Die Einsatzkräfte setzten Tränengas ein und durchbrachen eine von Özels Anhängern errichtete Barrikade. Diese bewarfen die Polizisten mit Gegenständen. Ob es Verletzte gab, blieb zunächst unklar.
Nach dem Polizeieinsatz verliess Özel das Gebäude und kündigte vor jubelnden Anhängern an, die CHP werde von nun an auf den Strassen und Plätzen um die Macht kämpfen. Anschliessend führte er Hunderte Unterstützer in Richtung des Parlaments. Die abgesetzte Führung rief zudem für Sonntagabend zu Protesten an drei Orten in Istanbul auf. Der abgesetzte Parteichef sprach in einer auf X veröffentlichten Videobotschaft von einem Angriff der Polizei.
Auslöser des Polizeieinsatzes ist ein Gerichtsurteil vom Donnerstag. Die Richter hatten Özel abgesetzt und seine Wahl auf einem Parteitag 2023 wegen Unregelmässigkeiten annulliert. An seiner Stelle setzten sie den früheren CHP-Vorsitzenden Kemal Kilicdaroglu wieder ein. Dieser war bei der Präsidentenwahl im selben Jahr Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan unterlegen. Özel verurteilte die Entscheidung als Justizputsch.
Experten werten das Gerichtsurteil als Test für die Demokratie in dem Nato-Land. Die Entscheidung könnte Erdogans 23-jährige Herrschaft verlängern. Die nächste reguläre Wahl steht 2028 an. Sie müsste jedoch vorgezogen werden, falls der 72-jährige Erdogan wegen einer Amtszeitbeschränkung erneut antreten will. Die Regierung weist Vorwürfe zurück, sie setze Gerichte gegen politische Rivalen ein. Die Justiz sei unabhängig.
Özel forderte bereits am Samstag, so schnell wie möglich einen neuen Parteitag abzuhalten. Kilicdaroglu erklärte dagegen, ein Parteitag werde zu einem «angemessenen» Zeitpunkt stattfinden.
(Reuters)

