Die gute Nachricht zuerst: Mit einem Vorsteuergewinn von 1,76 Milliarden Dollar übertrifft die UBS die bei 1,4 Milliarden Dollar liegenden Markterwartungen im zweiten Quartal ziemlich deutlich. Dabei stellt sie gar die optimistischsten Analystenerwartungen in den Schatten.

Die schlechte Nachricht jedoch: Das Global Wealth Management steuert gerademal 874 Millionen Dollar zum Vorsteuergewinn bei. Das sind 14 Prozent weniger als im zweiten Quartal letzten Jahres und weniger als die 945 Millionen Dollar, die Analysten der grössten Schweizer Bank im Kerngeschäft zugetraut hatten.

Zur Stunde gewinnt die UBS-Aktie 2,3 Prozent auf ein Tageshoch von 12,09 Franken. Allerdings begegnen Händler den Kursavancen aufgrund der anhaltenden Probleme im Kerngeschäft mit einer gewissen Zurückhaltung.

Tiefere Zinserträge im Wealth Management

Berechnungen von Morgan Stanley zufolge liegt der Vorsteuergewinn der UBS im zweiten Quartal auf Konzernebene um 16 Prozent über den Erwartungen. Wie die US-Investmentbank weiter schreibt, kann das eher schwache Ergebnis im Global Wealth Management durch das bessere Abschneiden in allen übrigen Geschäftsfeldern mehr als aufgefangen werden. Als erfreulich bezeichnet Morgan Stanley neben dem Gewinnbeitrag aus dem Investment Banking auch den geringeren Verlust im Corporate Center. Die US-Investmentbank empfiehlt die UBS-Aktie wie bis anhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 14 Franken zum Kauf.

Deutlich zurückhaltender äussert man sich bei der Deutschen Bank. Die deutsche Grossbank begrüsst zwar den höher als erwartet ausgefallenen Quartalsgewinn, zeigt sich gleichzeitig aber etwas enttäuscht vom verhaltenen Abschneiden im Global Wealth Management. Wie die Deutsche Bank weiter schreibt, hat die UBS im Kerngeschäft derzeit mit Preisdruck bei der Hypothekarvergabe sowie bei Geldmarktfonds zu kämpfen. Den Nettoneugeldabfluss von 2 Milliarden Dollar erklärt sich die Grossbank hingegen mit saisonalen Aspekten. Anders als Morgan Stanley stuft die Deutsche Bank die UBS-Aktie nur mit "Hold" und einem Kursziel von 13 Franken ein.

Ähnlich tönt es bei der Zürcher Kantonalbank. Letztere macht zum zweiten Mal in Folge das Corporate Center für die positive Gewinnüberraschung verantwortlich. Angesichts der Enttäuschung im Global Wealth Management und der eher geringen Gewinnqualität sieht die Zürcher Kantonalbank trotz negativer Kursentwicklung in diesem Jahr keinen Grund, die mit "Marktgewichten" eingestufte UBS-Aktie positiver einzuschätzen.

UBS-Aktie gilt als im Kurs zurückgeblieben

Anlässlich einer Branchenkonferenz liess sich UBS-Chef Sergio Ermotti Anfang Juni zu vorsichtigen Aussagen hinreissen. Nach einem schwierigen ersten Quartal habe sich das Tagesgeschäft in den Monaten April und Mai zwar stabilisiert. Letzteres allerdings von einer sehr tiefen Ausgangslage aus, so Ermotti. Ausserdem beschrieb er die Stimmung bei den Kunden zum Zeitpunkt der Branchenkonferenz als "fragil".

Händler schliessen nicht aus, dass Ermotti damals bewusst vorsichtig äusserte und positiv überraschen wollte. Solange die Grossbank nicht im eigens erklärten Kerngeschäft Wealth Management endlich an Schwung gewinne, sei auch bei der UBS-Aktie nicht mit deutlich höheren Kursen zu rechnen, so der Tenor. Mit einem Minus von 1 Prozent hinkt die Aktie seit Jahresbeginn sowohl jenen der beiden Rivalinnen Julius Bär (+23 Prozent) und Credit Suisse (+15 Prozent) als auch dem SMI (+18 Prozent) hinterher.

Lorenz Burkhalter Redakor Ringier
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