Der US-Konzern Uber, der mit «Uber Eats» bereits Essen aus Restaurants an die Haustür liefert, legte den Aktionären von Delivery Hero am Donnerstag ein Angebot über 41,50 Euro je Aktie oder insgesamt bis zu 13 Milliarden Euro vor und sicherte sich so 53 Prozent der Anteile. Delivery Hero sei eine logische Ergänzung, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi in einer Telefonkonferenz. «Der Zusammenschluss verdoppelt nahezu die Anzahl der Märkte, in denen wir sowohl Mobilitäts- als auch Lieferdienste anbieten werden.»
Dadurch wird Uber zum grössten Essenslieferdienst weltweit ausserhalb Chinas. Um Kartellprobleme zu vermeiden, gibt Delivery Hero gleichzeitig ein Fünftel seines Geschäfts für 1,4 Milliarden Euro an den New Yorker Finanzinvestor SSW Partners ab, darunter die Töchter in der Türkei und in Österreich. Im Zuge der Vereinbarung will Uber den Sitz von Delivery Hero bis mindestens 2029 in Berlin belassen, die Belegschaftsstärke dort stabil halten und bis zu zwei Milliarden Euro in Deutschland investieren.
Die Fusion werde sich von Beginn an positiv auf den Konzerngewinn auswirken, prognostizierte Uber-Finanzchef Balaji Krishnamurthy. Innerhalb der darauffolgenden drei Jahre rechne er mit einem Beitrag im hohen einstelligen Prozentbereich. Erreichen wolle er dies unter anderem mit einer raschen Zusammenlegung der IT-Systeme. Konzernchef Khosrowshahi betonte, aus seiner Sicht seien diese Vorhersagen konservativ.
Grossaktionär Prosus steigt aus
Für die Übernahme sicherte sich Uber die unwiderrufliche Zusage des Grossaktionärs Prosus, seinen knapp 17-prozentigen Anteil abzugeben. Die Erwartung einer Gegenofferte des Technologie-Investors habe sich als falsch erwiesen, kommentierte Analyst Giles Thorne von der Investmentbank Jefferies. Da das Management von Delivery Hero den Verkauf unterstütze und sich Uber die Mehrheit gesichert habe, sei eine Offerte eines weiteren potenziellen Käufers unwahrscheinlich. Uber hatte seine Beteiligung in den vergangenen Monaten unter anderem mithilfe von Derivaten auf rund 37 Prozent aufgestockt.
Prosus muss für die milliardenschwere Übernahme der «Lieferando»-Mutter Just Eat Takeaway auf Geheiss der Europäischen Union (EU) seine Beteiligung an Delivery Hero reduzieren. Medienberichten zufolge hatte Prosus jedoch bei den Behörden einen Aufschub beantragt und bei anderen Aktionären des deutschen Unternehmens wegen des Kaufs weiterer Anteile vorgefühlt.
Big ist beautiful
«Das Liefergeschäft ist hochkompetitiv und in hohem Masse von Skaleneffekten abhängig», begründete die Aufsichtsratschefin von Delivery Hero, Kristin Skogen Lund, den Verkauf. «Der Zusammenschluss mit einem starken Partner ist jetzt der richtige Schritt, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Fähigkeit zur Wertschöpfung bestmöglich zu sichern.» Als Faustregel gilt in der Branche, dass nur der Marktführer Geld verdient. Delivery Hero hatte daher 2018 sein Deutschland-Geschäft («Lieferheld», «Foodora») an den Rivalen Just Eat («Lieferando») verkauft und einen neuen Anlauf auf dem Heimatmarkt 2021 rasch abgebrochen.
Uber kann künftig in 99 Ländern Essen an die Haustür liefern. Delivery Hero ist bisher in 64 Märkten aktiv, 50 davon gehen an Uber. In 58 Ländern bietet Uber künftig Taxi- und Lieferdienste zugleich an, bisher sind es 34. 2025 lieferten Uber und Delivery Hero zusammen Essen im Wert von 236 Milliarden Dollar aus. Delivery Hero allein kam - die an SSW verkauften Töchter ausgeklammert - auf 42 Milliarden.
Delivery Hero gibt gewachsener Aktionärskritik nach
Der Katalysator für die Übernahme von Delivery Hero war der wachsende Unmut einiger Aktionäre über die Ertragskraft des Essenslieferanten. Vorstandschef Niklas Östberg leitete daher eine «Prüfung strategischer Optionen» ein und ging auf die Suche nach Partnern. Er selbst hat auf Druck einiger Anteilseigner für Anfang 2027 seinen Rückzug angekündigt.
Die seit Monaten andauernden Übernahmespekulationen verhalfen den Aktien von Delivery Hero zu einem Comeback. Im Vergleich zu ihrem Tief haben sie ihren Kurs mehr als verdoppelt. Am Donnerstag kamen sie jedoch kaum vom Fleck und notierten mit 38,34 Euro deutlich unter dem Übernahmepreis. Offenbar befürchteten einige Anleger kartellrechtliche Hürden. «Wir haben einen klaren Fahrplan für den Abschluss der Transaktion», betonte Uber-Chef Khosrowshahi. Sein Ziel sei es, zusätzliche Märkte zu erschliessen. Daher trenne sich Delivery Hero von Geschäftsbereichen, in denen sich die beiden Unternehmen überlappten.
(Reuters)

