«Die Effekte wären substanziell», sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, am Samstag der Nachrichtenagentur ⁠Reuters. Trump hatte zuvor angekündigt, die Zölle von 15 auf 25 Prozent zu erhöhen - und zwar ab kommender Woche.

Davon wäre der deutsche Automobilsektor besonders betroffen. «Kurzfristig werden ‌Produktionsverluste auf fast 15 Milliarden Euro geschätzt, die langfristig auf etwa 30 Milliarden Euro ansteigen ‌würden», sagte IfW-Handelsexperte Julian Hinz. Das bedeute einen Verlust an realer ​Wertschöpfung von etwa 0,3 Prozent. «Deutschlands ohnehin schon langsames Wachstumstempo würde schwer getroffen werden», lautet das Fazit von Hinz. So erwarten die Kieler Forscher bislang ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr. Auch andere europäische Volkswirtschaften mit einer starken Automobilbranche – darunter Italien, die Slowakei und Schweden – dürften der IfW-Modellrechnung zufolge nennenswerte Einbussen verzeichnen.

Der Chefberater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Jens Südekum, rät angesichts der neuen Zolldrohungen Trumps erst ‌einmal zur Zurückhaltung. «Die EU sollte zunächst einfach abwarten», sagte Südekum der Nachrichtenagentur Reuters. «Es ist ja bekannt, dass Trump vollmundige Zollandrohungen gerne auch schnell wieder aussetzt oder zurücknimmt.» Eine genaue Begründung, warum sich die EU angeblich nicht an das bestehende Handelsabkommen mit den USA halte, ​sei der Präsident schuldig geblieben. Ausserdem sei unklar, ob die neuen Zolldrohungen nach der aktuellen Rechtsprechung des ​Obersten Gerichtshofs der USA überhaupt eine Rechtsgrundlage haben. «Alles wirkt recht impulsiv», sagte der ​Top-Ökonom.

«Stetiges Nachgeben als Schwäche»

Für den Ökonomen Marcel Fratzscher kommt die erneute Eskalation im Handelskonflikt mit den USA durch die Zolldrohungen von Präsident Donald Trump nicht überraschend. «Denn ‌Präsident Trump nutzt Deutschlands und Europas stetiges Nachgeben als Schwäche aus», sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). «Es rächt sich nun erneut, dass die Europäische Union und auch die Bundesregierung im Konflikt mit Trump immer wieder nachgegeben und ihn gewähren lassen haben.» Sie müssten nun ​endlich Rückgrat ​zeigen und Trump Paroli bieten. Nur so könnten sie eine stetige ⁠Eskalation verhindern. «Sie können und dürfen sich nicht länger erpressen lassen, sonst steigen die ​Kosten für die europäische Wirtschaft und ⁠insbesondere für die deutschen Exportunternehmen weiter an», warnte Fratzscher.

Die USA sind der wichtigste Abnehmer von Waren «Made in Germany». Im vergangenen Jahr wurden ‌Güter im Wert von 146,2 Milliarden Euro dorthin exportiert. Das waren 9,4 Prozent weniger als 2024. Den grössten Anteil der im vergangenen Jahr in die USA exportierten Waren hatten – trotz deutlicher Rückgänge – Kraftwagen und Kraftwagenteile: Deren Wert ‌summierte sich auf 28,5 Milliarden Euro, was 17,8 Prozent weniger war als 2024.

Die Europäische Union halte ​das vereinbarte Handelsabkommen mit den USA nicht ein, schrieb Trump zur Begründung am Freitag auf seiner Plattform Truth Social. Für Fahrzeuge, die in den USA gebaut würden, fielen weiter keine Zölle an. Vor Reportern sagte Trump später, die höheren Zölle würden Europas Autobauer dazu zwingen, ihre Produktion ‌schneller in die USA zu verlagern.

(Reuters)