Hintergrund der aufgeflammten Diskussion am G7-Treffen ist ein Ausverkauf an den Anleihemärkten von Tokio bis New York, der durch Inflationsängste und steigende Ölpreise im Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg ausgelöst wurde. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg zu Wochenbeginn beispielsweise auf 3,1791 Prozent, den höchsten Stand seit rund 15 Jahren. Frankreichs Finanzminister Roland Lescure als Gastgeber des G7-Treffens in Paris sagte, es sei kein Kollaps an den Anleihemärkten zu beobachten, sie befänden sich aber in einer Korrektur. Die Zeit, in der die Staatsverschuldung kein Thema war, sei vorbei. An dem Treffen nehmen auch Zentralbanker teil. «Ich mache mir immer Sorgen, das ist mein Job», sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor Beginn der Beratungen. Bundesbank-Chef Joachim Nagel betonte, es könnte «deutlich mehr» gemacht werden, um die Finanzmärkte zu beruhigen und zu stützen.
Viele Euro-Staaten sind hoch verschuldet. Steigende Marktzinsen deuten darauf hin, dass sich die Kosten für neue Schulden deutlich erhöhen und damit den staatlichen Spielraum für Ausgaben einschränken könnten. Das ist auch im G7-Land Japan ein Problem. Pläne der dortigen Regierung, zur Abfederung der kriegsbedingten Energiekosten neue Schulden aufzunehmen, trieben die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf rund 2,8 Prozent – den höchsten Stand seit Oktober 1996.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagte vor seinem Abflug nach Paris, der Nahost-Krieg sei eine ernsthafte Bedrohung für die Weltwirtschaft. «Auch deshalb muss alles getan werden, um den Krieg dauerhaft zu beenden, die Region wieder zu stabilisieren und freie Seewege durch die Strasse von Hormus zu gewährleisten.» Die G7 - bestehend aus den USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien und Grossbritannien - seien dafür der richtige Rahmen. «Dabei bleibt unser Weg als Europäer klar: Wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation. Wir setzen auf Partnerschaften, auf Verlässlichkeit, offenen Handel und die Stärke des Rechts.»
Die USA hatten Ende Februar zusammen mit Israel den Iran angegriffen. Dieser reagierte mit Angriffen auf mehrere Golf-Staaten. Die Strasse von Hormus - eine für Energielieferungen besonders wichtige Meerenge zwischen dem Iran und Oman - ist seitdem durch eine iranische Blockade weitgehend unpassierbar. Die Folge sind sprunghaft gestiegene Preise an den Tankstellen und insgesamt eine hohe Inflation.
USA wollen Druck machen
Die G7-Finanzminister wollen zudem eine Bilanz der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China nach dem Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping ziehen. US-Finanzminister Scott Bessent bezeichnete Trumps China-Reise als sehr erfolgreich. Er kündigte an, er werde die G7-Staaten drängen, Sanktionen zu verhängen, die auf die «Kriegsmaschinerie» des Iran abzielten.
Thema in Paris werden auch kritische Mineralien und Seltene Erden sein. Hier versuchen die G7-Staaten, ihre Bemühungen zur Verringerung der Abhängigkeit von China zu koordinieren. China dominiert die Lieferketten, die für Technologien wie Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien und Militärtechnik entscheidend sind. Lescure sagte, die G7 würden auf eine stärkere Zusammenarbeit drängen, um Märkte zu überwachen, Störungen vorwegzunehmen und alternative Bezugsquellen zu erschliessen, auch durch gemeinsame Projekte.
(Reuters)

