"Ich sehe eine enorme Gelegenheit, das Tempo zu erhöhen, unsere 65'000 Kunden auf die nächste Stufe zu heben und neue Märkte zu erschliessen", sagte der neue Firmenchef Brian Duffy der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Das gelte insbesondere für das KI-Produkt Copilot von Microsoft. SoftwareOne sei weltweit einer der grössten Wiederverkäufer von Microsoft-Produkten. "Copilot kann unser Wachstum im nächsten Jahr wirklich beschleunigen", sagte der frühere SAP-Manager. Bei einer sehr konservativen Schätzung biete Copilot ein Umsatzpotenzial von 100 Millionen Dollar für die Firma.

Copilot könnte bereits im Januar oder Februar nächsten Jahres allgemein verfügbar sein, prognostizierte Duffy. Die Software soll mit Microsoft-Büroprodukten wie Word, Excel oder Outlook verzahnt werden und etwa Entwürfe für personalisierte E-Mails oder für Präsentationen erstellen. KI werde die Produktivität am Arbeitsplatz steigern. "Kunden auf der ganzen Welt wissen, dass sie generative KI einsetzen müssen", sagte Duffy. "Die Herausforderung für sie besteht darin, zu verstehen, wie sie dies in ihre Organisation einbinden können, und hier kommen wir ins Spiel."

Skeptische Anleger

Mit ihren über 9'000 Mitarbeitern hilft SoftwareOne Firmen dabei, die Software von anderen Anbietern wie Microsoft, SAP oder Adobe zu verwalten. Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen den Umsatz währungsbereinigt um 8,5 Prozent auf 506,8 Millionen Franken. Sowohl der Umsatz als auch die bereinigte operative Marge (Ebitda) blieben allerdings hinter den Markterwartungen zurück. SoftwareOne bekräftigte auch die Prognose für das Gesamtjahr, die ein zweistelliges Umsatzwachstum bei konstanten Wechselkursen und eine bereinigte Marge von 24 bis 25 Prozent vorsieht.

Die Anleger dürften allerdings eine gewisse Skepsis zeigen, ob SoftwareOne diese Prognose tatsächlich erreiche, erklärten die Analysten von Morgan Stanley. Abgefedert werde dies durch das Kaufinteresse von Bain Capital, so Morgan Stanley. Der Finanzinvestor hatte im Juni ein 2,9 Milliarden Franken schweres Übernahmeangebot angekündigt, war damit aber abgeblitzt. Auch eine nachgebesserte unverbindliche Offerte von 19,5 bis 20,5 Franken je Aktie oder insgesamt bis zu 3,25 Milliarden Franken konnte SoftwareOne nicht umstimmen. Stattdessen kündigte die Firma an, ihre strategischen Optionen ausloten zu wollen. Dazu gehörten die Fortführung der Geschäftstätigkeit als börsennotierte Gesellschaft, eine Fusion oder einen Verkauf des Unternehmens.

(Reuters)

Die Prüfung aller strategischen Optionen zur Wertmaximierung für alle Aktionäre sei im Gange, erklärte SoftwareOne. Die Diskussionen um die Zukunft der Firma hätten weder auf die Kunden noch auf die Mitarbeiter Einfluss gehabt, sagte Firmenchef Duffy.

Der Ire übernahm den Chefposten Anfang Mai, auch der Verwaltungsratspräsident ist neu. Zusammen sollen sie das Wachstum ankurbeln, die Effizienz steigern und damit für einen höheren Aktienkurs sorgen. Die Firma befindet sich im Umbau, der Wandel von einem Software-Wiederverkäufer zu einem Dienstleister auch im Cloud-Geschäft nimmt mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich angenommen. Bain Capital ist der Meinung, dass Wachstum in dieser Phase ohne eine Börsennotierung einfacher zu bewerkstelligen sei. Unterstützt wird Bain von den drei Gründungsaktionären Daniel von Stockar, B. Curti Holding AG und Rene Gilli, die insgesamt rund 29 Prozent der Aktien halten.

(Reuters)