Verlängerung des Pakts entschieden, wodurch dieser nun jährlich überprüft werden muss.

(Reuters)